Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1854)
- Article
- Die Leher-Conferenz zu Crefeld
- Date
- 1854-10-01
- Page
- Seite 62 (sequence 4)
- Language
- German
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62 Jüdisches Schulwesen. eine fast Pharaonische sei. Unendlich beschränkt sei die Zeit und das Leben fordere doch sehr viel. Präsident giebt zu bedenken, ob man denn in einer Zeit, in welcher das Religionsgesetzliebe ans so manchen Familienkreisen gewichen, gleichgittig die Hände in den Schoost legen, und die, die den Weinberg des Herrn zu hüten berufen seien, die Jugend der Verwahrlosung auf den! Gebiete der Religion preisgeben dürfen? Hermanns findet den Grund der Religionslosigkeit nicht allein im Unterricht der Schule, sondern viel mehr noch in der Gewissenlosigkeit so mancher Rabbiner. Auf die Bemerkung des Präsidenten: der Rabbiner sei zunächst Lehrer der Erwachsenen, die Bildung der Jugend, auf welche hier die Aufmerksamkeit gerichtet sei, liege aber zumeist in Händen des Lehrers, erklärt sich Hermanns damit allerdings einverstanden, meint jedoch, was könne es nützen, der Lehrer sei religiös, erfülle alle religiösen Pflichten, erkläre die Religionsgesetze, die Kinder treten mit Wärme aus der Schule, aber dieser Eifer erlösche gar bald im Hause wieder. Es müsse demnach, wie Meyerbach bemerkt, versucht werden, ein religiöses Leben mit der Schule zu verbinden. Hermanns weist schließlich darauf hin, wie sehr es nothwendig sei, den Religionsunterricht nicht auf die Moraltehren zu beschränken, sondern auch den Sinn vieler Ceremonialgesetze dem Kinde deutlich zu machen, damit es mit der Form auch den Geist verstehen lerne. W o l f s d o r f sen. weist nochmals auf die Nothwendigkeit eines Buches hin, welches die Neligionölehre aus dem Pentateuche entwickele und auf das mündliche Gesetz Rücksicht nehme, da die Vorhandenen nicktt ausreichen. Die Conferenz erklärte sich hierauf mit den von Wolfsdorf und Hermanns entwickelten Ansichten einverstanden. Am 2. Tage der Conferenz war die Errichtung einer israelitischen Lehrerbildungsanstalt in der Rheinprovinz auf der Tagesordnung. Präsident erkennt die Verdienste der Anstalt zu Münster an, es stelle sich aber jetzt schon ein Mangel an Lehrern heraus, und diesem müsse begegnet werden. Es sei ferne, dem Vereine zu Münster Abbruch thun zu wollen., Allein man könne deshalb das Bedürfnis der diesseitigen Provinz nicht übersehen. Meyerbach spricht ganz und gar gegen die Errichtung einer solchen Anstalt, weil man dadurch das Bestehen der münsterschen untergraben würde. Man möge vielmehr dem dortigen Vereine reichlicher Unterstützung zufließen lassen und sicher würde noch mehr geschehen. Wolfsdorf sen. erkennt das Bedürfnis einer Anstalt für die Rheinprovinz um so mehr an, da die frühere Klage wegen Religionslosigkeit auch jetzt noch nicht gehoben, weil nach dem, unter Mitwirkung des Hrn. Präsidenten entworfenen Programm, welches eine Hebung der Anstalt anbahnen sollte, nicht gehandelt werde.