Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1854)
- Article
- Aus dem Großherzogthum Hessen
- Date
- 1854-10-01
- Page
- Seite 41 (sequence 5)
- Language
- German
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Audkm GrohKerzogthum Hefftn. 41 als ihres religiösen Sinnes. In den rheinhessischen Landgemeinden liegt diese unstreitig allerwichtigste Anstalt jüdisch-religiöser Gesittung und Bildung sehr im Argen. Sie lassen aber auch in diesseitigen Provinzen viel zu wünschen übrig. Dürftigkeit der Landgemeinden, Mangel an geeigneten wissenschaftlich und moralisch qualificirten Subjekten (fast 40 solcher wunderten in den letzten Jahren, weit ihnen die Gemeinden, theilS aus Furcht vor hierdurch erwachsenden größeren Ausgaben, als sie in der Folge zu tragen vermöchten, theilS ans unklugem Trotz, die definitive Aufnahme verweigerten, nach Amerika a«S) machen auch hier selbst die sorgfältigste Jnspeetion unfruchtbar. Wie wohtlhätig könnten hier große vermögende Gemeinden wirken, wenn sie reu in ihren Mitteln beschränkten, Beiträge zur anständigen Besoldung tüchtiger ReligionSlebrer leisteten! Gleichwohl besteht unseres Wissens in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen ein höchsten Orts bestätigter Verein zur Verbesserung dcS Zustandes der Israeliten, dessen menschenfreundliche und äußerst verdienstvolle Tendenz und Wirksamkeit darauf gerichtet ist, Kinder unvermögender Israeliten Handwerke erlernen zn lassen und unbemittelte Jünglinge, die sich dem jüdischen Schulfache widmen und zu diesem Bchufe ein inländisches Seminar besuchen, kräftigst zu unterstützen. Allein so heilsam auch die Früchte sich zeigen, die dieser Verein bereits gebracht, noch heilsamer würde er wirken, verwendete er seine Mittel zur anständigen Besoldung von tüchtigen Lehrern in unbemittelten Gemeinden. Ich wende mich von dieser betrübenden Seite unsrer Landgemeinden zu einer lichteren. Ein Blick auf den sittlich religiösen Zustand der Juden in: Großherzogthum zeigt sogleich, daß die Juden auf dem Lande, wie in Süddeutschlaud überhaupt, so hier in noch viel schärferer Abgrenzung und unter veränderten Zahlcnverhältnissen (sie zählen 5/e der aus fast 30,060 Seelen bestehenden jüdischen Population) treue Anhänger des traditionellen Zudeythums und in der pflichtmäßigen Ausübung seiner Pflichten nicht nachlässig sind. Freilich wollen wir hiermit nicht gesagt haben, daß nicht auch hier noch Manches zu wünschen, daß insbesondere hinsichtlich der religiösen Erkenntniß und der wahrhaft innern Religiösität nicht noch manche Wünsche übrig bleiben. Die noch vorwalteude treue Anhänglichkeit an das religiöse Gesetz berechtigt jedoch zu jeder guten Hoffnung für die Zukunft. In den größeren Gemeinden bildet diese dem traditionellen Judenthume anhangende Partei die ent-