Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1854)
- Article
- Grundzüge der Organisation und Aufgabe eines jüdischreligiösen Gemeinwesens
- Date
- 1854-10-01
- Page
- Seite 32 (sequence 1)
- Language
- German
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i on 32 Jüdische- Gcmcindewesen. ^rganisatimr rmd Aufgabe eines Wollen wir uns ein llrthcil über die gegenwärtigen Zustande irgend einer jüdischen Rcligionsgemeindc bilden, so müssen wir uns dazu den außer derselben und über derselben stehenden Maaßstab suchen, müssen uns fragen, was ist denn Wesen und Aufgabe einer jüdischen Rcligionsgemcinde überhaupt, auf welchen Prinzipien beruht ihre Organisation, nach welchen Grundsätzen hat sic innerhalb derselben die Losung ihrer Aufgabe anznstreben. Erst nachdem wir diesen Maaßstab gefunden, können wir daran die Thatsache» der Vergangenheit prüfen, die Zustände der Gegenwart würdigen, und sodann die Beantwortung der Frage versuchen, welche Aufgabe setzen diese Zustande der Gegenwart einem Heil erzielenden Streben für die Zukunft. Es ist aber das jüdischrcligiöse Gemeinwesen kein Gcdankending von heute und gestern, das erst seine beliebige Gestaltung und demnächstigc Berechtigung für die wirkliche Existenz zu erringen hätte. Die jüdischen Gemeinden sind vielleicht die ältesten Eommunalwesen der Welt, ihre Existenz zählt nach Jahrtausenden. Sie haben eine Aufgabe, die klar und entschieden vorgczcichnct und eine solche ist, die nicht erst aus der Gemeinde hcrvorgegaugcn, sondern der vielmehr die Gemeinde selbst ihre Existenz überhaupt verdankt. Sic baden Fundamental-Statuten, innerhalb deren freilich grundsätzlich freie Bewegung gestattet ist, die aber naturgemäß jeden gegen sie verstoßenden Act als nichtig und keineswegs zu Recht bestehend erkennen. Die Aufgabe einer jeden einzelnen Gemeinde ist aber keine andere alö die Aufgabe der großen jüdischen Gcsammtheit im Allgemeinen. Wie diese als ewiger Träger der jüdischen Gottcslehrc dieselbe nach schriftlicher und mündlicher Offenbarung unverbrüchlich zu erfüllen hat, so hat jede einzelne jüdische Gemeinde dasselbe Ziel in ihrem kleinen, örtlich beschränkten Kreise gemeinsam zu verwirklichen. Glcichgiltig wie viele, wo nur Juden in einem Ort zusammen wohnen, haben sie sich zur thatsächlichen Erfüllung ihrer gemeinsamen Gottcslehrc zu vereinigen, und aus Gesammtmittcln diejenigen Anstalten in's Leben zu rufen und zu erhalten, die eben diese Erfüllung bedingt, oder die doch von jedem Einzelnen für sich