Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1854)
- Article
- Der Jude und seine Zeit
- Date
- 1854-10-01
- Page
- Seite 24 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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1 OTi 24 Der Jude und seine Zeit. sie mehr auf meinem ganzen heiligen Berge; denn die Erde hat sich gefüllt mit Er; kenntniß Gottes, wie daö Wasser dcS Meeres Bett bedeckt/' — Dann, dann -- wenn die Zeiten gottgemäß geworden, wirv auch daö Zudenrhum zeitgemäß fein. Erst wenn Gott die Thräne von jedem Angesicht getrocknet, wird auch die Verkennung seines Volkes auf Erden enden, hat Gottes Mund gesprochen. Aber auch längst vor diesem Ziele, auf seiner ganzen Wanderung durch Zeiten und Länder, steht der Jude keineswegs so schroff durch sein Judenthum den Ländern und Zeiten gegenüber, weist ihn vielmehr dieses Zudenthum selbst auf jede Zeit und jedes Land, durch das er wandert, und lehrt ihn die fvcimblid^frcn, ernstesten Bande mit jeder seiner Zeit und jedem seinem Lande knüpfen. Weiß er cs doch, daß die Wackern, die Reinen aller Menschcnkreise Mitarbeiter sind am Gottesrciche auf Erden, weiß er eö doch, daß vor Allem seit fast zweitausend Jahren nicht nur die auch im Heideuthum geretteten Keime der reinern Meuschbctt, saß seitdem auch bereits wahrhaft jüdische Gedankensaarcn treiben und keimen und in den verschiedensten geistigen Bestrebungen zum Heile der Menschheit verarbeitet werden, und treibt ihn ja sein, ibn in den Garten der Natur und in die Hallen der Geschichte weisendes, ibn selbst zur Allentfaltung seiner Kräfte im Dienste Gottes ladendes Judeuthum dazu an, in jeder neuen Wahrheit einen willkommenen Beitrag zur Hellern Offenbarung Gottes in Natur und Geschichte, und iu jeder neuen Kltnst, in jeder neuen Wissenschaft eine willkommene Vermehrung der Mittel zum vollendeten Dienste Gottes zu erblicken. Keiner Wissenschaft, keiner Kunst, keiner Bildung wird daher der Jude abhold sein, sobald sie nur wahrhaft wahr, sobald sie nur wahrhaft sittlich, sobald sie nur das Mcnschcnbeil wahrhaft fordernd befunden werden.-. Zu prüfen bat er Alles an dem ewig unantastbaren Prüfstein seiner Gottes lehre; was davor und damit nicht besteht, ist für ihn nicht da. Aber je fester er auf dem Felsen seines Judeuthumes stehet, je voller er das Bewußtsein seines Judcntbnms in sich trägt, je geneigter wird er überall sein, das den jüdischen Wahrheiten entsprechende wahrhaft Wahre, wahrhaft Gute anzuuehmen und sich dankbar anzueignen, von welchem Geiste es auch gefunden, aus welchem Munde