Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1854)
- Article
- Thischri
- Date
- 1854-10-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Thischrt. verkohltem Herzen nur den Seufzer kennest: „Alles, ach Alles ist eitel!" Denn siehe! im jüdischen Geiste, im jüdischen Heiltgtbnm ist Nickts eitel. Nicht über Gräbern ward das jüdische Heiligtbum gebaut, der Tod unb die Zeichen des Todes blieben fern ans seinen Räumen. Nicht mit Trauerschmer; waren seine Hallen zu betreten, der Freude ward's erbaut. Von Morgen zu Morgen zählte man in seinen Kreisen. Nack Früblingen zäblt der jüdiscke Geist. Das Frübl i na s para di es — nickt erst das jenseitige — setzt er an den Anfang der Mensckengesckickte, und das Früblingsparadies zeigt er als Ziel der Geschickte, und ein Leben auf Erden zu lebren, in welchem nichts vergänglich, in welchem Alles ewig, Alles vorn Haucke ewiger, freudiger Göttlichkeit durckwebet werde, ein Leben auf Erden zu lebren, in welckem selbst Mühe und Arbeit, Trauer unb Schmerz sich zu seliger Heiterkeit verklären und der vergänglichste Keim und die flüchtigste Minute, vom ewigen Gottesgeist des Menscken erfaßt, als eine ewige Btütbe in den Kran; der Vollendung sick fügt, und schon hier ans Erden die Seligkeit blühet und schon bi er auf Erden die Ewigkeit taget und mitten durch Sturm und Nackt einer ewig herrlichen Frühlings- und Tages-Verjnngung entgegeureift — von Morgen zu Morgen, von Frühling zn Frühling zählen und leben zu lehren, das ist die Summe der jüdischen Botschaft des Heiles. Aber bevor die Seligkeitswahrheit Eingang finden kann, muß die Täuschung geschwunden sein, der Frühlingsbotschaft muH die Herbstposaune vorangehen, die Tbischrizählung mußt du beherzigt haben, wenn dwFrühlingsjahre zählen und leben willst; darum tritt dir der Thisckri entgegen am Anfang deiner irdischen Wallfahrtsjahre und will die Täuschung vernichten, und den Wabn verscheuchen und will dick lebren, auf von Täuschung und Wahn befreitem irdischen Boden, mitten in der Vergänglichkeit, mit dem Vergänglichen, heiter und selig die Hütte deines Lebens zu bauen. Zerbrochen lagen einst die Tafelscherben des göttlichen Gesetzes am ^Linai; denn es hatten die Väter wahnumnebelt das sichtbare Vergängliche über das. ewige Unsichtbare gesetzt, hatten von dem