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Jeschurun · 1887-12-22 · Heft 51 (22.12.1887) · p. 807

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 51 (22.12.1887)
Article
Die verschiedenen Arten des Antisemitismus
Date
1887-12-22
Page
807 (sequence 4)
Language
German
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807 Parole anSgcben: Jetzt oder nie! Vorwärts mit Gott für Kaiser -und Reich! (Stürmischer Beifall.) AuS Osnabrück traf ein telegraphisches Hoch auf ״den muthigen deutschen Vorkämpfer des Antisemitismus, Bocket" ein. Die Antwort auf die uculiche Polemik Stöckers gegen Böckel wurde nun vom Vorsitzenden Blavier gegeben, der folgende Interpellation verlas: ״Gedenkt der deutsche Rcformverciu bezüglich der offenen Angriffe des Herrn Stöcker und der versteckten des Herrn von Liebermann Stellung zu nehmen?" — Blavier: Ich halte Herrn Stöcker für einen Gegner Böckels (Rufe: Nein: Ja! Ruhe!). Sowohl Stöcker als Liebcrmann haben die ״Verschiedenen Arten deS Antisemitismus״ behandelt; ich kenne nur eine: die die Juden unter Frcmdengesetze stellen will. Die Konservativen haben die Kraft des Antisemitismus bloß für ihre Zwecke anSgenützt. Sic haben einen Mann als Aus- Hängeschild benutzt, um die Antiscmtcn zu ködern, das war Hofprediger Stöcker (Widerspruch!). Redner wirft dem Letzgenannten Halbheit vor, beschwert sich, daß Stöcker den Or. Böckel jo verächtlich behandelt, nennt den Konservatismus ״KohnservalismnS" und führt die ״Verbeugungen deS Herrn o. Licbermann vor Stöcker" auf dessen plötzlich bekannt gewordene Beliebt׳ heit in sehr hohen Kreisen zurück. Endlich hofft Herr Blavier, daß alle Konservativen, die noch etwas Ideales erstreben, dem deutschen Nefornwcrcin Zuströmen werden und ebenso alle Sozialdemakraten, die sich noch Glaube, Hoffnung und Liebe im Herzen bewahrt haben. (Beifall.) — Die Versammlung nimmt darauf gegen eine starke, durch Gegenprobe ermittelte Minorität folgende Nesolntion an: ״Die heute in den Arminhatten versammelten Antisemiten erklären sich mit dem bisherigcn Auftreten des Herrn RcichStagSabgcordncten Dr. Böckel einverstanden, sprechen ihm ihre Ancrkenung ans und protestiren gegen die Angriffe der Herren Stöcker und Liebcrmann gegen den besten aller Antisemiten." Eine Anzahl Herren enthielten sich der Abstimmung. Mit einem Hoch auf Sc. Majestät den Kaiser war die Versammlung eröffnet worden; mit einem Hoch auf Or. Böckel wurde sic geschloffen. Wer inls der Gcgeiiivilrt. Bon Friedrich N o t t. . ()!achdruck m׳l'0ic»0 (Fortsetzung.) Sie fühlte sich wunderbar gestärkt und ihr frischer Jugendmuth gewann bald wieder die Oberhand über die trübe Stimmung, die sie vorhin so sehr darniedergedrückt. Hätte sie nicht beständig der Angst und Sorge ihres Vaters gedenken müssen, sie hätte nicht übel Lust gehabt, das unglückselige Ercigniß, das sie getroffen, als interessantes Abenteuer zu betrachten. Der Raum, in dem sie sich befand, war in der That überaus anheimelnd, trotz seiner ernsten Pracht, wie sic solche in den ihr bekannten modernen Gemächern nie gesehen. Der Graf und seine Leute begegneten ihr mit einer Hochachtung, die durchaus nichts zu wünschen übrig ließ, ihre treulose Amme kam ihr nicht vor die Augen und sie fragte auch nicht nach ihr. Hatte sie nur die Gewißheit gehabt, daß ihr Vater sie am folgcnden Tage abholcn werde, sie hätte sich geduldig in ihr Schicksal gefügt. Aber sie glaubte doch nahezu mit Gewißheit darauf rechnen zu können. Der Graf hatte ihr mit seinem Ehrenwort versichert, daß ihre Angehörigen noch vor dem heutigen Abend Nachricht von ihr haben würden, konnte sie zweifeln an den: Worte deS Kavaliers? Nachdem sie das Frühstück beendet und das Tischgebet gesprochen hatte, trat sic zum Fenster: Sie war erstaunt über die herrlichen Parkanlagen, die sich vor ihren Augen ausbrcitcten. so weit ihr Blick reichte, überall frisches WatdcSgrün, von der Frühlingssonne beschienen, die ans einem nahezu wolkenlosen, azurblauen Himmel herniederstrahltc. Sic drückte an dem Schieber, um das Fenster zu öffnen, doch zu ihrem Erstaunen wich die ganze Fensterwand zurück, ein reich mit Blumen geschmückter Balkon ward sichtbar und würzige Waldeslnft weht ihr entgegen. Mit vollen Zügen athmete sie die frische, herrliche Lust ein und trat hinaus aus den Balkon, der sich weithin als Gallcrie längs dieser Seite des Schlosses, erstreckte. DaS Schloß selbst, ,)'0 weit sic cs von hier ans sehen konnte, war ein schöner alkerthümlicher Vau mit Säulengangen und Gallcricn, zwischen denen sich dunkler Ephcu cmporranktc. Erna ward nicht müde zu schauen, und langsam schritt sie die Gallcrie entlang, als plötzlich, ohne daß sie eine Ahnung hatte, woher er gekommen war, der Graf vor ihr stand. Unwillkürlich stieß sie einen Laut der Ucbcrraschung aus und wich einen Schritt znrück. ״Ich habe Sic erschreckt. Pardon, mein Fräulein. ״Bitte, Herr Gras — ich muß um Entschuldigung bitten, daß ich durch meine ׳Neugierde mich habe verleiten lassen, ohne zuvor cingcholte Erlaubniß alle die Herrlichkeiten hier in Augenschein zu nehm. Es war das allzu kühn von mir,". ״Aber mein geehrtes Fräulein, ich möchte im Gcgenthcil sehr bitten, sich während Ihres Hierseins vollständig als Herrin betrachten zu wollen. Sowohl ich als mein ganzes Haus stehen vollständig zu Ihrer. Disposition."

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