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Jeschurun · 1887-12-15 · Heft 50 (15.12.1887) · p. 794

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 50 (15.12.1887)
Article
Plaudereien aus der Schule
Date
1887-12-15
Page
794 (sequence 2)
Language
German
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794 mns und seiner Nachässung rcprüsentiren. unsere shstemalischen Lehrbücher der israelitischen Religion eine Berncinnng des Segens: -<והלדת נוים רכיט ואהה ל הלוה;, der nicht und von Anderen, sondern Anderen von unö zu entlehnen verheißt. Freilich muß man das Wahre von Jedem annchmcn, aber nicht daö Falsche nnd Unwahre, das ans allen Fugen und Kanten dieses ganzen Systems spukt. Die Erfinder der israelitischen Religion haben jedoch den Glauben zu verbreiten gesucht, als läge das alte Jndcnthum in. seinen letzten Zügen, und man dürfe daher vor feinem Mittel znrückschrccken, den von ihnen singirten Rothstand zu heben. Was ein alter Erfahrungssatz jüdischer Wahrheit von der Nemesis sagt, welche die Heuchler eines materiellcn Nothstandes ereilt, das hat die Erfahrung unserer Tage auch für die Heuchler unseres religiösen Nothstandes bestätigt: כל מי שאינו צרייך ליטול ונוטל אינו נפטר מן העולם עד שיצטרך לבריוה. ,.Wer nichts anzunchmcn nölhig hätte und doch annimnn, der scheidet nicht von der Welt, ohne die Menschen wirklich nöthrg zu haben." Wenn die Mutter aller Gott anerkennenden Neligionen wirklich altersschwach geworden wäre, ihre Wärter hätten sie eingedenk der Mahnung אל ר/כה כי קנה אמך nicht der Verachtung preisgeben dürfen, welche ihre Fälschung dcö JudcnthumS durch Degradirnng zu einer Kircheureligion bedeutet! Aber die Mutter ist nicht altersschwvch. Sie wird den erborgten uujüoischm Aufputz, mit dem man sie verjüngen d. h. verweltlichen möchte, so sicher von sich schütteln, wie sie auch Diejenigen von sich gestoßen hat, die sich als ihre Zeremonienmeistcr aufgcdrüngt haben. Wann das Pscudojudenthum unserer Tage, seinen Vätern nachfolgend, der unverfälschten jüdischen Wahrheit wieder das Feld räumen wird, ist allerdings eine Frage, daß cs aber dazu kommt, dajür bürgt unter allen Anzeichen des unaufhaltsamen Niedergangs am äugenscheinlichsten die Thatsache: שצריך לכריות, daß cs die teilte nöthig hat, nnd daß sie ihm täglich entschiedencr den Rücken kehren. Seine Tempel haben keine Beter, seine Prediger keine Zuhörer, seine Zcitun׳ gen keine Leser, seine Predigtcumagazine keine Ab׳ nehmer, seine Litcratnrvcreiue keine Mitglieder, seine Hochschulen keine Hörer, und die berechtigte Verdrießlichkeit der Entrepreneure über dieses offen kundige Fiasko von allen Seiten kleidet sich in die Klagen über das Sinken und Schwinden des religiösen Sinnes. Doch das gehört nicht mehr in diese Schul- Plaudereien; oder wenn man will, gehört es doch dazu. Vielleicht führt eine Kenntniß von dem Ursprung dieser Klagen zu der Ucberzcugung, daß diese lauten Lamentos über das Schwinden des religiösen Sinnes in Wirklichkeit das gerade Gegcnthcil bedeuten. Die bisherigen Auseinandersetzungen setzten die Berechtigung dieser Klage prüfnngslos voraus und versuchten den Nachweis, daß und warum die Religion unserer ReligionSschulen unfähig ist, den religiösen Sinn, wenn er wirklich gesunken ist, wieder zu heben. Das Bisherige hatte daher nur eine negative Tendenz. Die positive Seite dieser Untersuchung würde sich mit der Frage zu beschäftigen haben, wie denn die Schule und ihr Lehrstoff beschaffen sein muffen, um zur Förderung religiöser Gesinnung und Handlung thalsächlich beizutragen. Hierzu wäre cs nun allerdings erforderlich, festznstcllen, ob und in wie iveit jene Klagen berechtigt sind, und möge diese Seite nuferes Gegenstandes einer späteren Fortsetzung dieser Plaudereien Vorbehalten bleiben. Die verschied timt Arten des Antiskinitismus. (Schluß der Stöcker'schen Rede.) Seit einigen. Monaten macht sich eine bcsondere Art von demagogischem Antisemitismus breit, die der Sache bei* besonnenen, ruhigen, erfolgreichen Bekämpfung des Indenthums nur schaden kann. Ich meine nicht den deutschen Antisemitcnbund, mit dem wir ja stets in vcrhältuißmäßigem Frieden gelebt haben. Ich bin der Ueberzeugung, daß hier in Berlin der besonnene, ernstvolle, nüchterne Geist in dieser schwicrigen Frage so erstarkt ist, daß cs einem jungen Fremdliug nicht gelingen wird, Zwietracht zu säen, wo Eintracht uothwendig ist. (Nbhaster Beifall.) ES liegt ja in der Iudeufrage, daß sie von verschiedenen Seiten behandelt werden kann. ES gübt verschiedene Arten dcS AntisencitismnS: den theologischen, den nationalen, den Nasseil-AntisemitiSinuS nnd die Ausfassung, die von uns vertreten wird, und die ich die sozial ethische nenne. Die theologische Auffassung behandelt die Frage rein voin religiösen Gesichtspunkt nnd sucht sie durch Bekehrung der Juden zu erledigen. Die nationale Anssassnng prolcstirt dagegen, daß ein geringer Brnchthcil eines fremden Volkes uns nufere Geschichte verdirbt, unfern Volkscharaltcr zerstört, unsere Presse regiert (Beifall) und unsere Politik machen will. Die Anhänger dieser Richtung sagen: Deutschland gehört den Deutschen (Beifall!) und kein Winke! Deutschlands, kein Gebiet des geistigen Lebens soll den Juden gehören. (Lebhafter Beifall.) Dieser Standpunkt ist berechtigt; aber er genügt nicht. Er ist zu einseitig (NArse: nein! Heiterkeit) und steht in Gefahr, zum NassenauLifemitismus zu werden, der dritten Form, tu bic Frage anftritt. Eine Frage vom klarsten Nasseujlandpunkt zu behandeln, ist weder gebildet noch

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