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Jeschurun · 1887-12-15 · Heft 50 (15.12.1887) · p. 791

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 50 (15.12.1887)
Article
Bilder aus der Gegenwart
Date
1887-12-15
Page
791 (sequence 2)
Language
German
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791 nicht unerheblich verletzt und mußte aus den! nächsten Marktflecken den Arzt Helen lassen. Als dieser in vorgenickter Abendstunde sich entfernte, leuchtete ihm einer meiner tfciitc bis hinaus vor dem Park. Dort vcrnahmen sic Acchzcn und laute Hnlferufc. nnd erblickten in dem Graben, in dem zu dieser Jahreszeit glücklicherweise kein Wasser ist, einen um ge stürzten Wagen nnd Pferde.- Sie beeilten sich selbstverständlich, den Vcrunglncklcn zu Hülfe zu kommen. Jene Iran dort erzahlte, daß sie mit ihrer Tochter auf der Reise wäre, daß die Pferde scheu geworden und mit dem Wagen du rchgcgangcn wären, und daß ihre Tochter vor Schrecken ohnmächtig geworden." .,Elende!" murmelte Erna, mit wnlhentbrannten Blicken auf die Bäuerin schauend, die mit niedergvschlagcnen Angen, vollständig theilnahmlos erschien. 011״ dieser Weise, mein Fräulein, sind Sic hierhergekommen. Und daß Sie sich hier unter meinem Schntz in vollständiger Sicherheit befinden, daö bedarf wohl nicht erst der Versicherung." ״Ich will es hoffen." murmelte Erna, trotz der Besicherung des Schloßherrn mit einer gewissen Acngstlichkei-t um sich blickend. ״O, mein -Herr!" fuhr sie in flehendem Tone fort, ״Sie versprachen mir nicht nur Schntz, Sie versprachen mir auch -Hülfe. Ich weiß nicht, in welcher Gegend ich mich befinde — wenn Sie die Güte haben wollten, durch einen Ihrer Leute mir den Weg zeigen zu lassen." ״Und wohin wünschen Sie?" ״Wir wohnen in der Nähe dcS Donau-Quais." ״Des Donau Quais? — Aber bitte mir gefälligst zu sagen, in welcher Stadt?" Erna blickte ihn betroffen an. ״Welcher Stadt? — Großer Gott! — bin ich denn hier nicht in unmittelbarer Nähe von O ....?" ״Mein Schloß liegt ziemlich, weit ab von der Bahn, so daß ich cS gewöhnlich vorziche, per Aze nach O ... . zu fahren. Unter zehn Stunden ist das jedoch nicht möglig." Erna schrie laut ans. ״Zehn Stunden! — o, mein Gott! mein Gott! — In welcher Angst wird mein Later sein!" ״Wollen Sie mir gefälligst die Adresse Ihres Herrn Vaters angebcn, so sende ich sofort einen Boten au ihn, der ihn Ihretwegen beruhigen wird." ״Ich danke Ihnen, mein Herr, Sie sind sehr, sehr gütig. Ich werde selbstverständlich den Voten begleiten." ״Verzeihung, mein Fräulein, da-S dürste nicht wohl angehcn. ES ist ein sehr junger Mann, den ich nach O .... zu senden beabsichtige, er ist zuverlässig, dürste als Schntz für eine junge Dame jedoch nicht geeignet sein." ״O. das schadet nichts, ich fürchte mich nicht." : «Ich bewundere Ihren Math. Nach dem, was Ihrer eigenen Schilderung nach Ihnen gestern widerfahren ist. — Wäre nicht meine Verletzung, die mir für die nächsten Tage das Reisen unmöglich macht, ich würde sofort anspanncn lassen nnd Sie persönlich zu Ihrer Familie geleiten." ״Wenn Sie mich durch einen Ihrer Leute nach O .... fahren lassen wollten," flehte Erne, ״ich würde Ihnen so sehr, sehr dankbar sein." Der Schloßherr zuckte die Achseln. ״Ich könnte cs weder vor Ihrem Vater noch vor ׳meinem eigenen Gewissen verantworten, eine so junge Dame von r— verzeihen Bic, daß ich cS ausspreche — von so seltener Schönheit eine so weite Reise allein unternehmen zu lassen?׳ Erna rang die Hände, Thrünen entstürzten ihren Augen. ״O, mein Gott! — mein Gott!" flüsterte sie. ״Ich bitte Sie um's HimmelSwillen. Fräulein, regen Sie sich doch nicht in diesermaßlosen Weise ans. Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, noch vor Abend werden Ihre Angehörigen wissen, wo Sic sich befinden. Dann wird vermnthtich Ihr Herr Vater selbst hereilen, um Sic abznholcn, oder er wird eine Vertrauenswürdige Person finden, unter deren Schutz Sie die Heimreise aiUrcteii können. — Wollen Sic vielleicht den Boten, den ich noch in dieser Stunde abscudeu werde, einige Zeilen an Ihren Herrn Vater nutgebcn?" Erna preßte die Hände gegen die Stirn. ״Ist cS denn absolut unmöglich, daß ich selbst sofort den Heimweg autrctc? — Ist nicht vielleicht eine anständige Frau in der Nähe, die mich begleiten könnte? — Mein Vater würde sie reich belohnen. — O, bitte, mein Herr, denken Sic nach, vielleicht —" ״Es thut mir außerordentlich leid, Fräulein, Ihrem Wunsche nicht willfahren zu können. Wir leben hier ziemlich abgeschlossen von der Welt, der nächste Marktflecken ist eine Stunde von hier entfernt, und dort ist mir keine Person bekannt, deren Schntz ich Sic mit gutem Gewissen anvcrtrauen könnte. Hier im Schlosse aber ist die alte gebrechliche Frau des Kastellans das einzige weibliche Wesen, denn als Junggeselle liebe ich weibliche Dienerschaft nicht. — Ich hoffe, Sic zweifeln nicht an meinem guten Willen, und sehen selbst ein, daß ich im Moment nichts Anderes thnn kann, als flhrc Familie schleunigst.benachrichtigen zu lassen, daß Sie sich hier im Schlosse und unter dem Schutze des Grafen S .....^befinden. Morgen um diese Zeit wird vcrmuthlich Ihr Herr Vater schon hier sein." ״Und so lange sollte ich warten!" schluchzte Erna. ״Ich beschwöre Sie, Fräulein, fügen Sie sich in das Unvermeidliche. Sic sind hier sicher, wie in Ihres

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