Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1887)
- Article
- Paul Clemens XIV. über die Blutbeschuldigung der Juden
- Date
- 1887-12-15
- Page
- 790 (sequence 2)
- Language
- German
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790 Stuhles genommen. Wir aber verbieten hiermit jede ungerechte Kränkung besagter Juden, deren Bekehrung der Barmherzigkeit Gottes anheimgegcbe» ist, nach Lcm 2r.£0־nit5 der Propheten, daß auch der Ueberrcst 'ÄL'k^Ungerettet werden solle, und empfehlen Euch, unfern Brüdern, durch diesen apostolischen Aries, daß Ihr um deswillen Euch denselben günstig und gewogen zeigt und insofern sic freventlich eingezogcn werden, zu ihrem Rechte verhelft, und daß Ihr nicht'zugebet, daß sie um erwähnter und ähnlicher Ursachen willen imverschuldet beleidigt werden. Die aber so dergleichen rhuu, sind durch Kirchenbußc mit Hiiitcnansetzllng der Berufung zu bestrafen. Gegeben zu Lyon, den 3. Juli, im fünften Jahre unseres Pontifikats.'׳' In Betreff der gleichen Beschuldigung in Padua (1475) und Bcrona (1603) weist Ganganelli die Unhaltbarkcit nach. Er geht sodann zu den Informationen aus Polen ״im Einzelnen" über. Aus denselben heben wir das Schreiben des Generals der Dominikaner P. Giovanni Baltista de Martinis vom. 3. Februar 1664 an den Provinzal von Polen P. Adam Chodorrucki hervor. ״Was die unglücklichen Inden betuftt, die im Königreich Polen zerstreut wohnen, so wird t.ns flehcntlich und kläglich gemeldet, daß sic da von der miwisscnden VolkSmassc und von Einigen, die ihnen ans Privathaß feind sind, durch mannigfache Bertcnmdnng und Beschuldigung boshaft verfolgt werden, und zwar unter den! Vorwände, als ob sie zur Bereitung ihres ungesäuerten BrodeS das Blut von Christen zu denutzen pflegen. . . Wir also, von gerechten; Mitlcid ergriffen, vertrauen sic eurer Rechtschaffenheit, sowohl als die Ihrigen .. dem unglücklichen Vottsstammc gegen solche ungerechte Vcrlämndnngen zu Hülfe zu kommen, da eS ja eine Pflicht der christlichen Milde nndJrömmigkeit ist, auch denen, welche durch Unrecht unterdrückt werden, das Herz christlicher Liebe zu öffnen. Insbesondere möge Euer Hochwürden in der ganzen Provinz in unserem und im eigenen Namen den einzelnen Predigern des göttlichen Wortes den Auftrag geben, daß sie in den Predigten und bei anderen Gelegenheiten, die sich im Allgemeinen darbietcn, die Völker ermahnen, daß sie nicht durch unerlaubte Abneigungen, falsche Beschuldigungen, schimpsliche Schmährcdcn oder durch jede Art von Angriffen und burd) die wntherfnlltc Miß- Handlung dieses unglücklichen Volkes unsern Gott beleidigen. Dcwirlct, daß die Inden durch die That selbst erfahren, daß wir nicht ihren Untergang wünschen, sondern ihr Heil." Nach gründlicher Prüfung und Widerlegung der Blutanschuldigungcn in Polen schließt Ganganelli seine Untersuchung solgcndcrwcise: ״Aus dem bisher Angeführten kann erkannt werden, mit welchen! lebendigen Glauben wir von Gott erbitten müssen, mit dem Psalmistcn (c. 118 V. 134): Nette mich von den Verleumdungen der Menschen. Man kann nicht in Abrede stellen, daß Verleumdungen den > Weisen trüben und die Kraft eines jeden Gcmnthes verderben, wie der Prediger im 7. Kapitel (VerS 7) sagt. Ich hoffe jedoch, daß der heilige Stuhl einige Vorsichtsmaßregeln für die Juden in Polen ergreifen wird, wie cS der heilige Bernhard, Gregor IX. und Innocenz IV. für die Inden Deutschlands und Frank-- rcichs ge!Han haben, damit nicht ferner der Name Christi bei den Juden gelästert werde!׳.nd damit nicht die Schwierigteilen ihrer Belehrung noch verniehrt werden. Ich wage nicht, irgend ein Projekt vorzuschlagcn, mn diese Unglücklichen von so vielen Gemetzeln zu br• freien, indem ich hoffe, daß Jesu Christo s.incm Viear die Mittet in den Sinn geben wird, welche für den christlichen Nan!en ehrenvoll sein und zur Bekehrung dieser Unglücklichen führen werden. Ich Fra Laurentius Ganganelli, Rath beim heiligen Ojfienm. Obiges am Montag. 24. d. I. (Monat fehlt) 1758 in der Sitzung der Conjnltoren berichtet, wurde entschieden, daß in der Angelegenheit, mn welche cs sich handelt, an ten Herrn NuntinS von Polen, gemäß der Vorlage, welche der ehrwürdige Pater, der Rath, jetzt der anSgczcichuele und ehrwürdige Herr Kardinal Ganganelli unterbreitet hat, nach den, in seinem Votum dargelcgtcn Gründen geschrieben werden solle." Kill!er ans der Gegkliniart. Von Friedrich Rote. (Nachdruck vcr:2׳tcn.) (Fortsetzung.) ״Darf ich fragen, mein Fräulein, was Ihnen widerfahren ist?" ״ES ist entsetzlich!" flüsterte Erna, die Hände ringend, doch sich ermannend, fuhr sie etwas lauter fort: ״Dieses Weib, sie war meine Amme und hat von jeher Zuneigung zu mir geheuchelt, denn meine Eltern haben ihr viele Wohlthaten erwiesen — und ich hatte volles Zutrauen zu ihr — dieses Zutrauen hat die Elende benutzt, unter dem Vorwände, eine Sterbende verlange nach mir, hat sie mich mit sich gelockt, hat mich veranlaßt, in einen Wagen einzusteigen und dort hat sic mir eine betäubende Essenz ins Gesicht gesprengt. — Was weiter mit mir geschehen ist, weiß ich nicht — wie ich hierher gekommen —" ׳.DaS kann ich Ihnen mittheileu, mein Fräulein," sic! der Herr dcS Schlosses ein. ״Auch mir ist gestern ein Unfall begegnet, ich habe mir den rechten Fuß