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Jeschurun · 1887-12-08 · Heft 49 (8.12.1887) · p. 780

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 49 (8.12.1887)
Article
Die verschiedenen Arten des Antisemitismus
Date
1887-12-08
Page
780 (sequence 3)
Language
German
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780 ט. Hanse mann, in dieser Weise heruntcrgezogen wird, so ist das unerhört und die Herren sollen sich nicht wundern, wenn das deutsche christliche Volk endlich von einem Ekel vor diesem Treiben ergriffen wird, der zuletzt llicht mehr in Worte zu fassen ist. Gegen eine Aeußernng dieses Machwerks miijj ich besonders Protefttvcn: ״Wie unverdient und gehässig erscheint nrir da der Glaubens׳ und Rassenhaß, der von Elementen, die, wie wir wahrnehmen können, für orthodox gehalten werden, angefacht worden ist und lisch immer von ihnen geschürt wird." Ich möchte den sehen, der hier in Berlin jemals Haß gegen den Glauben der Inden gepredigt hat. Ich habe selbstverständlich nie ein Wort des Hasses oder der Abneigung gegen den Glauben der Inden ausgesprochen (?), den ich für einen Irrt hum halte, dessen Anhänger ich bedanrc, wie alle Nichtchristen, der aber doch der Vorläufer unseres Glaubens gewesen ist. Ich predige ja so oft über Sprüche ans den heiligen Büchern der Inden. Wie kann Jemand so unwissend sein, das nicht zu kennen? Es ist nicht nur nicht thatsächlich, sondern nicht einmal möglich, daß ich Haß gegen den Glauben der Juden schüre. Darin begegnet sich das ״Berliner Tageblatt" mit Herrn Dr. Böcke!, der uns ja auch sagt: wir fassen die Indenfrage religiös aus. DaS müssen die Herren lernen, daß daS erwachte deutsche National- und christlichc Ehrgefühl solche Angriffe von Iudenblättcru nicht mehr hinniinnlt. Der Kampf hat sich daran entzündet, daß der verstorbene Du. Straßmann sich in unsere kirchlichen Angelegettheiten mischtc. Ich rnse den?eitlen, die den wenig beneidenswerthen Muth haben, das wieder zu thnn, zu: Hütet euch! sonst könntet ihr euer Vorgehen noch einmal bedauern. Was geht denn diese Inden die Stadtmission. waS gehen sie unsere kirchlichen Streitigkeiten an? Sie sollen sich um ihre Zwistigkeiten zwischen ״Orthodoxen-" und ״Reformjllden" kümmern. Ich sollte meinen, daß solche Ereignisse für Alle, die im Kampf gegen daS Jndenthum stehen, einen erncuten Antrieb zur Einigkeit geben sollten. (Beifall.) Leider wird aber nnnöthiger Hader auch jetzt nicht vermieden. (Schluß folgt). Korrcspoiidenzcn uttb Nachrichten. D entschlcnrd. Hannover, 6. Dezember. Gestern fanden die Wahlen für die ans dem Vorstände und dem Repräsentantcnkollcginm AnSschcideuden statt. Bei einer Bethcilignng von etwa 55 Prozent der Wahlbcrcchtigten wurden die Ausgcschicdenen, die Herren Geh. Kommerzicnrath Louis E. Meyer und Kommcrzienrath Adolf M o ll i n g für den Vorstand, und Louis Alexander, Dr. juris Emil 33c1* eil & und Isaac H i r s ch für das Nepräsentantenkollegium wiedcrgewählt. Die gestrigen Wahlen waren die ersten, welche nach dem neuen Wahlrcglemcnt vollzogen worden sind, welches sich dadurch von dem bisherigen unterscheidet, daß nicht mehr wie ehedem in der Gemeindevcrsaminluug, sondern in einem langem, mehrere Stunden umfassenden Wahltcrmine gewählt wird. 6. Bet Nu, 5.׳Dezember. Ich lese in der ״Kreuz- Ztg." die folgende Notiz: Der ״Pest. Lloyd" hatte vor Kurzem die Nachricht gebracht, daß Baron Hirsch 100000000 Franks jüdischen WohlthätigkeitS-Anstaltcu in Europa zur Berthcilung überwiesen habe. Diese Mitthcilung stieß ans Widerspruch und war in der Form unrichtig. Der wahre Sachverhalt ist nach dem Pariser Korrespondenten der ״Times" folgender: Vor etwa drei Monaten, vor der Abreise des Kaisers Alexander nach Kopenhagen, sandte Baron Hirsch ein Schreiben ' an den Zaren, in welchem er sich erbot, zur Errichtung jüdischer Elementarschulen in Rußland die Summe von 2000000 Lstr. zu schenken. Außerdem stellte er dem Zaren 40 000 Lstr. zu nwhllhällgen.Zwecken zur Bcrsügung. Der Zar setzte eine Bemerkung auf daS Schreiben und befahl dem russischen Minister des Innern, mündlich nach seiner Rückkehr nach Nußland über die Angelegenheit Bericht zu erstatten. DaS Anerbieten blieb auf diese Weise drei Monate unerledigt, ES stand daher wohl zu befürchten, daß Baron Hirsch, gekränkt durch den langen Verzug, sein Versprechen zurücknehmen würde. Dennoch war die Befürchtung grundlos. Nach dem der Zar nach Nußland znrückgekchrt war, hörte er den Vortrag des Ministers des Innern und unterzeichnete die Annahme des Geschenkes. Die 2 000 000 Lstr. sollen in der Bank von England eingezahlt und Baron Rothschild und Baron de Worms zu Verwaltern der Stiftung ernannt werden. Die Zinsen der Summe werden etwa l 00 000 Lstr. betragen, und hofft man damit 10000 Schulen, welche 50000 armen K indem Aufnahme gewähren können, gründen zu können. (Wir halten diese Nachricht so lange für unbegründet, bis nicht eine an ten tische Bestätigung derselben erfolgt. Red.) N Wiirgbiirg. Dieser Tage ist der Nechcnschaftsbericht über die hiesige israelitische Lehrerbildungs-Anstalt für das drcumdzwanzigste Jahr ihres Bestehens erschienen, dem wir Folgendes entnehmen: Die Anstalt war im verstofsenen Jahre von 30 Zöglingen frequentirt, wovon dreizehn Unterricht, Wohnung, Beköstigung, Beheizung und ärztliche Behandlung in der Anstalt unentgeltlich

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