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Jeschurun · 1887-12-08 · Heft 49 (8.12.1887) · p. 774

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 49 (8.12.1887)
Article
Ist der "Deutsch-Israelitische Gemeindebund" zur Führung seines Namens berechtigt?
Date
1887-12-08
Page
774 (sequence 4)
Language
German
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774 In Lübeck haben der Gemciudevorstand und Gcmeiudcausschuß nur das Mandat;nr Administration der Gemeinde. In Hamburg ist durch das Statut vom Jahre 18^i7 dem Vorstand und dem Rcpräsentantcnkollcgium die Verwaltung des Finanz-, Armen-, Schul- und Begräbuißwcsens übertrage».?Nachdem wir also die Gesetzgebung säst der sämmtlichm deutschcu Staaten gemustert haben, können wir der Frage näher treten: Wohnt einem einzigen Gemcindevorstand, einem einzigen GememdcauSschuß oderNcprüscntantenkollcginm in Deutschland die Autorität innc, Namens der Gemeinde einen Bund zu gründen oder einem solchen beizutrctcn, welcher als ein Bund der'deutschen israelitischen Gemeinden gelten kann, und ist der Verband, welcher sich den stolzen Namen ״Deutsch-Israelitischer Gemcindebund" beilegt, zur Führung dieses Namens berechtigt? (Schluß folgt.) Mer ans der GcMmrt. Von Friedrich Rott. ׳' (Nachdruc! zicrbotcu.) (Fortsetzung.) ״Ich weiß wohl, daß Sie das können, Sie sind ja so gut — zu gut, möchte ich beinahe sagen." ״DaS möchte ich gerade nicht behaupten," lachte Erna, ״zu gut bin ich nicht und ntöcht'S auch nicht sein. — Aber der Fialer sührt in der That ausgezeichnet, so rasch bin"ich noch selten gefahren." ״Das kommt, weil ich ihm gesagt habe, daß eine Sterbende nach Ihnen verlangt und daß Sic rasch zu ihr wollen. Der Mann, wenn er auch nur cm Fiakerkluscher ist, scheint doch auch Gewissen zu haben." . ״Da sind wir ja gleich bei der Brücke. Jetzt werde ich die Fenster hmaufziehen." ״Ja. liebes Fräulein, Lhun Sie das. DaS Reißen in den Zahnen sängt schon wieder an," und wie zur Bckrästignng ihrer Worte zog sic ein Tuch aus der Tasche und hielt eS gegen die Wange. Erna sprach ihr aufrichtiges Bedauern aus, während sic beide Fenster sorgfältig schloß. ״Was hast Du denn da in dem GlaS?" fragte sic, aus ein Fläschchen deutend, LaS die Amme in der Hand hielt. ״DaS ist ein Geist aus der Apotheke," entgegncte die Amme mit wichtiger Miene, ..der ist für AllcS gut, wenn «tan Reißen in den Zähnen hat oder im Kopf und auch wenn man Zu einer Schwcrkrankcn geht, ist cs gut, zuvor daran zu riechen, damit man nicht angeftcckt wird. Der Apotheker hat gesagt, die Doktoren thun das immer, wenn sie zu einem Schwcrkranken gerufen werden." ״So?" sagte Erna, ״davon habe ich noch nie gehört." ״Sie sind auch noch sehr jung, liebes Fräulein, da können Sic noch nicht Alles ׳gehört haben. Aber da sind wir ja gleich in der P .... straße, ich bitte Sie, Fräulein, riechen Sie an dem Geist, damit cs Ihnen nicht schadet, wenn wir zu der Kranken kommen." i,Was fällt Dir ein," erwiderte Erna abweisend, ״ich bin gestern dort gewesen, ohne daß eS mir geschadet hat, so wird cs mir auch heute nicht schaden." ״DaS kann man nicht immer sagen," versetzte Kati, ״einmal schgdel's nicht, daö andere Mal kann'S darum doch schaden. Aber wenn mau vorher an dem Geist gerochen hat, daun kann eS unmöglich schaden. Ich habe das sehr viele Male gesehen. Also mir zu Liebe, Fräulein, Sic wissen doch, wie gern ich Sie habe, darum möchte ich gern sicher sein, daß es Ihnen nicht schadet, wohin Sie mit mir gehen, riechen Sic ein paar Mal daran, dann wird'S gut sein. Wenn Sie auch nicht daran glauben, darum können Sic's ja doch thun. Denn daß die Kati Ihnen nichts gicbt, waS Ihnen schaden könnte, davon sind Sie doch überzeugt." ״Gewiß, gcwtß," versetzte Erna lachend, ״sollte ich denn meine alle Kati nicht kennen! Also wenn Dir eine Gefälligkeit dadurch geschieht, so gicb Deinen Geist her." ״Gleich, gleich, liebes Fräulein," cntgegncte die Amme eilfertig, ״aber Sie müssen zwei oder drei Mal fest darauf riechen, sonst kann cs nicht nützen. — Aber warten Sic, so wird'S noch bester sein." Sie leerte bei diesen Worten einen Theil von dem Inhalt des Fläschchens auf ein Tuch und hielt dasselbe rasch dem jungen Mädchen unter die Nase. ״Ah pflii!" ries Erna und wollte den Kopf zurückziehen. Aber die Alte hielt sie so ciscnfcst, sic mochte wollen oder nicht, sie mußte den sogenannten Geist einaihmen. ״Es wird Ihnen gut Lhun, Fräulein, cs wird Ihnen gut thun!" Dem jungen Mädchen waren die Augen zugefallen, in dumpfer Betäubung lehnte sic in die Wagmccke, ein Lächeln der Befriedigung spielte um die Lippen der Bäuerin, während sie die schöne Schlafende mit zärtlichen Blicken betrachtete. ״Es wird ihr gut thun," murmelte sie, ״eS wird ihr gut thun." Der Wagen war indessen weiter gerollt, hatte längst die letzten Häuser passirt und dann einen Seiten-! weg cingcschlageu, der hinaus zu dem Wcingeblrge I führte, als Erna sich neigte als wolle sie erwachen.

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