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Jeschurun · 1887-12-01 · Heft 48 (1.12.1887) · p. 765

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 48 (1.12.1887)
Article
Rumänien [Nachricht]
Date
1887-12-01
Page
765 (sequence 2)
Language
German
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765 schließen müssen, so daß die Kinder gänzlich ohne Unterricht oder den schlechten Ehedarim überlassen sind. Die Schwierigkeit jüdische Lehrer und Lehrerinnen zu erlangen, welche den Unterricht in rumänischer Sprache crlhcilen können, was von größter Wichtigfeit ist, ist außerordentlich groß. Eine Normalschule um sich solche zu verschaffen, ist eine dringende Noth- Wendigkeit. Sic müßte unverzüglich in Bukarest, Jassy oder einer anderen großen Stadt errichtet werden. Außerdem müßten technische Schulen znni Unterricht der Knaben in nützlichen Handwerken vorhanden sein. Biele Kinder besuchen die im Allgemeinen guten Nationalschulen, aber in vielen Orten, sind solche nicht in genügendcr Anzahl vorhanden, und deshalb wird die Masse der jüdischen Kinder nicht ausgenommen. Die rnmäuischen Juden sind sich der Nothwcndigkeit des Jugend- Unterrichts durchaus bewußt, und die Kinder selbst sind bemerkenswerth fleißig llud intelligent. Ich hoffe deshalb, daß ׳die Juden in England, Frankreich und . andern Landern an diesem Unten ichtsircrke sich bctheiligeu. durch welches allein die Inden in Rumänien unter den gegenwärtigen traurigen Verhältnissen vor dem Verfallen in einen völlig gedrückten, niedrigen und nnglücklichen Zusiaud bewahrt werden können.!?0. Nov. '1887. F. D. Mocatta." Wir sind der Meinung, daß die Juden des Auslandes nicht in: Stande sind, auf die rumänische Negierung einen Einfluß ansznübcn, um den Bedrückungen und Mißhandlnugen, welchen die Inden preis gegeben sind, ein Ende zu uiachcn. Jede Förderung der materiellen Wohlsahrt und geistigen Hebung wird gewiß dazu beitragen, die Unterdrückten und Mißhandelten gegen das Unglück widerstandsfähiger zu machen; darin stimmen wir Herrn Moeatta zu. Wir halten cs jedoch keineswegs für überflüssig, nachdrncklichst zu betonen, daß die Gründung von Schulen dort wie überall nur dann znm Heile führen kann, wenn Bildüng, Wissenschaft und gewerbliche Ertüchtigung nicht auf Kosten der religiösen Gewissenhaftigkeit erlangt werden. * Dem jüngsten Monatsbericht der ״Alliance Israel. Univ." entnehmen wir das Folgende: Nach der ..Infratirca" vom 8/20. August hätten die Juden, welche in den Dörfern des Distrikts Riamtz ansässig sind, den Beseht erhalten, von dort fortzngchcu. Zn Anfang September hat man aus Budcsti Ghica, Distrikt Niamtz, den Juden Jakvb Goldenberg mir seiner Frau und vier Kindern, und aus Faurci den Inden Simon Zaharia mit seiner Frau und zwölf Kindern ausgewiesen. Da Simon Zaharia am festgesetzten Tage nicht fort gezogen war, ließ der Bürgermeister seine Habe ans Leiterwagen vor das Dorf bringen; der Steuereinnehmer behielt einen Theil der Möbeln zurück als Zahlung für die Steuer. — Der Präfekt von Futova richtete ein Zirkular an die Uiitcrpräfcffcn des Distrikts, um ihnen anzucmpfchlcn, darauf' zn achten, daß das Gesetz, welches den Fremden (man lese Juden) verbietet, sich in einer Landgemeinde niederzulassen, ohne vorher von der Kommniialbehördc dazu antorisirt zu sein, auch dnrchgeführt werde. Infolge dieses Gesetzes, sagt die ״Tutova" von Berlad in ihrer Nummer vom 10. September, ließ die Kommunalbchordc von Cotoroaia Moses Salomon, Avram Nosncr und Hermann Coslcr aus dem Dorfe ausweisen, und in mehreren anderen Dörfern votiric die Behörde die Ausweisung aller Fremden, welche sich dort ohne vorherige Autorisalion uiederließen. — Die ״Opininuea" vom 3k. August ^12. September) meldet, daß der Präfekt von Doljin die Unterpräsekten seines Distrikts anfgcsordert habe, das ans die in den Dörfern wohnenden Fremden beznglichc Gesetz strengstens durchzuführeu. — Ju Bukarest selbst wurden zahlreiche jüdische Arbeiter während der Monate August und September fcstgenommen und aus der Hauptstadt verwiesen. Ein Industrieller beklagte sich beim Polizcipräsctt, daß eine große Anzahl seiner Arbeiter ohne Veranlassung fcstge.n,ommen worden, und forderte, daß man sie unter seiner Garantie srcigebc, da er sonst seine Fabrik schließen müsse. Ein hoher Beamter des Ministeriums des Innern, welcher sich zufällig ans der Polizei- Präfektur befand, als jener seine Klage vorbrachte, sprach demselben seine Verwunderung darüber ans, daß er jüdische Arbeiter anstelle anstatt Italiener, Deutsche oder andere. Diese Ausweisungen treffen insbesondere die jüdischen Schucidergescllcn, von denen eine große Anzahl fcstgenommen und den Befehl erhielt, Bukarest zu verlassen. Die ״Lupta" vom 0./!8. September sagt Folgendes über die Ausweisungen i 11 Bukarest: Herr Eogaluiceanü sprach voriges Jahr in einer Sitzung der Kammer solgende Worte: Wir haben im Lande 400 000 Juden; folglich haben wir nur die Wahl zwischen zwei Dingen, wir müssen sie vertilgen oder sie assimiliren. Mit einem sv bedeutenden Element auf dem Kriegsfuß leben, ist ganz unmöglich. So liegen in der That die Sachen. Nehmen wir die unwahrschcinlichstc Hypothese an. und zwar, daß die Inden für Rumänien sehr schädlich seien, in diesen! Falle legt nnS die elementarste Logik die Pflicht auf, uns von einem so schadcnbringcndcn Element zu befreien; wir müssen alsdann jämmllichc 400 000 Inden nmbringen, ober sic sümmtlich sestuchmcn und über die Grenze schassen lassen. Zn einem dieser Mittel können wir greifen, aber wir machen uns lächerlich, indem wir fortwährend gegen die Juden eifern und kindische Maß«- regeln gegen sie ergreifen. Seit einigen Wochen infolge des Kongresses des Herrn Eduard Gherghcl, nimmt die Polizei in Vnkarcst jüdische Arbeiter fest und schickt

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