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Jeschurun · 1887-12-01 · Heft 48 (1.12.1887) · p. 758

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 48 (1.12.1887)
Article
Plaudereien aus der Schule
Date
1887-12-01
Page
758 (sequence 3)
Language
German
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758 Nun ist aber hier immer noch der beste Fall an- I genommen, daß nämlich die Kinder sich irgend etwas | bei diesen Definitionen und NedenSarten denken. Wenn aber die Kinder nichts von dem verstehen, was sic auswendig!erneu, hersagen und bekennen müssen, wenn n!an sic zwingt, ihrem Gedächtniß absolut Unvcrsiänd- .!icheS einzuprägen, und hat ihnen min glücklich den Kopf mit unfaßbaren Glaubenssätzen vollgepropst, so hat man ja erst recht das Gegentheil von dem erreicht, was man erreichen will. Man macht den Kindern die Neligionsstunden verhaßt, und der Schule entwachsen, gehen die Erwachsenen, ehemals in dem Neligionsmttcrricht gelangweill und gepeinigt, lebenslang der Religion aus dem Wege. Wer Kinder kennt, weiß cs, daß sie vor nichts ein größeres Grauen haben, als vor Langeweile. War sie in der Jugend, in irgend einem Raume, bei einer Beschäftigung vorherrschend, so verläßt den Menschen, der sie ertragen mußte, die Nückerinncrung an dieses peinliche Gefühl sein Leben taug nicht mehr. Nach Jean Paul macht solcher Neligionsmttcrricht aus den Kindern — Märtyrer. Was Lamartine von dem frühen Erlernen der griechischen Sprache sagt, gilt in noch viel höherem Grade von diesem Religionsunterricht: ״Griechenland ist für mich ein Buch, dessen Schönheitcn getrübt sind, weil man cs uns lesen läßt, che wir eS verstehen können. — Ein Baum, eine Quelle unter ciacm Felsen 2c. ist mir mehr wcrth, als das Denkmal einer jener klassischen Königreiche, welche meinem Geiste nichts .zuruscu als die Langeweite, die sie mir als Kind verursacht haben." Welchen Einfluß dieses die geistigen Kräfte des Kindes überspannend: und verwirrende Verfahren auf die Berstandcseutwickelung haben muß, welchen Riß die Wahrhaftigkeit des Kindes bei einer Methode erfährt, die vor schreibt, uubegreisbare Sätze nicht nur als begriffen, sondern als geglaubt, d. h. als wahr auszugebcn, diese und eine Reihe anderer pädagogischer Sünden sollen hier nicht erörtert werden. Hier handelt cs sich jetzt nur um den Beweis, daß dieser RcligionSunterricht keine Ncligiösilät erzeugen kann, .sondern Widerwillen und im günstigsten Falte Gleichgültigkeit gcgetl alles Religiöse zur Folge haben m n ß. Einen Hauplirumpf glaubt unser Ncligionsbuch gewiß auszuspielen, wenn cs feiner .;Nuten ersten Glaubenslehre noch die folgende Bemerkung beifügt: ״Nichts in der Welt ist mir nörhiger und wichtiger zu wissen, als dies; denn hieran hängt!nein Trost, meine Ruhe und meine ewige Seligkeit; darum muß ich mir dies klar machen, und alle meine Gesinnungen und Handlungen darnach cinrichtcn." Alle Sätze werden dann durch fromme Bibelsprüche gestützt und gewürzt, und wo diese nicht auSreichcn, werden an vielen Stellen auch ganze Strophen aus dem lutherischen Gesangbuch zitirt. Die vorliegende Stelle wird durch den Vers belegt: Mache mir (Gott!) Deine Wege.' bekannt, daß ich Dich cikcnnc. damit ich Gnade bei Dir finde! 2. B. M. 39, 13. Wenn dieser Vers nicht wie eine Faust aufs Auge passen soll, so muß seine beweisende Kraft doch die stillschweigende Voraussetzung haben, die Wege Gottes, deren Kenntuiß Mojes hier von Gott erbittet, sind eben die Einzigkeit, Ewigkeit, Geistigkeit, die diese Geisteslchre lehrt. Ist es mnt lucht wunderbar, wie schlecht sich Mojes auf unsere ״mosaische Religion" verstand! Ihre Katecheten und Alnmen lehren und lernen in der ersten Stunde, was Moses vom Hiutmcl als ein Gnadengeschenk erflehte, dessen volle Gcwährnug ihm niemals zu Thcil ward! (Schluß folgt.) Mer aus der Gkgkllmrt. Bon Friedrich N 0 11. . ־ (Nachdruck revboLcii.) (Fortsetzung.) Der Arzt trat;um Bette und begann die Untersuchung. Hätte Frau Wolf hierbei sein Gesicht beobachtet, sie hätte den Ausdruck maßlosen Entsetzens darauf wahrgcnonun.n, denn er war ein aufrichtiger Freund der 'Familie, die er hochschätzte. Unter dem Vorwand, ein Rezept verschreiben zu wollen, das ein Knecht in die Stadt in die Apotheke bringen müsse, begab er sich in das Zinuner deS Hausherrn. Dieser kam ihm - entgegen und blickte ihn fragend an. Der Arzt zuckte die Achseln und flüsterte einig-׳ Worte; -wie vom Schlage getrosten taumelte Wolf zuruck und barg das zuckende Antlitz in den Händen, seine schlimmste Befürchtung hatte sich verwirklicht. — — — Mehrere Tage waren verstrichen, Wolf befand sich in seinem Arbeitszimmer, einige eben eingetrosjene Briese lagen vor ihm, er öffnete einen derselben und las: ״Licder Freund! Hosflntlich treffen diese Zeilen Dich und Deine weithen Angehörigen bei bestem Wohlsein und kann ich nud) unsererseits Gottlob Gleiches berichten, auch die Gesundheit Deines Sohnes läßt Gottlob nichts zu wünschen übrig. Als Du vor einiger Zeit das Ersuchen an mich stelltest, ich möchte Deinen Sohn in mein Geschäft nehmen, erfüllte mich dasselbe mit aufrichtige Freude, > denn abgesehen davon, daß ein braver, tüchtiger

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