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Jeschurun · 1887-12-01 · Heft 48 (1.12.1887) · p. 757

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 48 (1.12.1887)
Article
Plaudereien aus der Schule
Date
1887-12-01
Page
757 (sequence 2)
Language
German
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757 אהד« אהד. ובסוד אחדותך הבמי יתמהו. בי לא ידעו מה הוא. לך הגבורה. אשר בסודה נלאו רעיוניבו לעמד. בי עצמת ממנו עד מאד. Du bist einzig! Und in Dcincr Einheit Ge׳- heimniß staunt der Wcifeil Sinn. Denn ihre Kenntniß reicht nicht an Dein Wesen hin. Dein ist die Kraft! An deren Gcheimniß ermüdct der Gedanke. Denn Dn bist mächtiger als seine Schranke, mit seinem NeligionSbnch in Händen würde nach der ersten Religionsstunde jeder kleine theoretische Ade׳ Schütz dem tiefen Denker und hehren DichlergcninS der Diaspora seine höchsteigene Ucberlegcnhcit mit einem הדני מבשלך בדבר שאפילו תנוקת של בית רבן יודעי; zeigen können. Denn unsere theologisch gebildeten Liliputancr wissen ja nicht nur das, was aller Weisen Sinn nicht zn ergründen vermag, sie können sogar mit kurzen Worten sagen, was mit Bibliotheken voll Bänden alle Theologen und Theosophen erfolglos anstreben: Was Gott sei! ״Die erste Glaubenslehre heißt: Er ist ein einziger, ewiger, geistiger und höchst vollkommener Gott, der Alleö erschaffen hat, Alles erhält und Alles regiert." Jetzt wissen wir'S. — Was ist aber nnS, was ist vor allen Dingen den armen Kleinen mit dieser Wissenschüft gedient? Einzigkeit, Ewigkeit, Geistigkeit sind abstrakte, transzendentale Begriffe, die den Dritter kalt lassen, selbst wenn er sie soweit erfaßt, als dies der beschränkten menschlichen Fassungskraft überhaupt möglieh ist. Was sollen aber Kinder mit diesen nnverstandencn, weil der menschlichen Einsicht überhaupt um verständlichen Wortschällen anfangcn? Angenommen aber, das Kind lege sich diese für cS absolut unbegreiflichen Worte in einer Weise zurecht, dag cS sich wirklich etwas dabei denken kann und gar glaubt, cS wisse nun in der That, was Gott ist, und was die Attribute der Einzigkeit, Geistigkeit re. bedeuten׳, wird diese Sorte von GotteSerkemitniß wirklich die Gottes- Verehrung und Gottesfurcht bei dem Kinde zur Folge haben, wird sic nicht daS gerade Gegen!heil bewirken? — ES giebt keine Gottesfurcht ohne ein ticfcö Gefühl von der Unbegreiflichkeit der ersten Ursache aller Dinge. Dieses Gefühl wird durch Kenntniß und Wissenschaft nicht vermindert, sondern verstärkt, so daß die vollkommenstc Einsicht in den Mechanismus dcS WeltgcbäudcS und die Natur seiner Bewohner, eben zur höchsten Ucberzeugnng von der Unbegreiflichkcit dcS Unbegreiflichen führt. Alles Streben nach Wissen trachtet dahin, den letzten Ring zu erfassen, au welchem die Welt mit ihrem ganzen Inbegriffe hangt; dieses Streben erreicht nie sein Ziel; aber die Vereitelung aller seiner Bemühungen löscht doch die Hoffnung einer möglichen Erfüllung nicht au-, die das irdische -eben und das Grab überfliegt. Darum ist der Durst nach Wissen, der so unauslöschlich in der Tiefe unserer Natur liegt, die herrlichste Bcglaubignng unserer höheren Natur und unseres Zusammen-. Hanges mit Gott, dessen Erkenntnis; uns während unseres Hierseins versagt ist, aber in dessen Ahnung wir schon Beruhigung und inneren Frieden finden. Zn diesem Durst gelangen die Kinder unserer Neligionsschnlen nie, denn er wird schon gestillt bevor er vorhanden ist. Deshalb dämmert ihnen auch kein Bewußtsein von GoltcS Unbegreiflichkeit ans, denn sie wissen ganz genau, was Gott ist, sic tragen sein Geheimniß in ihren Neliaionsbüchern und Schnibhestcu unterm Arme von der Schule nach Hanse und vom Hanse ins Leben. Deshalb bleibt ihnen auch die Gottesfurcht fremd, die allein auS dem Bewußtsein der Uncrgründlichkcit Gottes erblühen kann. Deshalb macht dieser Religionsunterricht Diejenigen, denen er eingebläut wird, unreligiös und von der Religiosität, welche die der Schule Entwachsenen dennoch im Leben noch bewahren und bewähren, kann man fidjer sagen: auS der RcligionSstnude stammt sie nicht. Jeder andere Unterricht, z.- B. in der Naturwissenschaft, Geschichte, ja selbst der Rechen- und Zeichenunterricht kann unter den Händen eines darauf bedachten Lehrers für die Erwerbung wahrer Religiösirät sich fruchtbarer erweisen, als dieser himmelschreiende Religionsunterricht. Unsere NcligiouSapostcl werden, wenn sic in einer schwachen Stunde je diese ketzerischen Gedanken lesen sollten, sich mit Entsetzen über die lästerliche Art und Weise bekreuzen, mit der hier über ihr Eins und Alles abgcurthcitt wird. Sic glauben — sie glauben ja so leicht, daß sie sogar Andere glauben lehren — sie glauben wirklich, ihr NcligionSunlcrricht sei eine rettcnde That, und er alleine halte das bischen Judenthnm — oder Religion, wie sic eS nennen — noch aufrecht, daS sich ihre Kaiechumenen im Leben bewahren. Zu ihrer Beruhigung oder noch lieber zu ihrer Beunruhigung mögen sich doch einmal Diejenigen unter ihnen, welche einen Blick in die innersten Triebfedern der jüdischen Menschen unserer Zeit haben, die Frage vorlcgm: ob ihre Religion nicht etwa die oberste Triebfeder, ob sie nur eine der allgemeinen Triebfedern des Lebens und Strebend ist, das sich vor ihren Augen vollzieht, ob besonders Diejenigen, welchen gerade daS Glück einer tieferen Bildung zn Thci! geworden ist, sich durch die Motive ihrer NcligionSbücher vorzngSwcise oder auch nur mit bestimmen lassen? Diese Frage muß doch jeder Redliche, der sich keiner Selbsttänschnng hingicbt, mit Nein beantworten.

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