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Jeschurun · 1887-12-01 · Heft 48 (1.12.1887) · p. 756

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 48 (1.12.1887)
Article
Eine volksthümliche Geschichte der Juden
Date
1887-12-01
Page
756 (sequence 3)
Language
German
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756 nie außer Acht lassen wird. Unsere heiligen Schriften! haben, wie das der Herr Professor in seiner Einleitung j zum ersten Bande des größeren Geschichlswerkeö Seite X,! freilich wohl in einem etwas anderen Sinne, ganz; richtig bemerkt, die Kritik nicht zu scheuen, und fügen wir ' hinzu, auch die!'einige nicht. Ob freilich, wenn von den Ergebnissen der Forschungen dcS Herrn Professors alles nur unter der Bedingung der Möglichkeit einer wirklich wissenschaftlichen Begründung in diese Volksthümliche Geschichte ausgenommen werden sollte, auch nur das erste -Heft derselben hatte herausgegeben werden können, das ist eine Frage, mit deren Beantwortung wir dem Folgenden nicht vorgreifen wollen. (Fortsetzung folgt.) Dürmcim MS der Schilt. Bon Bcgirlörabbiner Dr. (il) rin nun in Baden i Schweiz). V. Wenn trotz des vernichtenden Verdikts der in vorigem Kapitel zitirten kompetenten Gewährsmänner die kirchliche strenggläubige Richtung anßerjüdischer Kreise au ihrer Methode, die Religion zu lehren, scsthält, so kann man das theils 6uS den bereits an ge deuteten, thcils aus anderen Ursachen begreiflich finden. Aber bei uns wird man vergeblich nach jener inneren Bercchtigung oder auch nur Erklärung dieser Unbegreif׳ lichkcit suchen. Der alte Flügelschlag deS jüdischen Geistes, der noch in jeder treuen jüdischen Brust lebt, dessen Schwingungen sich noch selbst in der entfremdeten regen, führt den Juden — den orthodoxen und nicht orthodoxen — doch sonst überall in allen Fragen des öffentlichen Lebens, des Staates und der Kirche ansnahmsloS auf der Seite Derer, die für eine vernünstige. freiheitliche, natürliche Lösung aller dieser Probleme kämpfen! Und bei der religiösen Erziehung ihrer Kinder, bei dieser, die eigensten, tief einscimeidensten Lebeusinteresscn berührenden Frage tritt der vollendeste Gegensatz zu Tage! Freiheit der Selbstbestimmung. Freiheit der Individualität, Freiheit der Forschung, Emanzipation von allen Formelwesen, zcitgcnlüßcr Fortschritt, das sind doch die Schlagwörtcr, für deren Berwirklichnng die neue israelitische Religion angeblich ins Leben gerufen wurde; daS Verfahren, nach dem nun diese Religion der Jugend beigebracht werden soll, ist und bleibt dagegen die verkörperte Unmöglichkeit jeder Selbstbestimmung, die Unterdrückung jeder Jndivi׳- dualität, die Ausschließung jedes eigenen Forscheus, die Dressur und Abrichtung nach veralteten mechanischen Formeln eines geistlosen und geisitödtcnden Frag- und AntwvrtspielS und daher der unheilvollste Rückschritt zu einer hölzernen, denkscheuen Dogmatik! Wer den unmündigen Kleinen das Judenthnm zu einer Sache des Glaubens, und den Glauben zum Gegenstand der Lehre macht, die Lehre sodann zum Bekenntniß verdichtet und die zu konfirmirenden Knaben und Mädchen dieses Bekenntniß schaarenweise auswendig lernen und aussageu läßt, wie kann ein solcher noch von freier Selbstbestimmung, freier Individualität, freier Forschung und Bekämpfung veralteter religiöser Formen sprechen! Und was müssen sie nicht Alles glauben und bekennen! ׳ Da liegt das bereits früher erwähnte, verbreitetste Lehrbuch der israelitischen Religion mit der unvermcidlichen Glaubenslehre am Anfang. Das Fragcspiel, das jedem Abschnitt am Ende beigegeben ist, wird mit folgendcn Fragen eröffnet: ״Wie kann inan mit kurzen Worten sagen, was Gott sei? Warum ist uns dies nothwcndig zu wissen? Was heißt, Gott ist einzig? Auf welche Gesinnung führt uns diese Erkevntniß? Was verstehen 1uir unter Gottes Allmacht?" :c WaS sich Kinder bei diesen Fragen denken können, wird sich schwer bestimmen lassen. Ich denke dabei immer an die ergötzliche Leidensgeschichte jenes Kandi baten der Medi zin, der beim Examen nach den Funktionen der Mil; gefragt wurde und die Antwort schuldig blieb. ״Haben Sie nie etwas über die Funktiouen der Milz gelernt?" fragt der Examinator wieder. ״Gewiß." erwiderte der hart Geprüfte, ״ich wußte sie ganz genau, ich habe sie nur jetzt vergessen." — ״Sie Unglückseliger! haben Sic denn reine Ahnung von bem Schaden, bei! Sie d׳r medizinischen Wissenschaft bcreitet haben? Seit Jahrtausenden sucht man vergeblich, die Funktionen der Milz kennen zu lernen, Sic aber wußten sie und konnten sie vergessen!" Alle Weisen aller Zeiten und Zonen mühten und mühen sich vergeblich ab. Gottes Wesen zn ergründen, seine Einheit und Unendlichkeit zn erforschen, kur; die Fragen zu -beantworten: Was Golt sei? Was heißt, Gott ist einzig? n. s. w., und was kein Verstand der Verständigen sieht, das erfahren aus dem kleinen Herxheinter die kleinen Kinder in der allerersten Neligionsstunde! Wenn Rabbi Schelomo ben Jchuda Gabirol heute noch einmal seine ״Königs Krone" zu singen Härte, und die Unzulänglichkeit jedes Ausdrucks für Gottes Preis in die Worte kleidete: Du bist! _ .אתה נמצא Nicht des Ohres -Hören und ולאישגך שמע אזן דלאראדרת des Auges Licht kann .pp Dich erreichen. Kein Wie. Warum und Wo ולא ישלה בך איך!למה haftet an Dir als Zeichen. .ואץ

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