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Jeschurun · 1887-12-01 · Heft 48 (1.12.1887) · p. 754

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 48 (1.12.1887)
Article
Zum Wiederbeginn der Thora
Date
1887-12-01
Page
754 (sequence 2)
Language
German
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754 ihre Schritte waren nicht gehemmt, frei und offen lag für sie Alles da. — Wer konnte sie tadeln, wenn sie die Stunde benutzt hatten'? Doch sie waren würdige Söhne ihres stolzen großen Ahnen — und cs bedurfte erst des gemessenen göttlichen Befehles, sie zu bestiinmen, sich spater von den wieder der Bande freien Männern und Frauen des nunmehr sie wegen der bewieseuen Seelengröße anslauncnden, ihren Führer Moses aber jetzt unbegrenzt verehrenden .Herrschervolkes, etwas zu erbitten, um nicht ohne alle Habe in die Fremde zu ziehen! Das ist unsere Bartholonräusnacht, das ist unsere Sizilianische Vesper! Und so weit wir auch noch sind nnb pvarcn von der Höhe nuferer Bestimmnug, dieser Hochsinn nationaler Noblesse ward nicht' gemindert. Ein zweites Beispiel, noch ausdrücklicher bezeugt, noch glanzender vielleicht und ebenso ohne Gleichen in der Weltgeschichte, lieferten Abrahams Söhne anderthalb Iah! Laufende später. Der Antisemitismns hatte wieder einmal glänzend gesiegt, die ״Iudensrage" sollte radikal ״gelöst" tverden, Israel lag am Boden, •jämmtlidjc Inden vogelfrei, in wahrhast fanatischer Arglist ein Jeder von Seiten des Staates znm Erben desjenigen Juden gemacht, den er todlschlagen würde, und alle lieben und getreuen Unterthanen Seiner persischen Majestät ansgesordert, ״sich bereit zu halten" für den bestimmten Tag, auch jedweder Unterstützung und Förderung der gewassneten Macht gewärtig zu sein. — Da plötzlich, durch Gottes Gnade, ein totaler Umschlag! Der allmächtige Antisemiten- Häuptling gestürzt, gehängt, ein Jude — Reichskanzler, ccklmüchng, die ganze bcwassnctc Macht-zum Beistand der Juden kommandirt, znm Werke der Rache au ihren Feinden, und deren Habe jetzt ihnen, den Juden, zugesprochen. — Doch, so viele gesiunnugslüchtige Antiscmiten auch selbst jetzt noch, unter den für sic so bös veränderten Umständen, die Gelegenheit zu einer ״Judenschlcrcht", wie die deutschen Ehronistcn sich bei ähnlichen Gelegenheiten auszudrücken lieben, nicht vorübergehen lassen wollten, und dabei das Opfer ihrer Mordur.b Raubgier wurden: von den siegreichen Juden beschmutzte keiner seine Hand auch nur mi! einem Theilchen der ihm nach dem Staalsgesetz zugelprochenen reichen Antisemitenhabe — ״nach der Beute streckte keiner die -Hand aus" — hebt drei Mal die persische Chronik hervor. Wir meinten, es stehe uns׳ sehr 1001)1 an, in unserer Zeit der so üppig wieder anslebenden schnöden Verlästerungen unseres Stammes, aus diese Züge hinznwciseu. Nicht unsere Feinde, die juiö sich des Ungrnndes ihrer Lügen wohl bewußt. Wohl aber die vielen in Unkenntniß ihrer großen Vergangenheit ansgewachsenen Söhne und Töchter Abrahams. Und Gottlob, in dieser Beziehung sind wir nicht degcnerirt. Sicherlich giebt es auch Menschen Indischer Abstamnnmg genug, die im Privatleben in der Werthschätzung des Besitzes sich nicht immer innerhalb der von Ehre und Pflicht gezogenen Schranken halten. Allein in einer Zeit, in der man keine Zeitung in die -Hand nehmen kann, ohne von groben Berlrancnsbrüchen, von betrügerischen: Mißbrauche amtlicher Stellungen zu lesen, um sich aus Kosten der Gesammtheit zu bereichern, Zustände, bei denen die Verschiedenheit der Staatsform keinerlei Unterschied macht, wo die Korruption im großen absoluten östlichen Nachbarrciche ebenso osftuknndig ist, wie das allgemeine Streben ungenirter Ausnutzung öffentlichen Einflusses für Zwecke selbstsüchtiger Bereicherung weiteste Kreise des westlichen republikanischen Nachbarstaates ergriffen hat — : da dürfen Abrahams Söhne, so weit sie auch sonst von dem Wege ihrer Besliminnng abgekomnicn sein mögen, doch noch immer kühn das Haupt erheben und gehobenen Hauptes unter ihren Zeitgenossin wandeln. Sowohl was den Erwerb, wie was die Verwendung ihres Vermögens betrifft, ist ihnen die Devise ihres Ahns noch nicht in Vergessenheit geratheu und sie dürfen noch immer getrost auch ihre nichljüdischeu Milbnrgcr aujsordern, sich ihnen anzuschlicßen zu gemeinsamer, immer vollkommener Verwirklichung dieser Devise: 'י הדני והי ידי לד• — Einen groß c n Rückschritt in der Gesittung würde dieses Streben,, dem großen. Ahnherrn dtr Semiten in seiner Schätzung irdischer Glücksgüter, wenn auch nicht gleich, so doch ähnlich zu werden, wohl nirgends bedeuten, nicht bei den Kohlenbaronen des vlämischcn Muslerstaales, nicht bei den Latifnndienbesitzern Großbntannicns und Irlands, nicht bei den großer: poiitischen Parteien der nordamerikanischen Union, und wohl auch nicht in dem Reiche, wo sromnre Agrarier und aufgetlärle Großindustrielle um die Wette bemüht sind, die Klinke der Gesetzgebung für ihre Interessen unablässig in Bewegung zu setzen. M. II. (!rar t!ö!!!st!Mlil!>r Mjidjtr drr Indra. I. Uns liegt das erste Hcsl der ״volksthümlichcn Geschichte der Juden in drei Bänden von Un. H. Grätz" vor. Dieselbe ist bestimmt, die Kcnritniß der Geschichte, wie Herr Professor D1-. Gr ätz sie darstellt, in weitere Kreise des Publiknnrs hiuciuzutragen, während, wie eö m der Eiiiladung mißt, das große Geschichtswerk in elf Bünden wegen ausführlicher kritischer Behandlung der Quellen mehr für. Gelehrte und Fachmänner geschrieben sei. Was cs mil der ״kritischen Behandlung" der Quellen von Seiten des -Herrn Professors aus sich habe, das isi beim Erscheinen des vierten Bandes, der

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