Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1887)
- Article
- Plaudereien aus der Schule
- Date
- 1887-11-24
- Page
- 738 (sequence 1)
- Language
- German
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738 Heldenmut!) 1111b Stärke (גבור) im Dienste der Schlauheit und dcS Einfangcns (ציד) von großen Mcnschheitskreisen (ותהי ראשית כגגצ^פתר) und endlich jener dem gcschichtsknndigcn Blicke gleichfalls so vertraute fromme Angcnansschlag, jene heuchlerisch schlaue Salbung (י די^ — dieser schlaue nur auf Befestigung und Mehrung seiner Pracht bedachte Held war von so exemplarischer, Allen sichtbarer Frömmigkeit, stets vor ״Gott", Alles im Namen Gottes und zum Besten der Gcsammtheit — wie konnten die Bewohner des Reiches Babel so ruhig schlafen, wachte ja an ihrer Spitze ein so machtvoller und dabei so gottcsfürchtiger Herr. — Nnd dann unter Nimrods Auspizien der Thurmban zu Babel unter der Parole: ״Wir wollen uns einen Namen machen?' — Ist's nicht die Stimme des Weltgerichts, des sich in der Geschichte vollziehenden, unerbittlichen Weltgerichts, die uns ans diesen Worten entgegcntönt? Da die Menschen entarteten, wurden sic gciucchlct. Die Vergöttcrung der Sinnlichkeit und die Aufstachelung der Selbstsucht war und ist das Grab der Freiheit, wo die Menschen sich mit dem öden .«;loiierKödcr, ״wir wollen uns einen Namen machen" betäuben lassen, da sinkt der einzelne Mensch hinab zur Nullität absoluter Bedeutungslosigkeit und hat nur noch höchstens Werth als namenloser Bestandthcil der Massen, die ״mit ihren Vcibcru die Wahlstatt decken" oder als Ziegel an dem Nuhmcsban ehrsüchtiger Weltbeherrscher. — Doch ans derselben Seite desselben Gottesbuches leuchtet mild und hehr uuS das freundlich ernste Bild unseres Batcrs Abraham entgegen, des Stammvaters desjenigen Volkes, welches bestimmt ist, nicht nur die Lehre von dem einzigen Gotte und Herrn, sondern vor Allem die Lehre von dem Werthc, der Be׳ dcutnng und Bestimmung jeder einzelnen Menschen- Persönlichkeit durch die Zeiten und Völker zu tragen. Welcher jüdische Mensch vermag ohne tiefe Bewegung die einzelnen Züge dieses großen reichen Lebens an seinem inneren Auge vorüberzichen zu lassen, wer kann ihn schauen, ohne ihn zu lieben, wer ihn lieben, ohne ihn zu verehren! Wer fühlt sich nicht klein im Hinblick auf seine Größe, wer fühlte sich nicht groß im beglückenden Bewußtsein, diese hehrste, herrlichste aller Menschengestalten seinen Vater nennen;11 dürfen! Was sollen wir ans seinem Leben hcrvorhebcn, was ist's, das unseren Bück am meisten fesselt, worin strahlt feine Größe nnd Bedeutung am Herrlichsten? Wären wir ein kriegerisches Volk, stolz aus die Waffenthatcn seiner Altvordern: wahrlich wir hätten reichen Anlaß, seinen KriegSruhm zn feiern. Denn wo gicbt cs ein Volk, das einen Ahn den seinen nennen könnte, der eine Wasfcnthat vollbracht gleich unserem Ahn? Zn welch winzigen Affären schrumpfen alle Großthalen zusammen, von denen die Geschichte meldet, im Dergleich mit dem glorreichen Siege Abrahams. Da kamen sic heim von ihrem KriegSzuge die vier siegestrunkenen Könige mit ihren Heeren, von Sieg zu Sieg waren sic geeilt, widerstanden hatte ihnen Niemand, das ganze Land halten sie im Fluge erobert. Auch die stolzen Herren von Sodom, so tapfer gegen jeden Armen, so stark gegen jeden Schwachen, waren schimpftich geflohen und in schmähliche Gefangenschaft geraten, — mit ihnen der Vrndcrsohn Abrahams. Kaum hat diesen die Kunde erreicht, da besinnt er sich nicht, denkt nicht an die verschwindend kleine Zahl der Seinen, nicht an das gewaltiges Heer der ftnitbarcii Feinde, wägt nicht, sondern wagt mit seiner Haudvoll ungeübter Mannschaft die ungeheure Ucbcrzahl der Feinde zu verfolgen — thcilt sich —welch ein Taktiker unser Ahn! fast könnten wir für den strategischen Gedanken, getrennt zn marschircn, vereint zu schlagen, die Priorität für ihn in Anspruch nehmen! — erreicht sic, überfallt sic, besiegt sie, schlägt sie in wilde Flucht — er konnte in Wahrheit und mit noch viel berechtigterem Selbstgefühl sagen: ich kam. sah und siegte — mit ganzen dreihundertachtzchn Mann! Die Gefangenen sind befreit, die ganze ungeheure Beute sein. Welcher Stoff für ein Heldengedicht, welche Helden-' kühnhcrt und zugleich welcher Feldhcrrnblick, welches kriegerische Ungestüm und zugleich welche kaltbesonnene Umsicht! Doch ׳!!!!gedichtet ist und bleibt dieses Epos, ein Lied vom kühnen Kricgshelden Abraham klänge fremd und schrill den Ohren seiner Kinder und in ihre . Herzen fände cs nimmer Eingang, des Vaters Muth, des Vaters Helden sinn haben seine Söhne und Töchter geerbt und glänzend bewährt ans ihrem Gange durch die Jahrtausende, doch feiner Kinder Ideal ist das Sicgcsschwcrt mit nichten. (Fortsetzung sojgt.) Mlldmmi ims der Sdjiilr. Bon SJfjirförabbiHcr Dr. E h r m o u rr in Boden (Schwerz). IV. Ans der stattlichen Reihe dieser nichtjüdischen Denker, welche das systematische ReligiowEintrichtern durch Auswendiglernen von KätcchismuSsätzcn vcrurthcilcn, war am Ende des vorigen Kapitels Lessi ng erwähnt. — Wer Lessing aus seinen Schriften kennt, kennt auch seine Verabscheuung aller künstlichen Systematik, kennt ihn als Muster für alle Zeiten in der Anwendung der allein selbstständig zur Wahrheits- Findung führenden, von einzelnen Thatsachen aiiSgehenden, analytisch heuristischen Methode. Wer Lesstng