Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1887)
- Article
- Kabbalat avot
- Date
- 1887-11-17
- Page
- 731 (sequence 3)
- Language
- German
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dm an eine Bedingung geknüpften Krduschinakt bei! Nichterfüllung dieser Bedingung für sie nicht daö Hin-! derniß gegen das Eingehen einer gültigen Ehe ent-! stehen kann, was aber bei der Ehescheidung nicht der i Fall ist, weil die Gültigkeit der Ehescheidung nicht an : ihren Willen geknüpft ist. Weil mm die Lösung dieses Problems, ob die von רבא für Ehescheidung getroffene Bestimmung aus Kidnschin Anwendung findet oder nicht, aus der jerusalcmischen ebenso wenig als aus der babylonischen Gemara zu eruiren ist, ist jene Frage von dem Gaon Mar R. Schcuiuel unentschieden geblieben. Also nur darum, weil D1-. Franke! sich nicht klar gemacht hat, worin eigentlich der von den Gaonim ausgesprochene Zweifel bestanden, hat er in der jerusalcmischen Gemora die Beantwortung ihrer Frage zu finden geglaubt; in der Wirklichkeit enthält aber die von ihm zilirlc Stelle der jcrusalemischen Gemara nicht im Eutserntesten eine Beantwortung jener Frage. Wir haben somit nachgcwicsen, dag lammtlichc Gründe, die l)r. Frankel für seine Behauptung, dag die jerusalcmische Gemara in Babylonien vor den Zeiten des N. Saadja Gaou nicht bekannt gewesen sei, angeführt, unrichtig sind. Der Milt der Ucber diesen viclbcsprochclrcn Brauch hat -Herr J>r. B. 31 ein er in der ..N. Fr. Pr." eine nicht uuinteressante Skizze veröffentlicht, welcher das Folgende entnommen ist. Ernst, mit sinnenden Brauen schreitet er gemessenen Schrittes durch die Reihen der zungenfertigen GeflügclhSndlcrinncn auf dem grünen Marliplatze der guten Stadt Preßbur.g Er hat alle Ursache, ernst dreinzublicken, das unscheinbare Männlein, eine überans schwere, verantwortungsvolle Mission ist cs, die auf seinen Schultern lastet. Bon dem Schloßberg, wo die Gassen und Gässchen deS uralten Preßburger Juden- Viertels mit seinen kleinen -Häusern, wie Viencnzrllcn auf einander gedrängt, den ganzen Jammer der alten guten Zeiten verkünden, ist er herabgcstiegen, um seiner schwierigen Ausgabe zu genügen. ES ist die Zeit vor dem Martinsfeste, wenn der rollende Erdball sich dein letzten .Himmelszeichen znwälzt, kurz vor dem historischen!!.November, an welchem die Jndcngcmciude der chemaligen ungarischen Krönnngsstadt dem Kaiser nach altem Brauche die üblichen Martinigälisc überreicht. Das ernst dreinblickcnde Männlein ist mit der Aufgabe betraut, ans der großen Menge der schnatternden Netter des Kapitols die würdigsten Exemplare zu erkiesen. Glücklicherweise ist dies in Preßbnrg nicht allzu schwer. Die nahe Insel Schütt, die Gegend um den Neusiedler- Sec, liefert eine Sorte von Günsen, deren Qualität von altcrsher einen festgefügten Nus genießt. Auch in Wien. Schon in vormärzlicher Zeit war der große ungarische Gänsemarkt die magyarische Straßen Herberge auf der Landstraße, daher daS seincrzcitige wohlfeile Bonmot Mcttrrnich'S: ״Asien fängt auf der Landstraße an." Die Prcßburgcr Judengemeinde kauft durch ihren Vertrauensmann in der Regel fünfundzwanzig Gänse, die eine zeitlang fürsorglich einer Behandlung unterzogen werden, welche der des Professor Schweninger diametral gegenüber steht. Bon diesen fünfundzwanzig werden die schönsten zehn Exemplare anserwählr, nach allen Regeln der Kunst aus diesem irdischen Jammerthal ein in besseres Jenseits befördert, sorgsam gerupft und mit Bändern in den kaiserlichen und ungarischen Landesfarben geschmückt. Dem jeweiligen Gemeinde- Vorsteher und zwei Vertrauensmännern füllt die ehrenvolle Mission zu, dieselben dem Kaiser in besonderer Audienz zu überreichen. Zn diesem Behufe erhält die Deputation ans der kaiserlichen Schatzkammer eine große Silbcrplatte, auf der die Ganse plazirt werden. Dem Kaiser wird mit vier, der Kaiserin, dem Kronprinzen, der Kronprinzessin mit je zwei Stuck dieser Prachtexemplarc der Vögel deS heiligen Martin aufgewartet. Ucber den Brauch der Uebcrreich.ing der Martini- -gänse durch die Prctzbnrger Inden sind verschiedene Versionen im Schwange. Der Tropfenfall der Zeit hat die Erinnerung über die Sitte, die aus weiten Zeitscrnen datirt, verwischt. Es hält sehr schwer, Wahrheit und Dichtung zu unterscheiden. Die Anekdote, dieses würzige Unkraut der Geschichte, rankt an dem alten Branche wie Ephen hinan. Schriftliche Aufzeichnungen fehlen gänzlich. In dem harten Kricgsjahre!809 wurde Preßbnrg vom 26. bis 29. Juni von den Franzosen unter dem entsetzlichen Davoust bombardirt. Weit mehr als hundert Häuser wurden ein Raub der Flammen, darunter auch das jüdische Gemeindehaus mit sehr wcrthvollem Archiv. In Preßbnrg neigen einige der Meinung zu, die Sitte dalire aus der Zeit der ungarischen Könige, Andere bringen sie mit dem finsteren j Ferdinand I in Verbindung. Wieder Andere sprechen sich für die Zeit Matthias I aus, des unglückseligsten Fürsten, der je auf dem scharf nmstachclten Throne des Heiligen Römischen Reiches delitscher Nation gesessen. Dieser feierte einst das Martinsfest in dem allzeit getreuen Preßbnrg. Für die Hosschranzcn war cs ein böser Tag, so viel Mühe sie sich auch gaben, es wollte ihnen nicht glücken, in der schönen Donauftabt eine Gans für die kaiserliche Tafel anfzutteibcn, 1427