Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1887)
- Article
- Eine Unterredung mir Istoczy
- Date
- 1887-11-10
- Page
- 717 (sequence 3)
- Language
- German
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717 hoffe, daß Sie dies einst selbst cinsehen werden, denn s wir wünschen nicht, Sie zu besiegen, sondern zu! überzeugen, daß Sie Ihren Jrrthnm cinsehen und sich mit uns aussöhnen. Sie sind dies nicht nur dem Judenthume schuldig, iuelcfycm Sie so viele Sunden geschlagen — Sie schulden dies auch dem Batcrlande, j welchem Sie wahrlich einen schlechten Dienst geleistet,; indem Sie die auf dem Wege der Assimilation sich befindlichen Juden zurückzuweisen sich bestrebten." Nachdem der Mitarbeiter des ״Egycnlöjcg" mit einem warmen Händedruck von diesem erbitterten Gegner unseres Volkes , sich verabschiedet, nahm er die Ucbcrzeugung mit, daß dem Vater und Urheber des ungarischen Antisemitismus das Treiben seiner Schüler und Kampsgenossen bereits aneklc. Aber auch diese Lehre ist zu beherzigen, daß der Jude mehr als jeder andere Bürger sich vor jedem Scheine eines Unrechtes zu hüten habe, denn wenn Stefan fehlt, jo hat nur Stcsan dafür zu büßen, wenn aber Abraham einen Fehler begehet, so muß auch Isaak darunter leiden. Kortkspo׳.kdcnze!i und Nachrichten. Deutschland. j C. Berlin, 1. November. Die hier erscheinende j ״Allg. Fl. Ztg." schreibt: Aus hiesigen Praktikcrkrciscn! geht uns von bewährter Seite ein Fingerzeig zu, wie i die Schlächter in Franks!!׳ l a. M., wo bekanntlich ein - eigener Schläger für das Tödten dcS Rindviehs au-! gestellt ist, dieser lästigen Verpflichtung sich entziehen könnten, ohne daß dadurch ein weiteres Interesse verletzt würde. Zu diesem Zwecke empfiehlt sich das Schächten der Thiere, was nach beit bei früherer Gelcgenhcit bekannt gegebenen wissenschaftlichen Gutachten bekanntlich auch für die Güte des Fleisches von wcsentlichcm Einfluß wäre. Nach den von uns beim städtischeu Oberthierarzt Herrn D1\ Hcrtwig und bei Herrn Feierabend, dem Inspektor des Schlachthofes, ׳ cingcj zogenen Erkundigungen, würden beide Herren erfreut j sein, wenn auch in Berlin die Frage nach der besten! TödtungSarL des Rindviehs dadurch gelöst wurde, daß ' mau allgemein das Schächten wählt. — Die Gesell-! schaff zur Beförderung des Christenthums unter den! Juden zu Berlin hat den Kandidaten Schwabcdissen! zu ihrem Misstonsgeistlichen gewählt. Derselbe ist zur; Zeit noch bei der Leipziger Mission unter Israel thälig; und wird sein Amt in Berlin am 1. Januar 3 BBS j an treten. •י ■•:־־ | 6. Berlin, 8. November. Wenn die deutsche : RcichShauptftadt nicht Stoff genug für die Bcthätigung des Antisemitismus bietet, so weiß sich ein findiges 1 Organ der Presse schnell zu helfen. ES verschreibt sich ans der österreichischen NcichShanptstadt den uolhwcndigcn Bedarf an Judcnseiudlichkeit und servirt ihn den Lesern an. der Spree zum Frühstück. Die heutige ״Krenzzcittnig" hat sich von ihrem It Korrespondenten einen recht netten Artikel über ״die Vcrjudnng Wiens״ schreiben lassen,- welchem wir die jolgenden amüsanten Stellen eutnchinen: ״Alles ist in Wien verjudct, d. i. entweder ganz oder doch zum großen Theil vom Juden- Ihnm mit Beschlag belegt: Handel und Wandel, die Presse, daS öffentlichen Vergnügen, der städtische Grundbesitz, die öffentlichen UnterrichtSanstalten und vor allem das Geld. Darf cs uns Wunder nehmen, wenn gegen diese Berjndnng Wiens sich in dem christlichen Theil seiner Bevölkerung bereits eine von Tag zn Tage wachsende Opposition gebildet hat? Freilich ist die Zahl derer, welche sich offen zum AnlisemitismnS bekennen, vcrhältnißmäßig noch klein; aber wer nicht um seines Vorthcilcs willen Judengcnossc ist oder, indem er Unwesentliches vom Wesentlichen nicht unterscheidet, aus beschrankter, wenn auch ehrcnwerther, Skrupulosität die den Inden feindliche Bewegung mißbilligt, der ist seiner Gesinnung nach Antisemit. Und das Merkwürdige dabei ist, daß die Bewegung fortschreitct, obgleich die Presse fast ausschließlich in den Händen der Juden ist. Diese Presse läßt kein Mittel unversucht, um den bösen Antisemitismus zn diSkreditiren und aus der Welt zn schassen. Wo die Anrufung der Prinzipien der Freiheit und der -Humanität nichts fruchtet, da schreitet sie zur Terror!-- sträng der Personen; wo auch diese nicht verfängt, da versucht sie das Todtschwcigcn. Aber cs Hilst alles nicht: mit elementarer Macht wächst der Strom der an!!semitischen Bewegung an. Wenn cS, dank den! BcrtuschuuqSsystcm der Blätter, einige Zeit still war vom bösen Antisemitismus, wird plötzlich eine Thatjachc bekannt, daß der nnhciniliche Feind immer näher vor die Thore rückt. — Ja, dieser deutsche Michel! Wo er schlafen sollte, da wacht er, und wo er wachen sollte, da schläft er. Daß Wien ans einer deutschen und christlichen eine durch und durch vcrjndcte Stadl geworden ist, das ist ihn! nicht entgangen, ja er sängt sogar an, seinen Nacken gegen das ihm aufcrlegte Joch zu erheben, und es hat gar nicht den Anschein, als wenn er sich so bald wieder zur Nnhc begeben und eiuschlafcn wollte. — Wenn Michel und Wenzel sich gegenseitig in die -Haare fahren, ckuoibus litigaiitibus, freut sich der Schmal. Wenn die Christen Krieg imtciuanbcr führen, dann blüht das Geschäft." Soll hiermit gegen die österreichischen oder gegen die deutschen Juden, oder gegen beide gehetzt werden? 0. Verkitt, im November. Der östliche Stadttheil Berlins wird von einer zahlreichen jüdischen Bevölkernng bewohnt, welche keineswegs zu der bemittelten Klasse zählt. Es hat sich hier in der letzten Zeit