Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1887)
- Article
- Eine Unterredung mir Istoczy
- Date
- 1887-11-10
- Page
- 716 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2932755-2932799-2937277--26478-2937321- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
716 sehr verfügen. — Auch hätten wir nicht alle Raum h/ einem Klub, jeder will seinen eigenen Parteistand- 1111 וי fl bewahren: fall* aber ndeber anlisemitisd)e Fragen austauchen, werden die antisemitischen Mitglieder, wenn! auch in politischer Beziehung verschiedenen Parteien! angehörend, in dieser Frage vereint austrctcn." ״Aber sehen Sie denn nicht ein, Herr Deputirtcr, daß Ihre Partei so sehr znsammengeschmolzen ist und jede Fraktion des Parlamentes sich von Euch ferne hält, und daß auch im Volke der Antisemitismus immer mehr abnimmt? Erkennen Sie nicht darin, daß der AntisemitiSmuS bei und nicht lebensfähig und daher Ihr Kampf für denselben aussichtslos ist?" ״Keineswegs״ erwiderte Isloczy, ״cs geschieht in der Politik ost, daß eine Idee, welche eine, Zeit lang die Gcmüther beherrscht, gerade in ihr Gcgentheil umspringt. Jetzt, ich kann es nicht leugnen, ist der PhiloseniitiSmuS tonangebend, aber ich hege die Ueberzcugung, daß sich dies ändern wird. Wir wenigstens werden den Kampf sortsetzen, wenn and) nicht als parlamcntarische Partei, so dod) ein Jeder in seinem eigenen Wirkungskreise. Daß im Volke der Antisemitismus fd?01t verschwunden sei, darin tänsd)en Sie sich; daS Volk denk! so lvie wir, und wenn and) nicht jetzt, so wird sieh dies dod) später zeigen." ״Und halten Sie denn den Antisemitismus für so gut und edel, daß er solchen Kampf und solche Ausdauer verdient, und halten Sie daS Indenthnm wirklieh für so unendlich sd)lccht, daß man cS um jeden Preis bekämpfen und vertilgen müßte?" ״Verstehen wir uns wohl! Ich habe nie behauptct — wie viele meiner Gesinnmigsgenossen unrichtig gethan — daß die Juden schlecht sind u. dgl. Ich gestehe vielmehr, daß cs and) ganz tüchtige cdcldenkendc Inden gebe, das ändert aber an der Sache nichts, lind wenn and) sämmtliche Juden lauter edle Menschen wären, so müßten wir dennoch den Kampf gegen dieseiden sortsetzen, denn das Indenthnm weicht so sehr vom Christenlhume ab und versügr über solche ׳Mittel und Fähigkeiten, die uns abgchen, so daß wir der Jndcnheit gegenüber im Verthcidignngsstandpnnlt be-- harren müssen. Die Juden bilden eine solche Macht, weld)e unS rettungslos unter ihrem Joche beugen würde, falls wir uns nicht dagegen wehren." ״Darin haben Sic recht. Wohin wir nur blicken, gewahren wir die fürchterliche jüdische Mad)t. Die Ministerien sind voll von Inden, heute oder morgen werden wir schon keinen christlichen Minister oder Ministcrialrath. Staatssekretär oder sonstigen hohen Beamten mehr antreffen. Nicht zu sprechen von der richterlichen Bcamtcnsd)ast, welche sd)0n zum förmlichen jüdischen Monopol geworden, nod) viel weniger von den Lehrkanzeln, welche ein Ehrist schon gar nicht mehr erlangen kann — und wäre er auch der Allerfähigste wenn er nicht zum Judenthume Übertritt. Und erst im gesellschaftlichen Leben, dort ist ja der Jude allein tonangebend, und der Christ, wenn er auch in den maßgebenden Kreisen geduldet wird, so sprid)t man dod) nur mit ihm von Oben herab — wenn über- Haupt mit ihm gesprod)cn wird. Wahrlid) wir Inden sind ungeheuer mächtig!" ״Daß es nicht so ist. wie Sie cS schildern." erwiderte Jstoczy, .,das ist Unser Verdimst. Aus mir spricht die Erfahrung^ und diese isl'S auch, die mich zum Antisemiten gemacht hat. In meiner Eigensd)aft als Advokat bin ich der jüdischen Rasfinirthcit und ihrem Zusammenhalten zum Opfer gefallen. Nun, wenn sie cs wagten, mir gcgegennber so zu verfahren, waS erlanden sie sich erst gegenüber dem armen Landvolke?" ״DaS können Sic am besten vom Volke selber erfahren. Fragen Sie den Banein, wer besser mit ihm umgeht, der Jude oder der-christliche (Grundherr? Fragen Sic ihn, zu wem er lieber in den Dienst geht, ob zum Edelmann, der den Bauern noch immer als Arbeitsvieh betrachtet, oder zum Juden Moses, welcher der Freund, Nathgcbcr und Untcrstützcr seiner Dienerschaft ist? Fragen Sie in ihrem eignen Wahlkreise, ob er cS bereut, den Inden Maier Joseph zum Ortsrichter gewählt zu haben? Werden, nicht seitdem die Gemeindeangelcgcnheitcn ordentlicher geführt als vordem? Oder fragen Sic irgendwo in den Dörfern, ob der Jude mit seinen Nad)bern etwa nicht gut auskommt?. Freilich ist cs nid)t unmöglich, dieses gute Verhältniß zu stören, wenn sich gewissenlose Mensd)en finden, die dem einfältigen Bauern cinrcden, daß der MoscS, den er als redlichen Menschen kennt, ehristliche Jungfrauen abschlachtcl." ״Derartigen Hetzereien habe id) nie daS Wort geredet", warf Jstocsi) ein. ״WaS Ihre Erfahrungen bctrissl," setzte der Intervicwer fort, ״so sind diese gerade nicht für Ihre antisemitische Theorie beweiskräftig. Id) kenne eine christliche Familie, die ein Jude ans großem Drangsa!e gerettet. 5ram! deshalb die d)ristlid)e Familie be- Haupte!!, daß alle Juden edle, tüd)tige Menschen sind? Keinensalls! Es gicbt auch bei den Juden, wie bei allen Konfessionen, genug schlechte Menschen. Anderscits dürfen aber auch Diejenigen, die von Juden Unbill erlitten, nicht behaupten, daß dieselben in ihrer Gcsammthcct schlecht sind und vc!folgt zu werden verdienen. Und eben weil Sic von den Inden unliebe fam behandelt wurden, deshalb haben/Sic in der Sache kein nnbefangencS Urtheil. Der erste AuSgangS׳- Punkt Ihrer autifeinttifd)cn Thütigkcit war ein einscitiger. und demzufolge ist Ihr ganzes Wirken auf diesem Gebiete nichts als ein großer Irrthum. Ich