Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1887)
- Article
- Kabbalat avot
- Date
- 1887-11-10
- Page
- 715 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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715 Response:! der ®aoittm häufig angeführt; warum sollten sie nun eines von einer hervorragenden Persönlichkeit der Gaouimzeit verfaßten JeruschalmikommcutarS nie erwähnt haben'? UeberdicS ist nicht bloS von dem Konimcntare des Jakob d. Efrajim durchaus nichts bekannt, sondern auch Jakob b. Efrajim selbst wird von keinem der früheren oder späteren Gcsetzcslehrer auch nur erwähnt; wie sollte aber das Andenken eines so bedeutenden Mannes, der einen Kommentar zum Jcruschalmi verfaßte und eine solche Autorität war, daß der Karäer Salmon sich, wie man nach jener Erzähluug anzunehmcn hätte, auf ihn stützte, um R. Saadja Gaon zu widerlegen, so vollständig aus dem jüdischen Kreise geschwunden sein, daß Niemand seiner erwähnt und er ausschließlich diesem Karäer bekannt war! Indessen selbst wenn er denkbar wäre, daß die ganze Erzählung des KaräcrS Salmon auf Wahrheit beruhte, selbst zugegeben, daß keine Silbe davon zu bezweifeln wäre, würde dennoch in dieser Erzählung keineswegs das liegen, was I)r. Frankel darin ausgesprochen finden will; denn in dieser Erzählung ist nicht gesagt, daß Salmon von Palästina ans die jcrnsalemrsche Gemara nach Babel gebracht; sondern er sagt, daß er den Jcruschalmi nach Babel gebracht; das wird von Pinsker und Frankel dahin aufgefaßt, daß der Karäer, nachdem ihm R. Saadja Gaoa nicht zugcstimmt. nach Palästina gegangen sei und den Jcruschalmi nach Babel gebracht hätte, und daß mit diesem ״Babel" daS Land Babel gemeint sei. Aber abgesehen davon, daß es kaum denkbar ist, daß Salmon wegen eines so unbedeutenden Gegenstandes die große Reise von Babylonien nach Palästina unternommen hätte, muß sich ja Jedem die Frage aufdrängen, warum Salmon sagte, daß er den Jcruschalmi nach Babel gebracht, und nicht angegeben, nach welchem Orte des Landes Babylonien er ihn gebracht; nach dem Zusammenhauge der Erzählung hätte er den Ort bezeichnen sollen, wohin er den Jcruschalmi Scdcr Moed gebracht; aber zu sagen״ ,׳nach Babel", und hiermit das Land Babel zu meinen, während er doch denjenigen Ort meinte, in dem R. Saadja Gaon wohnte, wäre eine sehr undeutliche AuSdruckSweise. Die Sache wird aber dadurch klar, daß sich in dem Lande Babylonien and; eine Stadt befand, die den Namen Babel hatte und den durch ihre Lehrhäuser bekannten Städten Sura, Mechasja nahe war. Die Existenz der Stadt Babel ist auch ans Gittin 65 a ersichtlich, wo es heißt: *6 צריכא דאטדה לי׳ התקבל לי גיטא במו/א מחסיא חימנין דמשבחת לי' בבבל והבי קאמר־ה לי׳ וכו׳. Hier kann der Name Babel nicht das Land Babel bezeichn neu, da ja die Stadt Mechasja ebenfalls in dem Lande Babel war; cS ist daher bewiesen, daß sich dort auch eine Stadt befand, die man Babel nannte, und dahin brachte Salmon den Jcruschalmi von einem nahm Orte. Ueberdies geht auch aus dem Wortlaute der Erzählung des Salmon hervor, daß N. Saadja Gaon! nicht, wie Pinsker behauptet, das Vorhandensein der im Jcruschalmi Schabbat I, 4 sich befindende» Stelle leugnete, sondern daß er nur die Erklärung des Salmon in dem Jcruschalmi, der ihnen Vorgelegen, in Abrede stellte und zur Stelle in einem andern Sinne erklärte.*) Darum brachte Salmon (wenn jene Erzählung nicht erdichtet ist) den Ieruschatnü Seder Moed mit dem Kommentare des Jakob b. Efrajim, um zu zeigen, daß derselbe die Stelle ebenso wie Salmon erklärte; denn der Karäer sagte ja, daß er beweisen wollte, wie ״der Pitomi die Worte verdrehte" (איך הלף הפתומי): dieser Ausdruck weist nicht auf eine Leugnung, wie PinSker behauptet, und nicht auf eine Unkenntniß des Jcruschalmi, wie Frankel annimmt, sondern nur auf eine Meinungsverschiedenheit m der Erklärung der von dem Karäer angeführten Stelle des Jcruschalmi hin. Darum liegt in jener ganzen Erzählung des KaraerS Salmon, selbst wenn sie glaubwürdig wäre, noch nicht der Schatten eines Beweises für Dr. Frankels Behauptung, daß die jerusalemische Gemara in Babylonicn nicht früher gekannt war, als bis sie jener Karäer nach Babylonien brachte, und daß N. Saadja Gaon erst in Folge jener Disputation mit dem Karäer cs als eine Anforderung der Zeit betrachtete, sich auch mit der jerusalemischcn Gemara zu beschäftigen. (Schluß folgt.) Eine Mcmdung mit Mqy. j. K. Ein Mitarbeiter deö in Budapest in ungarischer Sprache erscheinenden jüdischen Blattes ״Egycnlöseg" halte neulich mit dem Autiscmitenapostel Jstoczy eine Besprechung, deren wesentlicher Inhalt auch weitere Kreise intcrcssircn dürfte und daher hier mitgctheilt werden möge. Der Berichterstatter erzählt, daß er um das von Jstoczy hcrausgcgcbcue Blatt 12״ Nöpirat", daö er vergebens bei allen Zeitungsbuden zu erlangen sich bemühte, bemüßigt war, diesen selbst in seiner Wohnung auszusuchen, woselbst er ziemlich freundlich empfangen, folgendes Zwiegespräch mit demselben hatte. ״Es istThalsache" — sagte Jstoczy unter Andern — ״daß die ungarischen Antisemiten jetzt keine besondere Partei im Reichstage bilden, eine Klnbgründung kostet ziemlich viel Geld, über das wir gegenwärtig nicht *) Vgl. den Jeruschalmikommentar קרבן עדה z. St.