Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1887)
- Article
- Plaudereien aus der Schule
- Date
- 1887-11-10
- Page
- 710 (sequence 3)
- Language
- German
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710 Mache das Judenthrim fälscht und unterminirt und eS! der Jugend aus dem Herzen reißt, die ihre Belehrung daraus schöpft, so hatten sic sich um so vergnügter! ins Fäustchen gelacht, je mehr dieser Beweis gelungen j wäre.- Das wollten sie ja gerade, deS alten Juden- : thums mit Ausland los werden. Aber die Versündigung gegen den gesunden Menschenverstand, gegen die Natur des Kindes, gegen die pumitivsten Forderungen jeder rationellen Päda׳- gogik, kurz all die Schäden und Gebrechen, die dem ganzen Katechismusmiwefen, dem christlichen wie dem jüdischen, ans erziehlichen Rücksichten anhaflen, diese Bedenken, die der denkende Niehtjudc so voll und ganz wie der Jude thcitt, diese sind cs, die hier anS der Schule geplaudert tverdcn sollen. Die dogmatische Schädlichkeit dieser mosaischen Katechismnsse ist nicist negativer Natur. Sic besteht nicht so sehr in dem Unwahren, das gelehrt wird, als in dem Wahren, das verschwiegen wird. Diesem Mangel könnte abgcholfen werden, wenn redliche, gcsetzeskundige und gesctzcstrenc Männer Lehrbücher der Religion verfassen und lehren würden. Es hat auch nicht an Männern gefehlt, die diesem Umstand Rechnung tragen zu 'sollen geglaubt haben, die Bücher für den Jugenduntcrricht verfaßten, welche nach der dogmatischen Seite hin zu keinen Ausstellungen Anlaß geben. Dieselben erledigen nicht, wie das älteste Ncligions-' schul buch, welches der großen Mehrzahl der später nachfolgenden zum Mtister diente, die bedeutungsvollsten Satzungen des Judcnthnms aus einem halben Oktavblatt, das ״Die reli giöscn Gebrnuchc" zur Uebcrschris! hat, sondern sie bringen die sämmtlichen Anforderungen des jüdischen Gesetzes mehr oder weniger eingehend zur Sprache. Sie gehören deshalb ihrem hauptsächlichen Inhalt gemäß thatsächlich nur ihren! Namen nach unter die Neligionsbnchcr der geschilderten Art. Aber der Form nach rechtfertigen sic diese Bezeichnung vollkom-!neu, besonders hinsichtlich der sogenannten ״Glaubenslehre", mit der alle diese Schriften beginnen. Sie wollen wirkliches, wahres Judenthum lehren, aber die Art und Weise, in der cs geschieht, theilt dieselben Mängel wie diejenige, der sie sklavisch nachgcahmt sind. — Öb das, was in diesen NeligionSbüchcrn enthalten ist, wahr oder unwahr ist, soll hier nicht verhandelt werden. Angcnomnrcn, es wäre Alles unbesehen wahr und richtig, so soll hier mm dargcthan werden, wie selbst -aS Wahre und Nichtige in sein Gcgcntheil vcrwandelt wird, durch die Form, durch die Ncihenfolge. durch die ganze Methode, mir welcher cs in diesen Büchern geordnet und dann den Kindern beigebrachi wird. (Fortsetzung folgt.) Der Geist des Talmud. Qucllcngemäßc Darstellung der talmndischen Anschauung über Gott. Mensch, Staat rc. rc. für die inielligentcn Klassen aller Konsessionen, von M. Ehren theil. Budapest )887. 240 S., gr. 6. Preis 3 M. ~ 4 Frank. Selbstverlag des Verfassers (Budapest, Doblcr-Bcrzar). (Schluß.) Seite 6l beginnt das 15. Kapitel: Gegen dic T hier gu älere i. Unter Voraussetzung des Psalmvcrscs 145, 9 folgt eine Anzahl diesbezüglicher biblischer und talmudischer Aussprüche, z. B.: ״Jede Art von Thierqnälerci. wie Thiergcsechte, Jagden :e. sind nnstairhast (B. M. 23, 33). Bevor man sich zur Tafel begiebt, verabreiche man dem Bich daö Futter (Giltin 64) rc. :c. Zum Schlüsse folgt ml. vocem ein Erkurs, in welchem den modernen Thierschutzvereincn, welche vorgcbcn, die jüdisch rituelle Schlachlmcthode involvirc eine Thlerquätcrei, ordentlich hcimgclenchtet wird. Seite 132 lesen wir folgende geistreiche Definition: ״.. , . Es ist fast erstaunlich, daß ein namhafter Talmudlchrer deS!.Jahrhunderts, Ben Soma, den Nutzen des gesellschaftlichen Zusammenwirkens schon vom Standpunkte der Ar bcitsth ei l nng;11 würdigcn wußte. Es wird nämlich im Talmud Folgendes berichtet: Ben Soma stand ans einer der Stufen des Tempelbcrgcs, er schaute ans die unten wogende Volksmenge und rief in tiefer Ergriffenheit ans: ״Gepriesen sei der Kenner der Geheimnisse; gepriesen sei. der diese alle zu meinem Dienste geschaffen l Der erste Mensch, welche Mühe hatte er, ehe er Brod essen konnte! Er mußte doch erst pflügen, säen, ernten, graben, dreschen, schaufeln, mahlen, sieben, kneten und backen. Ich jedoch, ich stehe ans und finde all dies bereit! .... Der erste Mensch, welche Anstrengungen mußte er machen, um sich ein Kleid zur llmhüllnng ZU verschaffen! Er schor selbst die Wolle, reinigte sie, spann und webte; mir dagegen wird Alles bereits vollendet gereicht, als wenn jedes Gewerbe nur für mich, nur zu meiner Bedienung wäre!" (Berachot 58.) Es liegt etwas Erhabenes in dieser Definition des gesellschaftlichen Zusammenwirkens. Es wird nicht gesagt: in Folge dieses Zusammenwirkens dient jeder Einzelne durch seine Thäligkeit der Gesammtheit. Vom Geiste der Freiheit und der hohcn M en s ch e n - würde durchweht, definirt Ben Soma den Nutzen des Zusammenwirkens dahin, daß eben krast des Znsammenwirkens jeder Einzelne als Herr sich betrachten D6-3^