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Jeschurun · 1887-11-10 · Heft 45 (10.11.1887) · p. 706

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 45 (10.11.1887)
Article
Zum Wiederbeginn der Thora
Date
1887-11-10
Page
706 (sequence 2)
Language
German
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706 Forschung, weil entfernt in denselben eine Gefahr zu crblitfcn, fic vielmehr als eine willkommene Unter׳ stütznng nur freundlich begrüßen können. Nicht etwa, als ob für uns die göttliche Wahrheit irgend einer Bestätigung bedürfte und durch irgend eine Erkemttniß an Wahrhaftigkeit noch gewinnen könnte. Das 1111־ bedingte Bert rauen in die Aufrichtigkeit und Treue kincs langbewährtcn Freundes wird durch keinen neuen Beweis derselben erhöht, so wenig wie die lieber« zeugung non der Wahrheit des 2at;e•?, daß alle Menschen sterblich sind, durch die Wahrnehmung noch so vieler Todesanzeigen die geringste Steigerung erfährt. Wir haben eben gar nicht gezweiselt, das Crine wie das Andere stand uns eben absolut fest, )koch fester steht uns die kleberzeugung von der Göttlichkeit der Thora, von der Wahrheit eines jeden Buchstabens des Gottesgesetzes; die Erfahrungen der Jahrtausende und jeder Aihemzng der Gegenwart bürgen uns für sie. Allein man denke an die große Zahl der Schwanlenden, der Unerfahrenen, der in Unkenntuiß und Bcrkennung des Gottesgesetzes Anfgcwachfenen, an die große Zahl Derjenigen, für die säminUichc ihnen mit der Bezeichnung Ritnalgesttz stigmatifirte göttlichen Gebote unter die Ausgeburten des Aberglaubens und Wahns längst von der fortschreitenden Kultur überholter finsterer Zeiten rangirt sind. Unter allen Kategorien der göttlichcn Gesetze gicbt es aber keine Klasse, die also von te!ind je die Zielscheibe für die Angriffe der Feinde des Indenthums, der Leugner der Göttlichkeit der Thora gebildet haben, wie eben der Kreis von Gottesgesetzen, der sieh auf die Regelung des ganzen sinnlichen Vebcns des Menschen, vor Allem aber auf die leibliche Er- Nahrung bezieht. Die Lpcisegesctze sind es ja in erster Viuie, an welchen nach dem Ausspruche unserer Weisen von jeher die nichijndische Welt und im Kreise der jüdischen die nnjndische Zinnesuub Denkungsart nie ansgehört hoben Anstoß zu nehmen, sie sind es ja. welche die Priester und Apostel des Abfalls in Israel von jeher zum Ausgangspunkt nahmen, um Propaganda zri machen für die heilige Sache des Abfalls und der Reform. Wie regnete es da billige Witze, wie wurde die ganze Schake des Spotts über die armen Speiscgesetzc an e gegossen! Da donnerten sie aus den Kanzeln und philosophirten in den Salons und dozirten in den Schulen und flüsterten in vertraulichen Zwiegcsprächcn: ״Was hat wob! in irgend einer anderen Religion die Küche mit der Kirche, das Kochbuch mit dem Katechismus, die Bralensar.ee mit dem Weihwasser, das Menu mit dem Dogma, die Speisekarte mit dem ewigen Seelenheil zu thun? Und wir linden, Pardon, wir Israeliten sollen noch immer so kindlich sein, uns wegen dessen was in nnsern Pfannen schmort die Delle heiß machen zu lassen? Welcher aufgeklärte Israelit, und verfügte er auch nur über ein bescheidenes Theil gefunden Menschenverstandes, könnte ein Gesetzbuch noch für ein göttliches halten, das so kleinlich ist, ihn vorv schreiben zu wollen, waS er essen und was er nicht offen darf? Wie wenig geläutert sind doch die Vorstellungen des Orthodoxen von seinem Gotte, den er angeblich so hoch verehrt, wie klein denkt der Strenggläubige von seinem Schöpfer, wenn er ihm zutraut, auf solche nichtsbedeutende Kleinlichkeiten und Aeußerlichkeiten so großen Werth zu legen! Das Gebiet der Religion ist ja das Geistige, Göttliche, Ewige; die Reinheit der Seele, der Adel der Gesinnung, die Bethätigung der sittlichen Freiheit bilden ihre Ziele: wer wäre mm wohl so be׳ schränkt, einen Zusammenhang zu glauben zwischen der Ernährung und der Gesinnung, zwischen dem Magen und der Seele, zwischen Körper und Geist, wer sähe nicht ein, daß für jene ewigen Ziele es unsäglich gleichgültig sei, mit welchen Speisen der Körper genährt werde!" Da sollte sich der orthodoxe Jude nicht freuen, da wäre es nicht von hohem Interesse für alle Die« jenigen, die auch die Speisegesttzc hoch ttnd heilig als Gotteswort halten und danach streben, ihre Kinder in jener Gesinnung zu erziehen, daß für die Deilighaltung dieser Gesetze, für welche die Ahnen tausendfältig in den Tod gcgang'M sind, sie ihrerseits freudig das leichtere Opfer von Bequemlichkeiten und Behaglichkeiten des Gebens bringen und sich von dem wüsten Geschrei und dem öden Spotte nicht verführen lassen — für alle diese wäre es nicht von hohem Interesse, wenn gerade von derjenigen Wissenschaft, die stets alles Rüst׳ zeug für die Angriffe gegen das Gotteswort geliefert hat, Ansichten gelehrt werden, die eben diesen Angriffen allen und jeden Grund und Boden entziehen? Ist es nämlich wirklich wahr, and das ist ja das Dogma des Materialismus striktester Observanz, ist es wiillich wahr, daß das was wir Seele und Geist des ))Umschen nennen, mir das Akzidenz des Körpers sei, ist wirtlich des Menschen Geist also an den Körper geknüpft, daß sein Dasein von dem des Körpers unmittelbar bedingt ist, so sehr, daß mit dem Aushören des Gibes auch der Geist nicht mehr existire, so gchört ja in Wahrheit nicht etwa wissenschaftlicher Scharsblick, sondern in Wirklichkeit nur ein weniges von bent eben an gernseneu gesunden Menschenverstände dazu, um einzusehen, daß alles was ans den Körper Einfluß übt, damit auch auf das gesammte seelische Wesen miniitteb bar eimvirkc. Je inniger das Berhältniß zwischen beiden ist, um so mehr leuchtet cs ein, daß der Gedanke eines Zusammenhanges zwischen den körperlichen und den seelichen Zuständen und Vorgängen weit ent-! fenit. ein iirationeller 31t sein, sich vielmehr mit un-

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