Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1887)
- Article
- Zur antisemitischen Bewegung in Kurhessen
- Date
- 1887-10-27
- Page
- 678 (sequence 3)
- Language
- German
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678 Wir wollen den direkten und indirekten Judencinsiuß auf die Gesetzgebung zeigen und daraus die ungleiche Steuerbelastung herleiten, welche zu Ungnnsten des redlichen Erwerbs und des Grundbesitzes das mobile Kapital fast steuerfrei laßt. Wir wollen den Judcnanlheil am Verbrechen beleuchten, welcher trotz der sehr bequemen Gesetze doch über ihren Prozentsatz hinauSgeht. Wir wollen den demoralisirenden Einfluß der Judcupressc beleuchten, und wir wollen den schmählichen Zustand zum Bewußtsein unseres Volkes bringen, daß durch den Juden ring, durch die jüdische UnsterblichkcitSvcrsicherung auf Gegenseitigkeit, cs den Anschein gewinnt, als ob alle Künstler, Dichter und Gelehrten von Ruf in Deutschland vom Stamme Sem seien. Dazu kommen dann einige entartete Söhne des Vaterlandcs, welche es nicht verschmähen, sich von der jüdischen Reklame emportrommeln zu lassen. Der Antisemitismus will sonach gewissermaßen das VolkSgcwissen sein. Wir wollen den Idealismus in unserem Volke wieder wecken und beleben und den edlen Stolz darauf, daß wir Deutsche sind, ins Bewußtsein unseres Volkes znrückrusen. Wenn wir so dem Volke die Augen über die, Gefahren, die uns drohen, geöffnet haben, so wollen wir auch die Wege zur Rettung weisen. Wir wollen lehren, wie der Einzelne aus dem Wege der gesetzlichen Selbsthülfe Vieles bessern kann. Wir wollen aber auch antisemitische Vertreter ins Parlament bringen, welche dort der Sauerteig für die allen Parteien werden und die soziale Ncsorm beschleunigen helfen .sollen, durch welche allein der Sozialrevolntion vorgcbeugt werden kann. Wir sind uns durchaus vollständig klar über die Grundzüge der Reformen, die wir verlangen, und durch welche wir Abhülfe für die geschilderten Schäden erwarten. Cie bestehen in Kürze in Schaffung gesunder Krcditverhältnisse für die Landwirthschaft und Schutz der Produktion; in korporativer Zusammenfassung der Berussstände unseres Volkes; im Schutz der Arbeiter vor dem anssaugenden Kapital u. s. w. und Sicherstellung der Arbeitsunfähigen; in Reform des Aktimwcscns und Erlaß eines VörsengcsetzeS. Vor allen Dingen aber in Stellung der Juden unter Fremdenrccht und Befreiung derselben vom Waffendienst gegen Wehrgeld. Staatliche Organisation der Auswanderung. Spezial׳- Programme ausznstellen haben wir noch keine Veranlassnng; das wird bei den nächsten Wahlen erfolgen. Hier in Hessen speziell geben wir keineswegs die Hoff:- nuug auf, zu einem Einverständniß mit der Partei zu gelangen, welche die Judenfrage jetzt in ihr Programm ausgenommen hat. — Der Antisemitismus i\t nach allem Gesagten sowohl konservativ im besten Sinne, als auch liberal. Er will die festen alten Fundamente unseres Volkes erhalten und andererseits die Befrciuug von der jüdischen Fremdherrschaft herbeisühren. Wir wenden uns nicht an einzelne Parteien, sondern an die vaterlandsliebenden Männer aller Parteien. Wir möchten, daß jeder Deutsche sich für den anderen verantwortlich fühlt. In einem mallen Landsknechtsliebe heißt es: Die Deutschen dort zu Schaden kamen,׳ Weil sie nicht hielten fest zusamen.' Diesen traurigen Erbfehler müssen wir bekämpfen, dann ist es noch möglich, daß wir uns unser Vaterland zurückerobern können." Klar und deutlich führt uns dieser Bericht die Ziele der deutschen Antisemitenpartei vor Augen. Man will uns zurnckstoßen in die Ghettos vergangener Zeiten — und wenn auch diese Zeit noch in sehr weiter unerreichbarer Ferne liegt, so dürfen wir uns doch nicht in Sicherheit wiegen; wir müssen stets im. Auge behalten, daß der Feind in der Nähe ist, der vor kerne»! Mittel zurückschreckt, die wohiverbrieflcn Rechte eines Theils des deutschen Volkes, der niemals hinter den übrigen Mitbürgern zurückgestuuden in der Förderung des Gesanuntwohlcs und Aufblühens des Reiches, zu Nichte zu machen. Man scheut sich nicht, zu der niedrigsten und erbärmlichsten Waffe, der Lüge, zu greifen. Denn noch nie hat man einen auf feste, anerkannte Thatsache» gestützten Beweis jener. gegen die jüdischen Deutschen geschlenderten Anklagen angetreten. Man spricht ständig — wie auch in obiger Expektoration — von ״wir wollen beweisen" — indeß bewiesen ist bis heute noch nicht ein Jota vou all dem Schmählichen und Gefährlichen, das den Inden Ln die Schuhe geschoben wird. Und daö eben darf uns mit Stolz erfüllen und der Hoffnung Raum geben, daß der bessere Thcil des deutschen Volkes sich von der Nichtigkeit und Erbärmlichkeit jener Agitation voll und und ganz überzeugen wird. Mer ans der GeMMl. Von Friedrich Rott. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Frau Fricdhcim lehnte dm Kopf an die Schulter ihres Mannes. ״Das wollen wir hoffen — aber es lnirb ein Schlag für sie fein — sie hat ihn sehr gern. Ucbrigens hast Du Recht," fügte sie, sich aufrichtet,d, hinzu, ״iS wäre ein Unrecht, ihm auch nur in Gedanken einen Vorwurf machen zu wollen. —- Arme Rccha! — Hörst Du sie darinnen lachen? wenn sie wüßte