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Jeschurun · 1887-10-27 · Heft 43 (27.10.1887) · p. 677

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 43 (27.10.1887)
Article
Zur antisemitischen Bewegung in Kurhessen
Date
1887-10-27
Page
677 (sequence 2)
Language
German
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677 schlossen sind, in der Kampfeslust, in dem fanatischsten Hasse, in der VernichtungSwuth völlig eins sind, davon legt auch Zcugniß ab die jüngste Kundgebung aus den! ehemaligen Kurfürstenthum Hessen. Hier hatte bis dato Dr. Vöckel (Capistrcmo) die Propaganda für den Antisemitismus durch die Entsachung niedrigster Leidenschaslen mit solchem Geschick betrieben, daß ihm zum Dank dafür ein Reichstagsmandat zusirl. In seiner neuen Eigenschaft als ReichStagSabgcorducter war er aber gar bald zum enümt terriblc der auliscmitischcu Führer geworden. Es befricdigic offenbar seinen Ehrgeiz nicht, eine untergeordnete Stellung im Gencralstabe cinzuuchrnem Man suchte ihn bei Seite zu schieben und cs vollzog sich jene Sezession dcS Deutschen Reform. Vereins, welcher als unbedingtes Ziel seines Strcbcns die Aufhebung der Iu-dcncmanzipation und die Stellung der Juden unter einer besonderen Fremdengesetzgebung bezeichnet. An Stelle dcS Herrn Vöckel scheint Herr Licbcrmann von Sonnenberg nunmehr die Führung der hessischen Bewegung übernommen zu haben. Am 3. Oktober kam er nach Kassel und stellte auss Nene die Ziele der hessischen Antisemiten- Partei dar. Wir geben im Folgenden dieses Programm nach einem Berichte der ״Krenzzcitnng" wieder, und machen darauf aufmerksam, daß trotz der häuslichen Zwistigfeiten die Antisemiten planmäßig überall dasselbe Programm verkünden. Herr Liebermann von Sonncnbcrg stellte an! 3. Oktober zu Kassel daS völlig gleiche Ziel vor, welches Dr. Vöckel am 28. September in Berlin bezeichnet hatte: Stellung der Juden n 111er Fremdengesctzgcbung. Der Bericht der ״Kreuzzeitung" lautet: Die wachsende antisemitische Stimmung in Hessen veranlaßt dort allmählich auch die besonderen Elemente, zu der brennenden Judenfrage Stellung zu nehmen. Bekanntlich haben die dortigen Konservativen einen diesbezüglichen Paragraphen in ihr Programm ausgenommen. Trotzdem hat sich für Hessen und Waldcck eine gesonderte Antisemitenpartci konstitmrt, welche am 3. Oktober in Kassel eine Versammlung abhielt, die vorwiegend ans besseren Kreisen besucht war und in der Herr Liebermann von Sonnenbera das Programm der Partei entwickelte. v. Liebermann führt ans, daß man den Antiscmitcn häufig einerseits vorwerse, sie trieben Glaubens- Verfolgung, andererseits sie huldigten dem Atheismus; beides sei unrichtig. Den erst erwähnten Vorwurf erheben die Inden und Jndengenossen unter absichtlicher Fälschung der Thatsache, um an die Toleranz Michels zu appelliren; den zweiten Vorwurf machen rms die Konservativen aus Mißvcrständniß. Man solle uns Antisemiten doch als politische Partei ansehen und nicht unnützcrweise religiöse Gesichtspunkte bei uns suchen. . WirAnn'scmiten haben Achtung vor jedem Glaubensbekenntniß. weisen aber alle jüdischen Angriffe auf das christliche Bewußtsein unseres Volkes zurück. DaS Jndcnthmn bckänipfen wir nicht in seinen! Glauben, sondern wegen seiner Schädlichkeit snr unser Volk. Ebenso werden uns auch reaktionäre Tendenzen, ja sogar gonvcrnemcntale Gefügigkeit vorgeworfen, andererscitö sogar sozialdcinokratischc Neigungen bei uns Antiscmitcn gewittert. Das crstere thut Herr Eugen Richter in bewußter Fälschung; das andere sind nichts als mißverständliche Schlüsse, die man ans jugendlichen Extravaganzen einzelner Pcrsoncn zieht, die erst noch, lernen müssen, daß nur durch Einordnung in Neih und Glied Erfolge zn crringm sind, lieber unsere Organisation ist inan überhaupt noch schlecht unterrichtet und man verwechselt diese noch häufig mit einzelnen Lokalvcreincn. Ganz im Gegensätze zu jeder sozialdemokratischen Tendenz sind wir deutschen Antisemiten Monarchisten ans tiefster Uebcrzeugung, und weil wir das Letztere sind, müssen wir daS Erstere sein; denn das Jndenthum hat grundstürzende Tendenzen. Wir Antisemiten wollen;!mächst in Schrift und Wort Ausklärung über die furchtbare Schädignitg unseres Volkes in die weitesten Kreise tragen; wir wollen zeigen, wie daS solidarisch zusammenhaltende Indcnvolk unsere in Individuen zersplitterte Produktivständc auffrißt. Der Bauer, der Gutsbesitzer, arbeitet für den Inden, bis dieser ihn von HauS und Hof treibt. Der Städter wohnt beim Juden zur Miethe; der selbständige Handwerker wird Lohnsklave der Inden, weil er in Folge der Gcwerbcsrcihcit nicht mit dem Kapital der Inden konknrrircu kann. Der Arbeiter wird wie eine Zitrone anSgcqnctscht, die man wcgwirft, wenn sie saftlos geworden ist. In Folge der Frei- Zügigkeit ist der Arbeitslohn gedrückt, und dabei wird der Arbeitcrstand durch von Judengold bezahlte Agitatoven über seine wahren Interessen getäuscht und verführt. Wir wollen ferner zeigen, wie die Börse die kleineren und mitlercn Kapitalien aufsaugt und immer mehr Proletarier schasst und wie einzelne Staaten zu jüdischen Geldeintreibnngs-Agenturen herabsinken. Wir wollen zeigen, wie der Jude keinen Antheil an der redlichen Arbeit, aber einen nnvcrhällnißmäßigen Antheil an allen lohnenden Erwerb hat, diesen gewissermaßen nionopolisirt. Wir wollen zeigen, wie der Jude in Folge seines Geldes die höheren Schulen in erschreckender Weise mit seinen Söhnen überschwemmt und immer mehr und in ganz uuverhältnißmäßiger ׳Weise in die leitenden Stellungen im Staate eindringt.

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