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Jeschurun · 1887-09-29 · Heft 39 (29.9.1887) · p. 614

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 39 (29.9.1887)
Article
Wucherische Ausbeutung des Landmanns
Date
1887-09-29
Page
614 (sequence 3)
Language
German
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614 haben, daß sie dabei besser asS im direkten Verkehr! unter Umgehung des Händlers fahren. Und eS ist : ferner absolut ausgeschlossen, daß der Zwischenhandel ן im Allgemeinen auf Betrug und Uebcrvorthcilnng! basiren kann, wo er sich so lange regelmäßig vollzieht.! Vielmehr stellt sich nach wissenschaftlichen Grundsätzen ein jeder Verkehr im Allgemeinen durch seine Existenz a!S in den faktischen Verhältnissen begründet dar. Er würde nicht existieren können, wenn er nicht nothwcndig wäre. Die von dem Berichterstatter herangezogencn Fälle, in welchen zwischen Käufer und Verkäufer Difsc׳ renzcn über die vertragsmäßige Qualität deS Objektes entstanden sind, oder in welchen die rechtswidrige Absicht der Partei konstaürl ist, entbehren völlig der Beweiskraft für das allgemeine Vorhandensein eines Wuchers bei den! Viehgcschäst, wie Herr DcSbach als unumstößliche Thalsache hieraus folgern will. Damit soll jedoch keineswegs dem Bestreben deS in seiner Gegend bcstchcnden jungen Vereins zum Schutze des LandmanneS irgendwie eutgcgcngetrcten werden. Dieser Verein ist durchaus berechtigt, weil jede Interessentengruppc nur weise handelt, wenn sie durch gentcinsümcS Handeln sich Vorthcilc zu schassen sucht. 'Wenn der Landmonn cS ferner versuchen will, sich von dem Zwischenhandel zu emanzipieren, so handelt er ganz rationell, falls er dadurch seine Produkte zu höheren Preisen veräußern und seinen Bedarf zu niedrigeren Preisen cinkanfcn kann. Wenn ihm dieses gelingt, so ist er durchaus im Rechte. Gleicherweise aber ist auch der Zwischenhändler in seinem Rechte, wenn er sich angelegen sein läßt, ans dem Handel den größtniöglichslcn Nutzen zu ziehen, und cö wäre geradezu lächerlich, wollte man ihn! verargen, wenn er prosperirt. (£iu jeder Interessent hat den Vorthcit wahrznnehmcn, der ans der legitimen Benutzung der obwaltenden Vcrhältnisse sich ihm darbictet. So wenig der Händler über den Landmann klagen darf, daß er ihn seines Erwerbs beraubt wenn er fortan mit seinen Berufsgenossen verkehrt, so wenig hat der Landmann den Händler anzullagen. daß er im Handel verdient. Wenn der Landmann einem Händler seine Produkte verkauft oder von ihm seinen Bedarf kaust, so thut er solches, weil er ans andere Weise nicht so vorthcilhast kaufen oder verkaufen kann. DaS Gerede von einer allgemeinen wuchermäßigen Ausbeutung erscheint aber der vornrthcilSfrcicn Beurtheilung als müssigeS Geschwätz, ebenso wie eine auch hier angcdcntete Bereinigung der Juden für dieselbe, von welcher Herr DcSbach') meint: ״Wenn diese Vereinigung der Juden auch keine gcbmcftcn Statuten besitzt, so *) Seite 155. kann man doch auf bcu Märkten u. s. w. sehen, daß dieselbe in Wirklichkeit besteht." Etwas Vageres läßt sich kann! denken. Weil die denlsclbcn Geschäftszweige obliegenden Personen mit einander vertraut sind und gewiß in vielfachen geschäftlichen Beziehungen zu einander stehen, darum muß eine Verbindung bestehen zur AuSkundschafftung der Bauern re. re.?? Der Bericht über die Verhältnisse im Trierschcn zeigt keineswegs das ruhige vornrtheilSsrcic Urthcil eines mit seinem Gegenstände vertrauten Mannes, sondern vielmehr die Voreingenommenheit eines für die realen Verhältnisse wenig Bersrändniß besitzenden Philanlhropen, der gern der Klage deS Verarmten Gehör leihen möchte. Aus Unparteilichkeit und Sachkunde kann er aber keinen Anspruch machen. ES ist eben ein ״StimmnngSbericht", d. h. ein solcher, der nicht auf realen Verhält- Nissen, sondern ans vagen Meinungen und Stimmungen beruht. Mer ltt!s der GegeniM. Von Friedrich Nott. ׳ " יי׳ ~ יי (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Wohl war and) Nccha Friedhciin schön, ihre Züge waren von klassischer Reinheit. Aber nachtschwarze Haare, dunkelglühcnde Augen sind in Ungarn keine Seltenheit. Doch Haare wie Ernas gab es in der ganzen Stadt nicht noch einmal, in schweren hellblonden Zöpfen sielen sie bis weit über die Mitte ihrer hohen junonischen Gestalt. — Und diese wunderbar schönen großen bimfclblaucn Augen, dieser Helle, durchsichtige, vom zartesten Rosa leicht überhauchte Teint, und zu dem Allen diese übcrsprudelnde Jngendfrische und — ״last but 110t least die Geldsäcke meines Vaters״ war Erna einst lachend einem ihrer Bewunderer ins Wort gefallen. Aber sic konnte auch ernst sein trotz ihrer nahezu quecksilbernen Lebendigkeit, und zuweilen war sic sogar Lies traurig. Vorhin, als Friedheim seine Tochter gesegnet und sie dann leicht an sich zog und mit seinen Lippen ihre Stirn berührt hatte, da hatte eine Thränc ihr Auge gefüllt. ״Um Gott, Erna, was ist Dir?" flüsterte Nccha, als sie die Erregung der Freundin gewahrte. Ernas Lippen zuckten. ״Ich beneide Dich," entgegnctc sie in demselben Flüsterton, ״ich beneide Dich — um die Liebe Deines Vaters." Necha blickte sie betroffen an. ״Erna!"

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