Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 39 (29.9.1887)
- Article
- Wucherische Ausbeutung des Landmanns
- Date
- 1887-09-29
- Page
- 613 (sequence 2)
- Language
- German
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61a Balicrn Geld und Bedarfsartikel verkauft, krcditirt und schließlich auch bezahlt sein wallen, kann nicht wohl als Wucher angesehen werden. Allerdings dehauptct Herr Mahla:') ״Die Kreide wird incistenS von ihn! allein, dafür aber häufig doppelt geführt, weil der Bauer entweder zu faul oder zu einfältig ist, seine Schuldigkeit selbst zu notiren." £ic Frage liegt aber doch sehr nahe, auf welche Weise der Berichtcrstattcr diese Thatsache fcstgcstcllt hat, welche das sonst legitime Geschäft zu einer betrügerischen AnSbeutung stempeln würde. Wie konnte crnirt werden, daß diese verbrecherische Manipulation die Regel sei, zumal die Schuldner, wie mitgetheilt ist, darüber nichts auSsagcu können, weil sie gar keine Aufzeichnungen vornehmen, lind die Gläubiger doch wohl ihre eigenen Schaudthaten nicht freiwillig anfdcckeu? Ucber das Pieh-Leih- oder Stell-Gcschäft haben wir schon früher gesprochen. Mahla berichtet, daß der Bichstand nicht nur dadurch nicht verschlechtert, sondern verbessert werde. Vom Laudwnchcr hat er nichts zu melden. Der vom Landrath Knebel zu Vcrkingcn a. d. S. erstattete Bericht über den Wucher im preußischen Saa r g c b i c t behauptet daS -Vorhandensein des Wuchers. Aber auch hier begegnet man dem Geständnisse, daß eigentlich der Umfang desselben, daS ist nichts Anders als die Wucherfüllc selbst, nicht seftzustellen ist. Ist dieses aber der Fall, so vermag man in der Thai nicht einzusehcn, wie man denn die Thesen uufstcllen kann, daß die gesammtc kleine Bevölkerung dem Angriff des Wuchers anSgescpt, daß diese oder jene Ortschaften mehr oder weniger dadurch geschädigt werden und daß jahraus jahrein eine beträchtliche Zahl von Existenzen in fast allen Thcilen des Gebiets dem Wucher erliegen.׳) Der Berichterstatter schildert an einzelnen krassen Beispielen das Verfahren des Wucherers, bemerkt aber ausdrücklich, H ..daß die Beziehungen zu den Handelsleuten zwar nicht selten, aber doch bei Weitem in der Minderzahl der Fälle dieses traurige Ende finden/' Es muß besonders hervorgchoben werden, daß weder in diesem Berichte aus dein Saargebict, noch in dem vorigen aus der Rheinpsalz der Inden Er׳ wähnung geschieht. Dagegen tritt in dem Berichte dcS Kaplan DaSbach, Schriftführer des Trier-Bauern- Vereins, über den Wucher in den Dörfern des tricrsche n La n d es der Jude als der eigentliche Wucherer auf. In betreff des Darlchnswuchcr hat sich Herr DaSbach den Beweis ziemlich leicht gemacht. Er schildert den Bauern als einen kindischen, eitlen, vertrauensseligen Menschen, der sich von dem listigen Geldvcrleihcr zu- ’) Seite 115. 2) Seite 126. •י) Seite 134. nächst verführen last, Darlehen gegen bloße Schuldscheine zu kontrahiren, sodann aber der Stimme dcS schlauen Gläubigers folgt, landwirthschastliche Verbesscrungen, Neubauten n. s. w. vorznnchmcu.') ״Mag der Bauer sich auch noch so sehr gegen die Vermehrung seiner Schulden wehren, der Gcldverlciher weiß ihn schon dahin zu bringen, daß er schließlich doch daS Geld annimmt." Ja, dieser Gcldvcrlciher ist so verschlagen und der Bauer so entsetzlich dumm, daß er mit ihm alles an fangen kann, was er will. Er redet dem Bauern rin, daß er, der Bauer, der reichste Mann im Dorfe sei, und der Bauer hält sich dann auch wirklich dafür. Er sagt zum Bauern, daß er dieses oder jenes Vieh kaufen müsse und der Bauer läßt sich seinen Stall von dem hinterlistigen Mann bevölkern, ohne auch nur über den Preis zu verhandeln. Er erklärt dem Bauern, dieses oder jenes Stück Vieh, dieses oder jenes Quantum Fcldcrzcngnisse müsse jetzt verkauft werden, und der Bauer folgt blindlings und läßt sich von dem Handelsmann für sein Bcsitsthum. zahlen was diesem beliebt u. s. w., n. s. w. So ist der Bauer eine willenlose Marionette in der Hand dcS betrügerischen Händlers, welcher natürlich endlich mit ihm abrcchnct, natürlich zu einer Zeit, wo cS dein Bauern gar nicht paßt, und ihn schließlich snbhastiren läßt. ES gehört ein starker Glauben dazu, um Alles dieses als die stehende Gepflogenheit für wahr zii halten. ES werden dafür die Beispiele angcfühit. die aber tHeils hierfür gar nichts beweisen, theilS offenbar nicht beglaubigt sind, vielmehr anscheinend nur ans den Angaben des Bauern beruhen. Dasbach aber knüpft daran den Ansspruch: ’״ (־Dieser Fälle haarsträubender Bewucherung tönnte man sicher tausende anszählen, wenn die Bewucherten nur reden wollten." Ans diese Weise läßt sich aber doch, das Vorhandensein dieser tausendfachen. Fälle nicht demonstriren. Wer nicht ohnehin daran glauben will, wird die Schilderung dcS Darlehens- Wuchers lediglich als ein Phantasiegemäldc betrachten können. Der Viehhandel liegt auch im Trierschen ganz in der Hand des Inden. Der Bauer kauft nur selten von Bauern direkt cm Stück Vieh. Darin liegt unseres Erachtens der überzeugendste Beweis, daß die jüdischen Viehhändler im Allgemeinen sehr reell im Kalif und Verkauf sein müssen. Es ist absolut nicht denkbar, daß ein Geschäftszweig wie der Vichhandel, in welchem der kaufende und verlaufende Landmunn über den Werth des Objektes nicht nur, sondern auef! über seine BezugSgnelle und' sein Absatzgebiet vollkommen unterrichtet ist, in den Händen des Zwischenhandels ruht, wenn nicht Käufer und Verkäufer sich vollständig überzeugt ') Seite 153. ב) Seite 154.