Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1887)
- Article
- Wucherische Ausbeutung des Landmanns
- Date
- 1887-09-22
- Page
- 597 (sequence 2)
- Language
- German
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597 lichste Beweis, daß sich der Konsument bei der Entnähme seines Bedarfs non dem Hansirer ״aus dem Stamme Israel" besser steht. Es ist unseres Erachtens übrigens ein großer Irrthum, wenn man glaubt, daß ein Kaufnianu sich eine Kundschaft erwerben und erhalten kann, wenn er seine Kunden nnrecll bedient. Das kaufende Publikum erkennt sehr wohl, ob cS unreell behandelt wird, und entzieht Demjenigcn seine Kundschaft, der cS überoortheilt oder sonst schlecht bedient. Wo der Sandmann darum seine Bedürjnissc vorzugsweise bei dem jüdischen Händler kauft, und je mehr dieser darum unter dem Konkurrenzneid der andern Kanfleutc zu leiden hat, desto besser, reeller und billiger betreibt er seinen Handel. Und wenn Herr von Getto meint, daß bei dem Umtausch von M-ehl, Schnittwaaren 11. bergt, gegen Getreide, Schmalz, Eier n. s. w. der Bauer ״natürlich" nicht die Qnantitätcn und die Preise der ciugetauschtcn Artikel zu kontrollircn im Staude sei und deshalb auSgebeutct werde, so glauben wir ganz entschieden, daß er sich in einem Jrrthum befindet. Der Bauer ist keineswegs so einfältig, — Herr von Getto bezeichnet ihn selbst als mißtrauisch im Verkehr, — um sich nicht ganz genau über Werth und Menge der eiugetauschttn Gegenstände zu iitsormircu. Er läßt sich, um einen lau d läufigen Ansdruck zu gebrauchen, nur ciumal überS Ohr hauen. Er am wenigsten würde mit einem Händler jemals wieder Geschäfte machen, bei dem er nicht gut gefahren ist. ES ist eine ganz bekannte Thatsache, daß einem Kaufmann nichts so schwer fällt, als sich eine Bauernkuudschajt 'zu erwerben und zu erhalten. ES gelingt dieses nur Demjenigen, der sehr reell handelt. Wir glauben deshalb, daß, wenn Herrn von Getto aus Mitlelsraiiken berichtet worden ist, wie dort für Kleie und Malzkcimc der doppelte Preis von dem sahreuden Händler erzielt wird, hier nur ein ganz vereinzelter Fall vorlicgen kann. Es ist gar nicht denkbar, daß der Laudmauu nicht den Marktpreis von Kleie und Malzkcime kennen soll. Er liest doch im WirthShans das Amts- oder KreiSblatt, in welchem die Preise notivt sind, er kommt doch auch zur Schranne oder hört von seinen Nachbaren die Preise der ihn so sehr interessirenden Artikel. Bon dein Hopfenhandcl, welcher ״sich nun vollständig in den Händen der Juden befindet," muß cr trotz der vielen Bedeukeu, die cr gerade hier hegt, zugestehen, daß ״der strikte Nachweis der wucherischen Natur des Geschäfts höchst selten zu erbringen ist." Wir glauben uns nicht zu irren, wenn wir meinen, daß cr gar nicht erbracht worden ist, sonst würden hier die Fälle wohl angeführt sein. WaS aber nicht erwiesen ist, kann unmöglich als objektive Wahrheit gelten; was darum vorgcbracht wird, stützt sich nur auf vage Annahmen. Im Allgemeinen bezeugt der vorliegende Bericht, daß Fülle, in welchen der Bauer dem Wucherer völlig verfallen ist, in Altbayern äußerst selten, in^ Franken und Schwaben mindestens nicht häufig Vorkommen, und ״daß die dem Wucherer gänzlich Verfallenen meistenthcilS durch Liederlichkeit und uuwirthschastlichen Leichtsinn ihr Unglück selber verschuldet haben."') Interessant ist, was Herr von Getto über die Banken schreibt. Er hält sie für den bäuerlichen Kredit für durchaus ungeeignet. Er meint: ״Wenn z. B. von einem Pfandbricsschuldner heute noch 0',2 Prozent Zinsen (ohne Amortija tion und VerwaltnngSgebühr) verlangt werden, oder wenn ein Pfandbricskapita! zu 5 Prozent ohne Amortisation und VerwaltuugSgcbühr unter der Bedingung bewilligt wird, daß im Fall der Heim- Zahlung binnen der ersten zehn Jahre 10 Prozent, binnen der nächsten zehn Jahre 2 Prozent der ursprünglichen DarlehuSsumme neben dem Kapital als Kon- מ c 111 i 0 u a l ft r a f c ober R ü ck z a h l u n g S pr 0 ס i ן i 0 n gezahlt werden muß, so wird sogar dem über den Baner stehenden Laudwirth eine Sehen vor Benutzung solcher Krcditiusiitntc nicht mit Unrecht iunewohncn!" ־) ES ist dies eine sehr kräftige Unterstützung dcS von uns in dem vorigen Abschnitte Hervorgehobcncu. Wenn solches ein Handelsmann tIj 1111 würde, der sich bei Weitem nicht so sichern kann wie diese Institute, wie würde man da über ivucherische Ausbeutung ktagcn! Einen glänzenden Beweis für die Integrität unserer Glaubensgenossen in Bayern gicbt aber die von Herrn von Ectto ausweislich der ״Ergebnisse der Zivil- und Strafrechtspflege bei den Gerichten des Königreichs Bayern, hcranSgegeben vom kgl. Staatö- Ministerium der Justiz", mitgetheilicStatistik. denWucher betreffend. Nach der Tabelle von 1S81 waren von sieben wegen Wucher Vcrurtheilten ״sechs katholisch, einer protestantisch, während die israelitische Konfession u n b c t h e i l i g t erschein t."י) Wo ist nun der jüdische Wucherer?? ') Seite 107. ד Seite 107. :l) Seite 108.