Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1887)
- Article
- Aus der Pariser jüdischen Gemeinde
- Date
- 1887-09-15
- Page
- 585 (sequence 1)
- Language
- German
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M 87. 585 Jeschnrnn. Ans der pmfcr WisHm Gemtindt. (Schluß.) Um dennoch dem dringenden Bedürfnisse für die jüdischen Kranken ein Genüge zu leisten, wollte man im Jahre 1836 ein Abkommen mit der städtischen Hospitalverwaltung dahin hcrbciführen, daß der jüdischen Gemeinde in einem Krankmhause zwei Zimmer überwiesen würden, in welchen sie auf ihre Kosten israelitische Kranke verpflegen und mit Koscherkost versorgen könnten. Der Präfekt erwies sich diesem Projekte günstig, die Hospitalverwaltung wollte sich aber nicht darauf einlassen. Im Jahre 1842 gelang es endlich, die erforderlichen Mittel aufzubringen, um ein Halis in der Straße Trois-Vornes zu micthcn und darin eine jüdische Krankenstation mit zwölf Betten einzurichten. Das war in der Thal ein bedeutender Fortschritt. Man war aber damit noch lange nicht am Ziele. Die beschränkten Verhältnisse dieser Station schlossen ganze Kategorien von Kranken aus, für welche eine Hospital- Verpflegung recht eigentlich geboten erschien. Dem Baron James von Rothschild ist es zu verdanken, daß im Jahre!852 das gegenwärtige jüdische Krankenhaus in der Straße Picpns eröffnet werden konnte. Er war es, der diesen großen Vau ausführcn ließ, und andere mit Glücksgütern gesegnete Glaubensgenossen folgten seinem hochherzigen Beispiele in der Spende reicher Beiträge für die Unterhaltung des Hospitals. Die kleine Station in der Straße Trois- Bornes wurde nun geschlossen; sie Hatte während ihres zehnjährigen Bestandes!374 Kranke verpflegt. Das neue Krankenhaus zählt 46 Betten für Kranke und 34 für schwache Greise. Heute enthalt das erweiterte Hospital 134 Krankenbetten. Die Zahl der vom 5. Juli!852 bis 1. Mar 1887 verpflegten Kranken beläuft sich auf 31 956. Im Jahre 1658 wurde auch eine Ambulanz eingerichtet, in welcher bis zum!. Mai!687 205110 Ordinationen ertheilt worden sind. Die Einrichtnngen sind vorzüglich und entsprechen ebenso wohl allen hygienischen wie humanen Ansprüchen. Außer der in der großen Institution für Kramen- und Altervcrsorgttug durch die israelitische Gemeinde glänzend gelösten humanen Pflicht, liegen aber einer jeden tomnmnalcn Gcsammthcit, und ganz besonders einer israelitischen Neligionsgcmcindc, noch andere Pflichtcn der Menschenliebe ob, für welche die Verwaltung der israelitischen Wohlthätigkcit (Comite de bicnfaisimce israülite) unermüdlich thälig ist. Die sehr umfangreiche Organisation dieser Verwaltung ist musterhaft. Seit dem 26. Januar 1867 ist dieselbe vom Staate als eine des allgemeinen Nutzens anerkannt. Eigenthümlichcr Weise sigurirt unter den verschiedenen Einnahmequellen, aus welchen ihr die Mittet zu ihrer gesegneten Wirksamkeit zufließcn, eine regelmäßig abzuhaltende Lotterie, deren reincS Ergebniß alljährlich 80600 bis 90 000 Frank beträgt. Diese WohlthätigkcitsverwalLung, welche auf der opferbereiten Menschenfreundlichkeit der israelitischen Gcmciudegenossen sicher fimbivt ist, umfaßt die folgenden Ncssortö: regelmäßige monatliche Unterstütznng der cingezcichneten Armen; unständige Unterstntzung der nicht eingczeichneten Armen und der Durchreisenden; außerordentliche Verthcilungen zu den Festtagen; Feucrungsbeschaffung im Winter; Lebensmittel- Bertheilnng; Wochenbettcrinilcn-Unterstützung und Kinderwäsche-Beschafsung; Speisung und Bekleidung von etwa 2000 Schulkindern; Bekleidung der Konfirmanden (Bar Mizwah?); Gewährung von Nähmaschinen; Ge- Währung von Vorschüssen; Unterbringung von Waisen und verlassenen Kindern in Familien. Neben dieser großen Verwaltung bestehen in Paris noch etwa vierzig auf Gegenseitigkeit beruhende jüdische Vereine, welche alle das gleiche Ziel verfolgen, Leiden und Elend innerhalb der jüdischen Bevölkerung zu lindern. Unter diesen hebt Herr Du Camp ganz besonders den Miethzinsvercin und den Grabstäitenverein hervor. Die Zahl der armen Juden in Paris, für welche die Ausgäbe für die Micthe eine drückende Sorge ist, ist sehr beträchtlich. Das kleine Gewerbe, welches sie betreiben, schützt sie vor Hunger, aber gestattet ihnen kaum, etwas zurückzulegen. Der tägliche Verdienst wird von dem taglichen Vcdnrsniß absorbirt. Die Micthe muß aber püukilichft bezahlt werden. Am Tage der Fälligkeit heißt es: Zahle oder ziehe aus. Der Jude, meint Herr Du Eamp, liebt mehr als jeder Andere sein Heim, das ihm als eine heilige Stätte gilt, wohin er sich zurückzieht aus dem Kampfe deS Lebens, wo er Ruhe und Trost findet und neuen Muth sammelt, wie elend auch immer sein Dasein ist. In den armlichsten Quartieren wohnen viele Juden, wo der jährlichc Miethzins 240 Frank beträgt. Von bent Vereine wird dieser direkt au den Hausbesitzer oder dessen Stell- Vertreter abgeführl. Mehr als sechzig Familien ist durch diese Verciusthätigleit die Sorge für die Micthe abgcnommcn. Jede arme Wittwc hat sich der besonderen Sorge dieser Institution zu crsrenen, welche sich vorzugsweise der Alten, Kranken und beschästigungslosen Arbeiter anniinmt. Eine andere Institution hat ebenfalls das spezielle Interesse des Herrn Du Camp in Anspruch genommen. Cr schreibt von derselben, daß deren Wohlthat Denjenigen zu Gute kommt, denen die bleibende Wohnstatte angewiesen werden soll, welche sie erst dann verlassen, wenn der große Posaunenhall die Gräber sprengt. ES ist diejcs eine Veranstaltung zur Sichernng eines