Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1887)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1887-09-15
- Page
- 582 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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582 der Augsburger Synode? Es ist eine notorische Thatsache, daß von der Augsburger Synode absolut gar nichts im Gcdächtniß des Volkes sortlcbt, als die Erinnerung an deren totalen Nichtigkeit. (Fortsetzung folgt.) Mtk lN!S i>tt Gkgtlllvilrt. Bon Friedrich Rott. (Hachprucl vcrt'otcn.) (Fortsetzung.) ״Aber Du-mußt bei mir bleiben, Mutter, Du mußt nlich halten — sonst kommt die Schlange." Nicht doch, liebes Herz, cs kommt keine Schlange. Aber bei Dir bleiben werde ich." ״Und Du mußt mich sest Hallen." ״Gewiß, gewiß, ich bleibe bei Dir und werde Dich fest halten. Schlafe Du nur ruhig." Aber Du hast mir noch keinen Kuß gegeben." Sic neigte sich über ihn und berührte mit ihren Lippen seine Stirn. ״Gute Nacht, mein liebes Kind!" Wie ein Lächeln zuckte cs um seine Lippen, ans einen Moment schlug er die Augen auf und blickte sic voll an. ״Gute Nacht — liebe Mutier — aber —" die Augen waren ihm wieder zngesallcn, ״ich habe — noch nicht gebetet." ״Soll ich Dir das Nachgcbet vorsagen?" Ein leise gehauchtes ״ja" war die Antwort. Mit bebender Stimme sagte die Mutter es ihm vor, mit sichtlicher Anstrengung und lallend sprach das Kind ihr nach: ״Höre Israel — der Ewige ist nufer Gott! — der Ewige ist einzig!" Thräncn erstickten ihre Stimme, sie konnte nicht weiter. Der Knabe verlangte auch nicht, daß sie ihm weiter vorsage, ruhig lag er da, ob er schlummerte? Sie hielt seine Hand, wie sic cS versprochen und regte sich nicht, um seinen Schlummer nicht zu stören. » Gottlob! die wilden Phantasien waren geschwunden, so ruhig hatte er seit Beginn seiner Krankheit nicht gelegen. -Hcrzfeld hatte vorhin, als das Kind gewacht hatte, sich zurückgezogen, jetzt trat er leise näher. ״Wie gcht'S?" fragte er flüsternd. ״Er scheint ruhig zu schlafen," erwiderte sie in demselben Ton, ״und auch die -Hitze scheint in Abnahme." ״Gott sei Dank!" Abermals verging eine Stunde. ״Er schläft ruhig," sagte HerzfeLd. Sic nickte zustimmend. ״Und keine Spur, mehr von Hitze." ״Du solltest Dich niederlcgen, Leni, Du bist seit acht Tagen nicht aus den Kleidern gekommen — das kannst Du nicht länger aushaltcn —: und da er jetzt Gottlob so ruhig schläft —" ״Er hält meine Hand sest. wenn ich sie zurückziehen würde, könnte ich ihn wecken, das thue ich um keinen Preis." Herzseld schüttelte unmuthig den Kopf, aber er wußte, in dieser Beziehung war seine Frau unbeugsam, er versuchte cs daher nicht mehr, in sie zu dringen, sondern ließ sich schweigend an ihrer Seite nieder. Wie das Kind noch im Schlafe die Hand so fest hielt, und wie ruhig cS da lag — keine Spur mehr von der wilden fieberhaften Erregung der verflossenen Tage — ein so ruhiger Schlummer mußte ihn stärken, tnorgen würde er sich hoffentlich frischer und kräftiger fühlen. Die Mutter war so voll -Hoffnung, fühlte sich so leicht — ״Gott sei Dank!" flüsterte sie in sich hinein, ״Gott sei Dank!" — Alle die Angst und die Besorgnis; der jüngst verflossenen Tage war geschwunden. Sie blickte unverwandt aus das Kind, obgleich sie seine Züge nicht unterscheiden konnte, denn sie selbst saß zwischen dem Bette und dein Tisch, auf dem in ziemlicher Entfernung die Lampe brannte, aber so viel konnte sic dennoch sehen, daß er sich nicht rührte, daß er ruhig lag. Und wie sie ihr Kind so andauernd ruhig sah, da überkam auch sic ein lang entbehrtes Gefühl von Ruhe, dabei aber empfand sie in dieser Woche zum ersten Mal eine Ermüdung, die es ihr unmöglich machte, die Angen länger offen zu halten, sic schloß sic, ihr Kopf sank zurück ans die Lehne des Sessels. Hcrzfeld hob vorsichtig ihren Kopf ein wenig und legte seinen Arm ans die Scssellehne, so daß rum ihr -Haupt auf seinem Arme ruhte; und er freute sich ihres Schlummers, der ihr so nothwendig war. Die Nacht verstrich, cs begann zu tagen. DaS Kind hatte sich noch immer nicht geregt und auch die Mutter war nicht erwacht; ihr Kops lehnte noch immer auf dem Arme ihres Mannes, während ihre rechte Hand von den Fingern des rrmocs umschlungen war. In dem Zimmer ward eö allmählich Heller und Heller, das Tageslicht siel ans das Bett dcS Kindes, -Herzfcld fürchtete, cS könne durch die blendenden Sonnenstrahlen geweckt werden, und überlegte eben, wie er die Jalousien schließen könne, ohne den Schlummer seiner Frau zu stören, als sein Blick, unwillkürlich den Sonnenstrahlen folgend, sich zum Bette wandte. Herr Gott! was war das? — hatten die bleu־ dmden Strahlen das Kind bereits geweckt, daß cS die