Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1887)
- Article
- Zur Jahreswende
- Date
- 1887-09-15
- Page
- 579 (sequence 3)
- Language
- German
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579 ו .Me in dir Zukunft unser äußeres Geschick sich gestalten wird, ob sie schmerzensreichen Prüfunge oder wonnevolle Beglückungen für uns in ihrem Schooße birgt — das vermögen wir nicht zu erkennen. הנסתרת לד׳ אלמו das Verborgene ist Gottes, der jeden Moment unseres Daseins gestaltet. Ihm vertrauen wir in zuversicktlicher Nutze. ״ והננלת לנוaber was offenbar ist, das ist unser und unserer Kinder auf ewig: alle Worte dieser Lehre zu erfüllen." DaS mögen wir Alle, unsere Häupter und Führer, die Lehrer des Gesetzes und die Vorstände unserer Gemeinden, unsere Männer, Frauen und Kinder allcsammt beherzigen, wenn der Schosar des Ellul durch daö Lager zieht, wenn wir unser Gebet zu Gott emporsenden. Dann wird die Vergangenheit zur Saat des Heiles und des Segens für die Zukunft werden. Wsnu wir Alle uns also zu Gott wenden und zu Ihm und unserer Pflicht zurnckkchrcn, dann wird and; die Zeit nicht mehr ferne sein, da Er sich zu uns wendet und sich die alte Verheißung erfüllet: 'ושב ד אלדיך את שבותך ורחמך וקבצך מבל העמים אשר הפיצך דיאלדיך שמה. ״Dann wird Gott sich wieder zurückwendend Deine Vertriebenen anfsuchen und wird sich Deiner erbarmen, und wird Dich zusammcnsammcln aus all' den Völkern, wohin Gott, Dein Gott Dich zerstreut." So werde uns das kommende Jahr ein Jahr der aufrichtigen Rückkehr zu Gott und dem Gesetzesbunde, ein Jahr des Segens und des Friedens, ein Fahr des wahrhaftigen Lebens und der wahrhaftigen Freude: בספר חיים ברנה ושלום ופרנסה סובה גזבר ונכתב. Wucherische r...״....!...״ des Aitdimnrs. VI. Den: oberflächlichen und von wenig Sachkunde zeugenden Württembergischen Berichte reiht sich der H o h e n z o l! e r n s ch e. vom Regieruiigsrath Drolshagen in Sigmaringen erstattet, würdig au. Derselbe läßt sich kurz dahin zusammensasscn: der Wucher in Hohenzollern wird ausschließlich von Juden betrieben׳/) cS treten nur selten Fälle von Kredit- und Geldwucher in die Oeffentlichkeit׳/) der Gütcrhändcl wird den jüdischen Wucherern gewissermaßen ansgedrängt; ׳') Bestrafungen von -Wucherern sind seit Erlaß des Wuchergcsctzcö nicht vorgckommen, weil die Landbevölkerung alle Fälle von Wucher hartnäckig verschweigt.*) Daß dieser Bericht den thatsächlichen Verhältnissen entsprechen kann, wird kein Vernünftiger glauben wollen. Wir haben nicht die allcrmindeste Kcnntniß von den ländlichen Verhältnissen der Hohenzollernschen Lande und können nnS nur aus diesem Berichte deS Herrn Regierungsrath Drolshagen eine Vorstellung darüber bilden. Derselbe sagt uns nun in klaren, dürren Worten: es ist in der Gegenwart keinerlei Wucher zur gerichtlichen Ahndung gelangt, weil nicht nur Fälle von Wucher selten bekannt werden, sondern das Volk ״alle Fälle von Wucher hartnäckig verschweigt"; der Wucher wird aber ausschließlich von Juden betrieben. Giebt cs einen größern Widersinn? Wenn keine Wucherdelikte bekannt werden, wie kann man dann deren Vorhandensein apodiktisch behaupten? Es giebt vielleicht keinen forensischen Begriff, welcher schwieriger in concreto anzuwenden ist als Wucher; und da wagt man es, ohne die eingehendste Prüfung, welche lediglich durch die über alle Mittel einer erschöpfenden Untersuchung verfügende richterliche Autorität vorgenommen werden kann, von Wnchcrfällcn als über jeden Zweifel erhabener wirklicher Thatsache zu reden. Und man hat diese Kühnheit in demselben Augenblicke, wo man bekennen muß, daß man sich außer Stande sieht, irgend welche beglaubigte Fälle anzusühren, wo man selbst zu dem Zcugniß sich gezwungen sicht, daß das Volk von solchen Fällen überhaupt keine Kcnntniß haben will. Ans so vager Unterlage beruht die mehr als dreiste Behauptung, daß der Wucher ausschließlich von Juden betrieben wird. Der gar nicht vorhandene Wucher wird von Inden betrieben das ist der Keru des Berichts über den Wucher auf dem Lande in Hohcnzollcrn. Kann dieser Nonsens ernst genommen werden, und kann cs einer Vereinigung zu einem so bedeutenden Zweck, wie von dem Verein für Sozialpolitik angestrcbt wird, frommen, solchem Widersinn als Ablagernngöstättc zu dienen? Weit umfangreicher als die beiden vorigen Berichte erscheint derjenige des LaudtagSabgeordneten Fritz Schade in Altcnburg (Obcrhcssen) über den Wucher auf dem Laude im Großherzogthum Hessen. Herr Schade behauptet, daß der Wucher hauptsächlich von den Juden betrieben wird; ״der Jäger ist der Jude, die Treiber find die Judenschaft, das Wild ist der Bauer."') Er behauptet nämlich allen Ernstes, daß ״die Gemeinsamkeit der geschäftlichen Interessen ein festes Baud um die Jndenschaft schlingt, welches in seiner Wirkung ans den Bauernstand wenig von einer wirklichen, bewußten und geplanten Geschäfts- Verbindung sich unterscheiden dürfte."^) — Ihm gilt Seile 62. 2) Seite 63. 3) Seite 63. 4) Seite 64. ') Seile 77. -) Seite 76. 328961