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Jeschurun · 1887-09-08 · Heft 36 (8.9.1887) · p. 564

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 36 (8.9.1887)
Article
Pirqe avot
Date
1887-09-08
Page
564 (sequence 2)
Language
German
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Es sind diese: durch Lernen, durch richtiges Hören, durch geordnetes Sprechen, durch Verständniß, durch Verarbeiten des Verstandenen, durch angstlichen Ernst, durch Ehrfurcht, durch Bescheidenheit, durch Heiterkeit, (durch Reinheit?) durch Umgang mit Weisen, durch Anschluß an Genosscn, durch Besprechung mit Schülern, durch Bedächtigkeit, durch Kenntniß von Mikra und Mischna, durch Beschränkung in Geschäft, in bürgerlichen Angelegenheiten, in sinnlichem Genuß, in Schlaf, in Unterhaltung, in Scherz, durch Geduld, durch Gutmüthigkeit, durch Vertrauen aus die Weisen, durch Ertragen der Leiden. Er kennt seine Stufe, er freut sich mit sc in ein Theil, er setzt seinen Worten eine Schranke, er bildet sich aus keine Leistung etwas ein, er wird geliebt, er liebt Gott, liebt die Menschen, liebt das Wohlthun, liebt die Geradheit, liebt die Zurechtweisung, hält sich fern von Ehren, überhebt seinen Sinn nicht in seinem Lernen, giebt nicht gern Gesetzentscheidungcn, trägt mit an der Last mit seinem Nächsten und neigt sein Urtheil über ihn zum Guten, lehrt ihn den Standpunkt der Wahrheit, und lehrt ihn den Standpunkt des Friedens,- er befleißigt sich der Ucberlegung in seinem Lernen, er fragt und antwertet, hört und lernt zu. Er lernt, um zu lehren, lernt, um zu üben, er fördert die Weisheit seines Lehrers, faßt und behält genau, was ihm überliefert, sagt, was er von Andern gehört, im Namen dessen, von dem er es gehört. Du hast es ja gelernt, wer etwas im Namen dessen sagt, der es gesagt, bringt Erlösung der Wett. Denn es heißt:. Esther sagte dem Könige in Mordochais Namen. Drei Kronen, heißt cs oben Nbschn. IV, 13, giebt es, die Krone der הוות, des PricsterthumS und des Königlhums. Hier werden sie mit einander verglichen, und zwar hinsichtlich der דברים שנקנין בו. Dieses שנקנין בו kann nun nicht bei allen dreien in gleichem Sinne verstanden werden. Das Priestcrthum kann ja überhaupt nicht erworben werden, cs wird mit der Geburt erreicht. Auch das Königthnm ist iu erster Linie erblich; wenn der Sohn die Stelle des Paters nur in gewissenhafter Gottesfurcht ausfüllt, ממלא מקומו ביראה, so gehl die Königswürde aus ihn über. Die dreißig und viernudzwanzig מעלות, auf welche hier für 11 מלבות«b כהונה hmgcdeutet ist, und die für den König Sam. 1.9 und Sanhcdnn 16, a u. f., für den Priester aber 4. B. M. 18 ausgesprochen sind, sind keine geistigen und sittlichen Eharakleroorzüge, jonderu Prorogative, die mit der Königs- und Priesterwürde verbunden sind, es sind keine מעלות, durch welche, sondern die mit diesen Würden verbunden sind und zugleich mit ihnen erworben werden. - Die hieraber für die הורה ausgesprochenen achtttttdvierzig רברים sind geistige und sittliche Mittel und Tugenden, die Derjenige, welcher nach der Krone, der הורה strebt, zuerst durch Sclbstarbeit erringen und bethätigen muß, wenn er das 1»3״תורה erreichen will. ES sind Dinge, die er nicht zugleich mit der הורה als Angebinde er? reicht, sondern durch welche allein die Krone der הורה zu erreichen ruöglich ist. Wenn man will, so kann man sreilich auch sagen, daß die hier genannten geistigen und sittlichen Tugenden zugleich mit der הורה errungen werden, weil nur mit ihrem Besitze die Errungenschaft der הורה möglich ist בלימור, durch Unterricht. Die Kenntniß und das Verständniß der הורה bedürfen wesentlich der lebendigen Leitung und Unterweisung eines Lehrers, selbst nachdem die mündliche Ueberlieferung schriftlich niedergclcgt ist, kann sie des mündlichen Unterrichts nicht entbehren. בשמיעת אזן, richtiges, genaues und vollständiges Hören ist die erste Anforderung an den-Lernenden. Dieses richtige Hören schließt alle Flüchtigkeit, - alles Zerstreut- und durch andere Dinge Eingenommen- und Abgezogensein aus. בעריכה שפתים, ganz besonders ist sodann richtiges, genaues sprach- und denkrichtiges Ans sprechen des Erlernten von nicht genug zu schätzender Wichtigkeit. Ein solches Aussprechen ist ein Prüfstein des Gedankens und zugleich ein Mittel des Einprägens und Festhalten des Gedachten. WaS wir nicht klar und deutlich in Wort zu fassen vermögen, das wissen wir auch noch nicht klar und deutlich, und mündliches Wiederholen klärt und bcfcstigt das Gedachte. בבונה הלב, durch Aufmerksamkeit, eigentlich durch die Absichtlichkeit dcS HcrzeuS. Es muß dein Schüler daran liegen, das zu Lernende zu lernen, er muß sein ganzes geistiges Vermögen dahin richten, das Gelehrte zu lernen und zu behalten. בבינה הלב. Es darf ihm aber nicht genügen, das seinem Geiste Dargcbotene nur so wie cS ihm dargcdoten wird in sich aufzunehmcn, er hat das ihm Dargcbotene sich zum Begriff und Verständniß zu bringen, muß cs sich geistig verarbeiten. באימה ביראה. CS muß ihm aber die hohe Bedeutsamkeit dcS Gegenstandes und der Vermittelung stets gegenwärtig sein, durch die er z» dessen Kenntniß gelaugt. Es ist göttliche Offenbarung, aus deren Quell er seines Geistes Nahrung schöpfen soll, um dadurch sein ganzes denkendes, wollendes und vollbringendes Leben nach göttlichem Wollen zu gestalten, und cs ist göttliche Veranstaltung, die ihm durch schriftliche und mündliche Ueberlieserung den Born der Wahrheit eröffnet. Dieses Bewußtsein wird ihn mit der Sorge erfüllen, nicht durch Überschätzung seines geistigen Vermögens und durch seine Unzulänglichkeit verkennen-

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