Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1887)
- Article
- Der Verband der Thierschutzvereine des deutschen Reiches
- Date
- 1887-09-01
- Page
- 550 (sequence 4)
- Language
- German
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550 Bildung anpassen müssen, so müssen sie noch heute an Hexen und Zauberinnen glaube» und dürfen — ״btc־ selben nicht leben lassen." Was nun die Unwahrheit anbetrifft, die wir uns ״erkühnen" auSzusprcchen, daß das rituelle Schlachten durchaus als keine feste, bindende, religiöse Satzung zu betrachten ist, so scheint der Lerjasser der Gegen« Petition die Aussprüche von hervorragenden israelitischen Autoritäten, wie Dr. Meyer in Stuttgart, Süßkind, Loew, Zegrdin, Dr. Stein in Frankfurt am Main, I)r. Creuznach, Professor Graetz, BczirkSrabbiner Landsberg, Rabbiner Stern in Battenhausen, Dr. Rothschild in Alzei, sowie die Verhandlungen der Synoden zu Leipzig 1669, in Augsburg 1670, die Rabbinervcrjammlung in Philadelphia über die Verbindlichkeit des Schulchan-Aruch und des sich darauf stützenden SchächtgeboteS, nicht .zu kennen, sondern nur sein eigenes Urtheil als einzig maßgebend hinzustcllen. Für unS sind die Aussprüche dieser Männer doch wohl etwas maßgebender, als die des Verfassers der Gegen- Petition, von dessen Wahrheitsliebe wir unS so sehr zu überzeugen Gelegenheit hatten. Doch genug, meine Herren, mit diesen uns als Abwehr aufgedruugenen Richtigstellungen. Unser Stand- Punkt ist der: Bei der heute üblichen Art zu schlachten ergeben sich vielfache Mißstäude, die wir vom thierschützcrischcn Standpunkte zu bekämpfen haben, 1!m deren Abstellung durch Gesetz wir beim Reichstage petitionirt haben. Fällt darunter auch das rituelle Schächten der Israeliten, so können wir das, weil diese Werth darauf legen, bedancrn, können darum aber von unserer Bitte um gesetzlichen Schutz der Thiere auch in dieser Sache nicht abgehen und müssen es den dazu berufenen Instanzen überlassen, ob sie cS für nöthig erachten, Ausnahmebestimmungen für die 1,2 Prozent der Gcsamnttbcvölkerung dcS Deutschen Reiches, die sich zur israelititischen Religion bekennen, zu machen. Das ist unser Standpunkt, und dabei, meine Herren, bleiben wir." Der Verband der Thicrschutzvcreiue des Deutschen Reiches hat somit die Kühnheit, sich über den Ausspruch der aucrkanntesten Autoritäten zu erheben. £1׳ maßt sich ferner ein Urtheil darüber an, was nach dem jüdischen ReligwnSgcsctz erlaubt oder verboten sei und wer auf dem Gebiet des jüdischen Religiousgesetzcs als Autorität zu gelten habe. Den Kamps gegen die vom jüdischen RcligionSgcsetz gebotene Schlachtwcise scheint er fortsctzen zu wollen. Es ist gut, dieses zu wissen. Nachdem aber die Thierschutzvcrcine ihrer humanen Ausgabe so wenig eingedenk geblieben sind, daß sie sich zu einem Kampfe gegen das Judenthnm erhoben haben, dürste cö den jüdischen Mitgliedern der L'hierschutzvercine anstchen, aus diesen Vereinen auszutrctcn. Sic sind solches der Wahrung ihrer Ehre schuldig. Mcr mis der Gegkilmrl. Bon Friedrich Nott. ׳ " יי (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Der Knabe ward bald bleich, bald roth. aber er erwiderte nichts, er preßte im Gcgeutheil die Lippen sist auf einander, als er die leicht bebende Hand nach der Feder auSstrcckte, cs. war zum ersten Mal im Leben, daß cr aur Sabbath eine Feder in die Hand nahm. Den ersten Zeilen, die er schrieb, sah man eö an, daß sie mit zitternder Hand geschrieben waren; doch allmählich ward seine Hand scster, sicherer, und bald glitt seine Feder rascher über das Papier als alle übrigen Federn in der Klasse, denn Leopold Hcrzfcld war seinen Mitschülern in der Thal voran, und obgleich cr später begonnen, so war cr doch der Erste, der die Arbeit beendet hatte. ״Sie sind schon fertig, Herzfeld'?" fragte der Professor, als er sah, daß der Knabe die Feder aus der Hand legte. Ein leises, kaum hörbares Ja war die Antwort. Der Professor nickte ihm freundlich zu, aber er erschrak über die geisterhafte Blässe, die das sonst blühende Angesicht des Knaben bedeckte. Wie Rene übcrkam eS den Lehrer, er sah sehr wohl ein, daß er seine Bcfngniß überschritten hatte und daß er einen ernsten Tadel von dem Direktor zu erwarten hatte, wenn demselben sein Vergehen bekannt werden würde. Doch geschehene Dinge sind nicht ungeschehen zu machen, höchstens läßt sich die Wirkung abschwächcu. und während er noch sann, was sich im vorliegenden Falle thun lasse, ertönte die Schulglocke, als Zeichen, daß die Unterrichtsstunde zu Ende. Die Stille, die bisher gewaltet, machte im Nu einer geräuschvollen Bewegung Platz. Säituntlichc Schüler hatten sich fast gleichmäßig erhoben, ׳ hatten ihre Schularbeit überreicht und ihre Bücher und übrigen Schulrcqnisitcu zusanimcugcrafst, und in stürmischer Eile drängten Alle dem ÄuSgang zu. Nur Einer schritt lässig, wie träumend, zwischen den Drängenden, wäre cr nicht von Andern hinausgedrängt worden, cr hätte vernluthlich als dcr Letzte das Schullokal verlassen. Sein Schulnachbar, eben jener Kohn, der ihm so bereitwillig Heft und Feder geborgt hatte, schritt an seiner Seite, denn sie halten beide denselben Weg.