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Jeschurun · 1887-09-01 · Heft 35 (1.9.1887) · p. 548

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 35 (1.9.1887)
Article
Der Verband der Thierschutzvereine des deutschen Reiches
Date
1887-09-01
Page
548 (sequence 2)
Language
German
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548 ans und beschloß die Drucklegung und Verbreitung namentlich in den Kreisen, wo die Gegenpetilionen Berhrcitung gesunden haben. Der Bericht lautet: Meine Herren 1 Das Schicksal unserer Petition an dm Deutschen Reichstag, womit Sie Ihren Vorstand auf dem letzten Verbandslage beauftragten, das Tödtcn der Schlachrthierc betreffend, ist Ihnen wohl Allen schon bekannt geworden. Der Reichstag hat beschlossen, die Petition des Verbandes der Thierschntzvcreine des Deutschen Reiches dem Herrn Reichskanzler zur Erwägung zu überweisen, ob und auf welche Weise inSbesondere durch Abänderung dcS NeichsstrafgesctzbucheS den in der Petition geltend gemachten Mißständen entgczcnzutrctcn ist, insofern aber die Petitionen sich auf das jüdische Schächten beziehen, über dieselben zur Tagesordnling überzugehen. Hiermit hat der Reichstag sich unserer Petition angeschlossen, mit. Ausnahme der Sätze, welche das jüdische Schächten zum Gegenstände haben. Hierüber und über die dieselbe behandelnden Gcgcnpetilionen hat er kein Unheil abgegeben und weder den: ״Für" noch dem ״Gegen" das Gewicht seiner Unterstützung leihen wollen. Unsere Petition liegt also dem Herrn Reichskanzler und damit dem Bundesrathe zur Erwägung vor und dürfen wir uns einer eingehenden Prüfung versichert halten, ja wir dürfen uns der Hoffnung hingeben, daß auch die Seite, die der Reichstag zu beurthcilen abgelchnt hat, nicht unberücksichtigt bleiben und die Gesetzgebung des Deutschen Reiches nicht nach den Forderungen einer verschwindend kleinen Minorität zugeschnittcn werden wird. Hiermit wäre für uns der Gegenstand einstweilen erledigt und würde keine Veranlassung zu weiteren Erörterungen geben, wenn nicht die Gegenpetitionen dein! Reichstage bedauerlicher Weise dm Boden sachlicher Erörterungen verlassen und, abgesehen von Angriffen in der Presse, die wohl aus derselben Quelle stammen, unserer Petition geradezu Unwahrheit, Lüge und Entstellung Vorwürfe. Gau; mit Stillschweigen können wir darum diese Gegen- Petitionen nicht übergehen. Ihr Vorstand hat jedes Wort der Petition reiflich überlegt und hat für ihre Behauptungen die vollgültigsten Beweise in Händen und hält heute jedes Wort derselben voll und ganz aufrecht. Ucberhaupt ist ja die ganze Petition, selbst bis zu den gebrauchten Ansdrücken, nur das Endcrgebniß Ihrer Verhandlungen in Wien und Dresden. Zunächst bestreitet die Gegenpctition unsere Darstellung des Schächtaktcs, namentlich auch die Grausamkeilen, die bei der Vorbereitung dcS Viehes Vorkommen, wobei dieses gewaltsam geknebelt und gewaltsam zur Erde geworfen wird, wodurch oft schwere Verletzungen, Nippenbrüche, Abstößen eines Horncs rc., Vorkommen, als nicht den Thatsachen entsprechend, ״denn", so fahrt der Verfasser fort, ״jede derartige Verletzung würde das Schächten illusorisch und dm Genuß des Fleisches umnöglich machen". In der Thal eine merkwürdige Beweisführung! Für dm strengen Israeliten mag das Fleisch bei einem solchen — sagen wir Unglnckssalle — unbrauchbar werden, aber für die nicht israelitische Menge, für die der jüdische Metzger ja meistens mitschlachtct, ist cS noch immer gut genug, und darum der Schaden kaum anzuschlagen. Faktisch gründet sich unsere Darstellung der Borbcreitungen zum Schächten auf den Vortrag dcS heute leider durch unabwendbare Hindernisse nicht anwesenden Referenten in Wien, dcS Königlichen Gestütsdirektors Herrn Bauwerker, der bei dieser Beschreibung ausdrücklich hinznsetzte: ״für deren Nichtigkeit ich ihrem ganzen Umfange nach eintrete", ferner auf das Referat des HofstabSvercrinärs Herrn Sondermann in München, und, meine Herren, nicht minder ans das Probcschlachten. dem diejenigen von Ihnen, die in Wien anwesend waren, ja beigcwohnt haben. Daß auch in den israelitischcn Kreisen cS anerkannt wird, daß bei den Vorbercitnngcn cs ohne Thierqnälcrci nicht abgeht, davon zeugen die Anstrengungen, die von dieser Seite gemacht werden, darin Wandel zu schassen. Ich erinnere nur an das Zccha'schc Lcgcvcrfahren. Wie man dabei von ״nicht den Thalsachen entsprechend" reden kann, ist nnS unerfindlich. Ein ferneres kleines Unglück begegnet der Gegen׳ Petition bei folgendem Satze: ״Nun behauptet der Ver׳ band der Thicrschutzvcrcine, daß gegen die beim Schächten vorkommmden Quälereien und Grausamkeiten alle anderen Thicrguälercicu, waS Größe der Qual und Massenhaftigkeitm des Vorkommens betrifft, nur vcrschwindend seien. Das gerade Gcgcntheil entspricht auch hier der Wahrheit." Der Verfasser dichtet nnS hier einen Ausspruch an, «nt ihn bann als das gerade Gegenthcil der Wahrheit zu bezeichnen! Nirgendwo haben wir diesen Satz vom Schächten ausgesprochen, sondern die von Herrn Sondermann unter Ihrem besonderen Beifall in Dresden gesprochenen goldenen Wote haben wir in die Einleitung gesetzt und gesagt: ״es finden bei dem heute noch in Deutschland üblichen Schlachtbetriebe Quälereien und Grausamkeiten statt, die" n. s. w., also bei dem Schlachtbclricbe im Allgemeinen, nicht im Bcsondern beim Schächten. Der Verfasser hat sich also ganz nnnöthig ereifert. . Stände da nur Schlachten, so könnte man an eine Verwechselung, ein Verlesen mit Schächten denken, da aber deutlich Schlachtbetrieb steht, ist cS wirklich schwer, an ein Berschen zu glauben. Wie entspricht auch hier die Gegenpctition der Wahrheit?

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