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Jeschurun · 1887-08-18 · Heft 33 (18.8.1887) · p. 517

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 33 (18.8.1887)
Article
Die Versammlung zu Breslau am 5. und 6. Juli
Date
1887-08-18
Page
517 (sequence 3)
Language
German
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517 ״Dem ist sie Weisheit, dem Geschichte, Dem ist der NituS von entscheidendem Gewichte, Der forscht die Mischnah, jener die Tosscphta, (Sin Jeder hat heut' seine Spezies im'Geschäfte. Der ist ein großer Lexikönncr, Und Jener ist der alten Dichtung Gönner. Ob sie anch wandeln auf verschicd'ncu Wegen, — O, daß sic Alle fänden gleichen Segen! — Dem Talmud haben heute Ehre Sie gegeben, Nun müssen Sie anch streng talmndisch leben; — (Ich bitte, nicht zu sehr sich zu erschrecken, Ich wcrd' sogleich mich näher noch entdecken.) Halocho kebaßroi: Mit dem Letzten soll man gehen, Wenn gute Weine auf dem Tische stehen. Wir wollen spät erst heimwärts steigen, Wenn sich die Sonn' am Firmament wird zeigen, Gleich jenen Frommen, die in Bene-Brak Dereinst gezechet bis zum lichten Tag." Gicbt cs ein kläglicheres Schauspiel, als eine Gesellschaft von Männern, die als Rabbiner ihren Gemeinden gelten und von solchen Witzeleien sich erheitern lassen? Herr D1\ Nippner, selbst ein Mitglied dcS Nabbiuervcrbandes, hat übrigens den Geist des ״neuen NabbinatS" durch seine Rede besser und wahrer gekennzeichnet, als alle klugen und salbungsvollen Ansprachen iJr. JoülS cS vermögen. Da habt Ihr, Geineiuden Deutschlands, die Männer, die sich als Eure Führer gcrircn! ״In! Wein ist Wahrheit". — Kollege Nippner hat das eigentliche Wesen dcS BkeSlanerthnms, die Zerfahrenheit und Prinzipienlosigkeit, den Mange! au Ernst und Würde der Welt enthüllt. Von diesen Männern ist irgend welches Heil für das Indcnthnm nicht zn erwarten, das haben die beiden In.litagc zu BrcSlan erwiesen. Sic sind ohnmächtig und rathloS; eS mangelt ihnen das Berständniß und der rechte Willen und der rechte Ernst. Sie gedachten durch die Zusammenkunft diese Mängel zn verdecken. DaS Gegenthcil aber ist eingetrofsen. Etwas Traurigeres und Beschämenderes kann kaum geboten werden. (WerM Karl voll (Ocftmeidj in der ä'llMh im Inljre IM. iNach Notizen a!1S dcsscn Tagebuch und 1urf) :'lliszeichnuugcn in Hnndschrislcn.! (Schluß.) Während dcS Gespräches trat ein Mann ein, halb Zivil, halb militärisch gekleidet, mit einer großen Mappe unter dem Arm. ES war der kaiserliche Hofmaler. Er machte eine Verbeugung, sprach einige Worte in französischer Sprache, setzte sich der Männergruppe gegenüber, öffnete seine Mappe, nahm die nölhigcn Zeicheuutensilien heraus, und einen scharfen Blick auf den alt-ehrwürdigen Vorsteher DreysuS riehtcnd, begann er zn zcichncu. Der Sohn, Wolf DreysuS, ein pet fetter Weltmann, mcrftc sofort die Absicht des Prinzen und verstand es, seinen Vater deswegen so viel wie möglich in lebhaftem Gespräch zn erhalten. Indessen erkundigte sich der Prinz nach der Anzahl der jüdischen Familien EudingeuS, nach der Einwohnerzahl, nach den bürgerlichen Verhältnissen, Erwerbszweigen rc. So dauerte das Gespräch fort bis nach fünf Uhr. Vorsteher DreysuS schien, nach der Uhr schauend, schon etwas in Verlegenheit zu sein. Denn er sagte zu seinem Sohne Wolf ganz leise ״nwobako! 8e11a!1b08" (Sabbathentweihnng). Wolf mit seinem nngcnirtcn geschmeidigen Wesen erhob sich mtb wendete sich zum Prinzen: ״Kaiserliche Hoheit wollen gnädigst erlauben; cß ist Freitag, heute, Abends sechs Uhr, geht der Sabbath au. Mein Vater, als Vorsteher, ist gewohnt, als einer der ersten beim Gottesdienste zn erscheinen. Kaiscrl. Hoheit wollen daher gnädigst erlauben, unS zu verabschieden." Der Prinz hierauf den Maler sragend: ״Yous est-il pos.sibl(; ifachcvor iniiintenant?“ ״Sire, cncorc <jiiclr!ucs traits“ war die Antwort. Auf die Uhr schauend, bemerkte der Prinz: ״Ist erst fünf, wollen noch einige Minuten verziehen" und zum Vorsteher Dreyftiß sich wendend sagte er: ״Ich lasse Ihr ehrwürdiges Gesicht kopieren, ist bald geschehen." Dreysnß, hierüber etwas verlegen, rief erregt auS: ״Ew. Kaiserliche Hoheit!" — ״Seien Sie nitbesorgt", beschwichtigte der Prinz, ״so sehr Sic anch einem Herligcn ähnlich sind, so soll doch Ihr Bild eine solche Devotion nicht erfahren, denn nur zum Andenken will ich cS m'itnchmcn. Nun sei cS Ihnen erlaubt, sich zn entfernen. Beten Sie anch für uns!" Sabbath Mittag, als Michael DreysuS, der ParneS von Endingcn, mir seiner Familie und acht Orchim (arme fremde Gäste) zu Tische saß und bereits mit dem Mahlc fertig war, trat der Prinz mit feinem Adjutanten zn ihm in die Stube. Die ganze Gesellschüft erhob sich und entblößte das Haupt. ״Bin nicht gekommen, um zu stören, setze sich Jeder wieder ruhig hin!" sagte der Prinz mit einer leichten, freundlichen .Handbewegung. Er und sein Adjutant setzten sich. ״Nun, ehrwürdiger Großvater, stellen Sic mir Ihre Familie vor", sagte der Prinz. — ״Zn dienen, Kaiserliche Hoheit! dieses ist meine Hausfrau, jener mein jüngster, erst verheiralheter Sohn, dieses seine Frau rc.", cntgcgnete der Vorsteher. —

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