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Jeschurun · 1887-08-18 · Heft 33 (18.8.1887) · p. 515

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 33 (18.8.1887)
Article
Wucherische Ausbeutung des Landmanns
Date
1887-08-18
Page
515 (sequence 3)
Language
German
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515 Wir werden noch Veranlassung haben, auf diesen Punkt wiederholt ansmerksam zu machen, indem wir uns der Betrachtung der vorliegenden Berichte zuwenden. (Fortsetzung folgt.) k DtrsWUlnitz מן Breslau m 5. uud 6. Juli. (Lchlttß.'l Den Herren liegt aber kein Gedanke ferner als eben der einzige, durch welchen selbst sie noch zum Heile der Gemeinden wirken könnten: der Entschluß der aufrichtigen Rückkehr zum wahrhaften Iudcnthumc. Der viel gepriesene ״konservative Geist", von welchem die Herren Rabbiner angeblich jetzt beseelt sein wollen, hat mit einem solchen Entschlüsse absolut nichts gemein. Dieser konservative Geist besteht lediglich darin, daß die Herren den Augenblick nicht für opportun erachten, noch mehr von dem Iudcnthumc im Einzelnen zu ncgiren, als sic und ihre Vorgänger bereits ncgirt haben. Warum? Weil das Volk jetzt den! ehedem getriebenen Neformschwindcl gegenüber ganz indifferent ist. Dr. Oütil nennt dieses das Erlöschen der Religiosität und drückt sich in einem schönen ״Gleichnisse" darüber folgendermaßen ans: ״Wenn Einem sein HauS abznbrennen droht, so ist eS nicht an der Zeit, darüber zu bcrathen, ob er sein Sopha mit Plüsch oder mit Seide über־ ziehen, oder ob er die Zimmer mit Eichenholz- oder Mahagommöbcln besetzen soll, er suche vor Allem das HauS zu retten." Er stellt aber weitere Ncsorm für spätere Rabbiner- Versammlungen in Aussicht und zwar zunächst ans dem Gebiete des EhegesctzcS. sobald nur erst das erloschene Interesse für solche Reformsragen wieder bind; die Wirksamkeit der Rabbiner geweckt sein wird. Mit diesem ״konservativen (Leiste" ist cs darum eitel Humbug. Die Herren haben eben zur Zeit nichts mehr ״abzuschasfen", oder finden cS zur Zeit nicht angezeigt, ״Fragen der religiösen GcsctzeSpraxiS zu erörtern", wie sich Herr 0!-. IM ausdrückt. Sie stehen aber jammt und sonders im Gegensatz zum einzig wahren Iudcnthumc, dem zur Unterscheidung von der Reform orthodox genannten; und dieser Gegensatz ist sowohl ein theoretischer wie praktischer. Es kann dieses nicht nachdrücklich genug betont werden, damit durch die ostensible Hcrvorkchrung dcS ״konservativen Geistes", wie eS dort so gern gewünscht wird, sich Niemand über die wahre Gesinnung dieses neuen NabbinatS einer Täuschung hingcbe. Der wirklich geseheStreue Jude wird niemals Männer, welche Grundwahrheiten des Iudcnthums verleugnen und gewisse rcligionsgesetzliche Bestimmungen konstant übertreten, als Nabbitter und Lehrer dcS Judenthums aucrfcnncit können. Eine Versammlung von Männern, die im Gegensatz zum Iudenthum stehen, aber cS nicht für angczeigt hatten, zur Zeit offen für ihr destruktives Prinzip Propaganda zu machen, wird natürlich weder nach der einen noch der andern Seite irgend etwas beschließen können, da-S einen positiven Inhalt hat. Was darum am 5. und 6. Juli in BreSlau gethan ist, erscheint so lächerlich unbedeutend, daß man in der That den Mnth bewundern muß, welcher dazu gehört, mit einem solchen Nichts vor die Defsentlichkeit zu treten, ein Mnth, welcher nur von der Kühnheit überboten wird, eine solche Leistung als ein, gedeihlichcS Heit in seinem Schoße bergendes Resultat anzuprcisen. Ein hervorragendes Mitglied dieser Versammlung, welches bezeugt, daß die meisten Theilnehmer mit pessimistischer Auffassung nach Breslau gegangen sind, bcscheidct sich denn auch gern damit, daß die Herren ״sich gefunden haben" und den Glauben an die Znkunst des Rabbinerverbandes als die Frucht des Beisammenfcinö mit nach Hause nehmen. Es zeugt dieses wirklich von einem sehr genügsamen Sinn. Wer sich eines solchen nicht rühmen kann, wird aber hier einen neuen eklatanten Beweis der totalen. Unfähigkeit der Ncsorm erkennen, irgend etwas Positives, und sei es auch nur eine Resolution positiven Inhalts, hcrvorzubringen. Die Herren kennen ihre Gemeinden und wissen, daß sie denselben mit neuen Reformen nicht kommen können, wcil diese deren längst überdrüssig und Dank der fünfzigjährigen Wirksamkeit dcS ״neuen NabbinatS" in einen Zustand der Lctargie versunken sind, ans welchem sie nur durch die Verkündigung der einzigen jüdischen Wahrheit geweckt werden können. Die Herren mühten mit der Rcjorm an sich beginnen, müßten sich mit dem Geiste der jüdischen Wahrheit erfüllen und darum vor Allem mit der eigenen Vergangenheit brechen. Was haben die Gemeinden für ein Interesse daran, daß die Herren sich in BreSlau gefunden und den Glauben an ihren eigenen Bestand dort geschöpft haben wollen? Die Gemeinden nehmen die nach pomphafter Rede verkündeten Beschlüsse zur Hand und gewahren, daß man ihnen eitle, windige Phrasen bietet, mit denen sic schon seit einem halben Jahrhundert von den Nesormrabbinern abgcspeist werden. Der erste Beschluß tautet: ״Die Versammlung erklärt sich prinzipiell damit einverstanden, daß in allen größeren Städten die Bildung von JünglingS-FortbildnngS-Pereinen angestrebt werde."

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