Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1887)
- Article
- Die Versammlung zu Breslau am 5. und 6. Juli
- Date
- 1887-08-11
- Page
- 506 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2932755-2932787-2936201--25710-2936249- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
506 Beobachtet die Satzungen des JudenthnmS in eurem häuslichen und geschäftlichen Leben. Entfernt anS euren Tempeln den unjüdischen Kultus. Lernt das Judenthum kennen, ftnbirt es fortwährend, lehret eure Kinder, erziehet sie in der alten gewissenhaften Treue. Wir wollen euch in Allem mit gutein Beispiel vorangehcn, wollen euch helfen und unterweisen, daß wir Alle wieder werden, was unsere Großeltern und Urgroßeltern gewesen: ernste, treue, begeisterte Juden. Wie sie unter den schwierigsten äußern Verhältnissen sich als solche bewährt, so lasset uns ihrem Beispiele folgen unter deu glücklicheren der Gegenwart. Wahre Bildung und Wissenschaft können Hand in Hand mit wahrer jüdischer Gewissenhaftigkeit und Treue gepflegt werden. Ermannet euch mir unS zu dieser Reform unseres Lebens und begründet dadurch das wahre Heit der Zukunft. Mit einer solchen Erklärung hätten sie ein Großes geleistet und würden die Wohlrhäter ihres Volkes werden. Ein solches offenes Bckenntniß würde eine Begeisterung im Kreise der Gemeinden Hervorrufen wie zu EsraS Zeit, da er sein im Namen des Volkes abgelegtes unsterbliches Bekcnntniß. schloß: ד, אלדי ״ ישראל צדיק אתהGott, Gott Israels! Du bist gerecht, denn wir sind erhalten worden bis zu diesem Tage — wir aber stehen heute vor Dir mit unserer Verschuldung!" Da sammelte sich um ihn die Menge des Volkes — Männer, Frauen und Kinder — und sie ermannten sich znr vollen Rückkehr zu Gott und seinem heiligen Gesetze und legten einmüthigen Herzens das Gciöbniß ab: כן בדברך עלינו לעשות ,.So soll eS sein! UnS liegt cs ob zu thun nach Deinem Worte!" (Schluß folgt.) Wlrm Kar! uon Ocßmtilh in der AöjVch itn Jahre 1707. lNach Notizen aus dessen Tagebuch und nach Aufzcichnnngeu in Handschriften.) Es war im Sommer 1797, als Erzherzog Karl von Oesterreich die Franzosen bei Stockach besiegte und sie über dm Rhein nach der Schwei; vertrieb, da drang er dann mit seiner Armee dem Feinde nach bis an die Schweizer Berge und setzte sich zwischen der Linnnar und der Aar nieder. Bei dieser Gelegenheit kam das Hauptquartier nach Endingen, dem sogenannten damaligen schweizerischen Ghetto, wo allein in der Schwei; dazumal Inden wohnen dursten. Der Ort liegt in einer idyllisch schönen Thatschlucht, und obschou drei Konfessionen, Inden, Katholiken und Protestanten das Dorf bewohnen, so hat dasselbe weder Kirche noch Pfarrhaus, und das schönste monumentale Gebäude daselbst ist die Synagoge. Die meisten Bewohner besaßen nur einfache, niedere Häuschen, und nur die besseren jüdischen Familien hatten schöne, massiv gebaute, große, geräumige Häuser. Unter diesen ragte vor allen die des Gemeindevorstehers Michael-Trins- Drcyfus und seines Sohnes Wolf D'rcyfus hervor. Selbstverständlich wurden dieselben alsbald von den höchsten Offizieren in Besitz genommen, und so kam cS, daß Erzherzog Karl in jenem des Vorstehers Michael DreyfnS und Erzherzog Ferdinand in dem Hause dcS Wolf Drcyfns Quartier nahmen. Michael DreyfnS war eine ehrwürdige Gestalt, hochgewachscn und ungeachtet seiner etlichen siebzig Jahre noch vollkommen aufrcdjtcr, gerader Haltung. Sein silberweißes Haar und sein schneeweißer, bis auf die- Brust walleiider Bart, seine treuen, lebhaften Augen, die rosenrotheu Wangen und Lippen wie der sreundlichc Mund gaben der ganzen Erscheinung ein außergewöhnlich ehrwürdiges, imposantes Aussehen. Der Mann war auch wirklich von acht jüdischem Charakter nach altem Schlage, tren, offen und wahr. Sei» Sohn Wolf, ein Vierziger, war dem Vater sehr ähnlich. Im Umgang mit den höheren Ständen HclvetienS und den adeligen Gutsbesitzern dcS Landes hatte er sich eine feinere Bildung ungeeignet, so daß seine freie körperliche Bewegung, seine Präzise, ansdruckSvollc Sprache, wie überhaupt seine ganze edle Haltung und Physiognomie Jedwedem Achtung einstößtcn. Wolf DrcyfnS war daher dazumal schon der VcrtrauenSmcum der helvetischen Negierung und von der-׳- selben zu manch wichtigen Geschäften hcraugezogen. Dieser vielbeschäftigte Manu fand erst Freitag Mittag Muße, seinen Vater zu sprechen. ״Elte! (Vater) wer meinst du wohl, daß bei mir logirt?" ״EppeS, ein hoher Osfizicr!" ״Ja, ein sehr hoher Offizier! dcS Kaisers Bruder, Erzherzog Ferdinand." ״Ei, so! und wer bei mir?" ״Der Erzherzog Karl, Oberst Fcldmarschall. Ich habe meine Aufwartung bei ihm schon gemacht. Du mußt Deine Aufwartung auch bei Deinem Gaste machen. Ziehe Dich an, um drei Uhr wollen wir hinausgchen." ״Aber ich weiß mit solch hohen Herren nicht zu sprechen/' ״Je freier und ungezwungener man mit Hoheiten spricht, desto besser ift's. Benimm Dich nur so, wie wenn Du beim Landvogt in Baden wärst. Jetzt gehe ich nach Hause und komme dann Nachmittags wieder." Zur seflgesetzten Stunde war Michael festtäglich angckleidet. Haarc wie Bart waren fein geordnet, um den Hals ein weißer Shaw! mit Spitzen besetzt, eine prachtvolle weiße bordirte AtlaSweste, schwarze Sammt-