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Jeschurun · 1887-08-11 · Heft 32 (11.8.1887) · p. 505

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 32 (11.8.1887)
Article
Die Versammlung zu Breslau am 5. und 6. Juli
Date
1887-08-11
Page
505 (sequence 1)
Language
German
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M 32. 505 Jeschuru«! Die 5lnfni11ii1!111111!11 Aes>« «111 5. nd «. AN. (Fortsetzung.) Der elegische Ton, den Herr Dr. Joäl mit der Schilderung dcS ״Martyriums״ angeschlagen, weicht adcr bald einer hoffnungsvollen. Stimmung. Ob diese jedoch eine ächte, aus dem zuversichtlichen Vertrauen in die sicgcsgcwisse Kraft der von dem ״neuen Nabbinate" bekannten Religion und gepflegten ״wissensch östlichen Theologie", auf dem Boden des von il)m ״erkämpften" ״NechtS auf weltliche Bildung und freie wissenschaftliche Forschung" fluni־ inende ist, das dürfte doch wohl sehr zu bezwciscln sein. Der Redner hat einen Traum — ״isl's ciu Traum, so ist cS ein vernünftiger Traum," ruft er aus, — ״daß den jetzigen Nabbineroersammlnngcn eine Dclegirtenvcrsammlung von Vorstehern folgen wird, die sich gewisser Zustände, die der Abhülfe bedürfen, erbarmen werden." Ist das nicht die vollendetste Nesignation, das ausgesprochenste Bekenntnis) des eigenen Unvermögens? Wie sollte auch ein so einsichtsvoller Mann, wie Herr Dr. 30ül, sich der horrmden Täuschung hingeben können, von dem in diesem ״Rabbincrverbande" vertretcnen ״Nabbinate" irgend etwas zu erwarten? Er widmet dem ״alten Nabbinate" einen Nachruf, der mit dem Worte schließt: .,Ja. das alte Nabbinat ging unter, schön wie ein Sonnenuntergang, etwa wie cinft das Gaonat crlojch." Das an seine Stelle getretene ״neue Nabbinat" aber ist ein todtgeborcnes Wesen, dem niemals ein .lcbeuSsähigcr Keim innegewohnt. Der Präsident der Vreslaucr Versammlung erkennt an, daß diejclA aus Mänmrn besteht, ״die in Bezug aus ihre religiöse Farbe verschiedene Bezeichnungen bekommen würden" und da sollte er von diesem neuen Nabbinate im Ernst etwas erhoffen mögen? Herr I)!׳. Joöl wird zugeslchen. daß keiner der Herren Vcrbandsmitglieder dem orthodoxen Jndcnthumc angchört; alle sind Nesormcr und doch nicht einig über das eigentliche Wesen und den eigentlichen Inhalt der von ihnen zu lehrenden und zu bethüligenden Religion. Sie können ״Fragen des Ritus und des Kultus" nicht behandeln, sie müssen sich ״aller einschneidenden prinzipiellen Fragen enthalten," und da sollte ein Mann wie IM Joä! von einem solchen ״Nabbinate" irgend etwas Anderes, als eine immer größere Zerfahrenheit und Verwirrung, als eine immer wachsendere Gleichgültigkeit gegen das Jndenthum in den Gemeinden erwarten? Da wirkt das ״neue Nabbinat" seit fast einem halben Jahrhundert und kann das Zugeständniß nicht zurückhalten, daß unter seiner Herrschaft nicht nur die praktische Erfüllung des jüdischen NeligionsgesctzcS, sondern der religiöse Sinn überhaupt in bedenklichstem Grade im Schwinden begriffen ist, so zwar, daß der ossiziellste Vertreter desselben ein vollständiges Erlöschen der Religiosität in Aussicht nehmen muß, und da dämmert bei den Herren von dem neuen Nabbinate nicht einmal der Gedanke auf, ob sie eS nicht sind, welche diese entsetzliche Ncligionslosigkeit erzeugt und befördert haben. Was die wahrhaft einsichtigen und von dem Geiste des Judenthnms wahrhaft erfüllten Männer längst vorausgesehen, ist eingctrosscn. Die Reform, d. h. die Sanktionirung dcS Abfalls, führt zur vollendetsten Religionslosigkeit. Wenn heute in einem Kreise von Vertretern des neuen Nabbinats eiugestandcn werden muß, daß die Gleichgültigkeit gegen alles Religiöse so groß ist, wie Herr IM Joäl audcntet, dann hat sich dieses neue Nabbinat selbst das Urthcil gesprochen. Es ist alles eitel Phrase, was zur Beschönigung des Abfalls vorgcbracht worden ist und heute noch vorgebracht wird. Mit dem NcformknltnS, mit der freiem Auffassung, mit der wissenschaftlichen Forschung und mit allen sonstigen Stichwortcn des neuen Nabbinats ist das Volk um sein Heiligstes und ThcuersteS betrogen worden, ist ihm die Religion abhanden gekommen. Von unserer Seite ist dieses längst erkannt worden; jetzt hat cs die Eröffnungsrede des Präsidenten der Breslauer Versamiulung ausdrücklich bestätigt. Wenn es den Herren vom Verbände deutscher Rabbiner wahrhaft Ernst wäre, ihre Gemeindcn zum wahren Jnduithume zurückzusührcn und das erloschene Bewußtsein von der Pflicht, die einem jeglichen Inden obliegt, in dem Herzen ihrer Gemcindcmitgliedcr zu wecken, dann müßten sie vor Allem selbst zum alten, wahren, einzigen Jndemhnm znrückkchren und ihren Gemeinden in der Heiligkeit eines jüdischen Lebens- Wandels voranlenchten, wie solches von den allen Nabbincrn bcrhätigt wurde. Sie müßten vor die Gemcindcn mit der feierlichen Erklärung hintreten: Wir Rabbiner und Lehrer haben gefehlt, wir pub unseres IrrthnmS innc geworben. Wir haben nunmehr cingesehen, daß nur in der Anerkennung dcS ganzen JudenthmnS und in der gewissenbaften Erfüllung aller seiner Satzungen der jüdischen Pflicht Genüge geleistet wird. Wir geloben, fortan in diesem Geiste zu wandeln und fordern euch aus, uns zu folgen. Wie wir unS fortan als gewissenhafte Juden in Gesinnung und That bewähren werden, also beschwören wir euch, ein Gleiches zu thun. Haltet den Sabbath heilig, nicht durch Besuch der Synagoge allein, sondern durch Einstellung einer jeden Thätigkcit, die das Judcnthum für diesen Tag untersagt. Enthaltet euch eines jeglichen von dem Judcnthum verpönten Genusses in Speise und Trank.

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