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Jeschurun · 1887-08-11 · Heft 32 (11.8.1887) · p. 503

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 32 (11.8.1887)
Article
Bilder aus der Gegenwart
Date
1887-08-11
Page
503 (sequence 2)
Language
German
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503 und fromm gewesen sind, wird dazu beitragen. Dich immer auf dem rechten Wege zu erhalten. — Darum will ich Deinem Borhabcn, in die Großstadt zu gehen und Dir dort einen Posten zu suchen, bei dem Du, wie Du eS von Hause aus gewöhnt bist, am Sabbath ruhen kannst, nicht hindernd in den Weg treten. — Damit Du aber doch nicht so ganz verlassen in der Fremde bist, will ich Dir einen Brief mitgcbcn an den Bruder meiner seligen Frau, der in der Residenz wohnt, und will ihn ersuchen, Dir cm Bischen zur Hand zu sein mit Rath und That, hofstutlich wirst Du so rascher ans Ziel kommen." ״Ich danke Dir, lieber Onkel, Du bist sehr, sehr gütig." Der Onkel!nachte eine abwehrende' Bewegung. ״Laß gut sein, Kind — Dank bist Du mir nicht schuldig. — Ich wollte, ich könnte in Wirklichkeit etwas thun für meines Bruders Sohn — aber — Du kennst meine Verhältnisse, ich bin ein alter schwacher Manu, meine Mittel reichen nicht so weit wie meine Wünsche. — Ganz ohne Mittel bist Du allerdings auch nicht, aber Deine Mittel sind sehr beschränkt — Dein ganzes Vermögen beträgt 180 Gulden, damit kann man keine weiten Sprünge machen, namentlich in der Großstadt, wo Alles drei Mal so theuer sein soll als hier." ״Vielleicht gelingt cs mir, bald ciucn Posten zu finden — jedenfalls werde ich sehr sparsam sein." ״Das ist auch nothwendig. Ich werde Dir fünfzg Gulden mitgcbcn, davon kannst Du die Reise bestreiten und auch wohl, noch einige Wochen leben; gelingt eS Dir in dieser Zeit nicht, einen Posten zu erlangen, so wird mein Schwager Dir das Reisegeld vorstrecken, damit Du zurückkonnucn kannst. — Wann beabsichtigst Du zu reisen?" ״Je eher, je lieber. Ginge es nicht heute noch?" ״Warum nicht gar! das wäre doch in Wirklichkeit Hals über Kopf. Du hast doch Deine Sachen zu ordnen und zu packen, und ich muß den Brief an meinen Schwager schreiben. — DaS Alles geht doch nicht so rasch." ״Also reise ich morgen." ״DaS läßt sich schon eher reden, bis morgen kannst Du mit Allem wohl zu Stande kommen — obgleich — Du hast doch auch einige Abschiedsbesuche zu machen." ״Das ist wahr. Nun. ich gehe sogleich an die Arbeit, zuerst bringe ich meine Effekten in Ordnung und dann mache ich die Besuche. — Also, lieber Onkel —" Er stand auf und reichte dem Onkel die Hand. ״Ich sage Dir meinen herzlichsten Dank für Deine Zustimmung und für Deine freundliche Absicht, mir ein Empfehlungsschreiben an Deinen Schwager mitzugebcn." Der Alte drückte die dargebotene Hand. ״Ich wollte, ich könnte Dich zurückhalten — Du wirst mir fehlen, Adolf — weiß der Himmel, Du wirst mir fehlen. — Aber wenn Du in Wirklichkeit morgen abreisen willst, dann ist eS Zeit, daß Du Dich au. die Arbeit machst — denn heute Abend rechne ich aus Dich, hörst Du? Martha muß uns einen Abschiedsschmaus zum Besten geben, Theodor und Eduard sind heute in ihrem Klub, da wird eS hier recht gemüthlich sein." ״Werde nicht verfehlen, mich rechtzeitig einzustellen," erwiderte Adolf und verließ grüßend das Zimmer. Der Onkel blickte ihm tief aufathmend nach. ״Schade um den trefflichen Jungen! — wirklich Schade, daß er fortgeht." ״Warum lassest Du ihn gehen?" sagte Martha vorwurfsvoll, ״ohne Deine Zustimmung würde er es nicht thun." ״Aber was soll er hier anfangen; es e^istirt hier kein größeres Geschäft, das am Sabbath geschlossen ist." Martha zuckte die Achseln. ״Ach was, daö sind Schrullen, natürliche Folgen der übergroßen Angst und Ansrcgung. Laß nur einige Tage vorüber sein, da wirst Du sehn." Der Alte schüttelte den Kopf. ״Du kennst ihn schlecht, er ist wie sein seliger Vater, ganz wie mein Bruder." Das junge Mädchen kräuselte spöttelnd die Purpurrippen. ״Du bist zu schwach, Vater, das ist's." ״Ich bin zu schwach — Du hast Recht — das ist'S. Aber nicht gegen deu trefflichen Jungen, den Adolf — gegen den nicht. Aber gegen meine eigenen Söhne — leider — leider — sie sind mir über den Kopf gewachsen — wenn sie so wären wie ec." Schmerzlich seufzend feufte er sein Haupt tief auf die Brust. Die Tochter blickte mit einem gewissen spöttischen Lächeln zu ihm hinüber, er hatte zuweilen dergleichen Anfälle, wie sie es nannte. Viertes Kapitel. Adolf war inzwischen in heiterster Stimmung hinausgceilt in sein Stübchen, das unmittelbar unter dem Dache sich befand. Er fühlte sich so froh, so leicht, blickte mit solch hoffnungsvoller Freudigkeit in die Zukunft; daß der Onkel so rasch seine Zustimmung gegeben hatte, betrachtete er als ein ganz besonders glückliches Zeichen, das hatte er nicht zu hoffen gewagt. Vor wenigen Wochen, als sich die Unmöglichkeit herausgestellt hatte, in der Heimarh für seinen Neffen eine Stelle zu-finden, bei der derselbe den Sabbath hatte halten können, hatte dieser bereits den Wunsch geäußert, in der Fremde sein Glück zu versuchen; damals

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