Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1887)
- Article
- Die neueste Kulturkampfdebatte im Aargauischen Großen Rath
- Date
- 1887-08-11
- Page
- 501 (sequence 2)
- Language
- German
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501 des Menschengeschlechts nicht in Betracht und kann jedenfalls nicht strafbar sein. Dagegen möchte ich ans andere Verhältnisse Hinweisen, in'denen wirklich strafwürdige Thiergnälerci getrieben wird, die der Thierschutzvercin leider gar nicht zu beachten scheint, sonst würde er seine Zeit nicht mit der unnützen und nngerechtfertigten Agitation gegen das Schächten vcrgeiiden. Was ist das für eine abscheuliche, Mitleids׳ lose Behandlung, die sich Kinder gegenüber Käfern und Schmetterlingen erlauben. Schaue man einmal nach, was sich in den Votanisirbnchsen und in den Schachteln der Schüler und Schülerinnen findet, welche zu einer ebenso unnützen als grausamen Sammel- und Zerstörungswuth aufgcftacheli werden. Tagelang lassen sie die ausgespießten Insekten an den Nadeln zappeln. Und was treiben, oft bei Viehmärkten und sonst im Verkehr mit den Zng< und Milchthicrcn die Erwachjenen für Thiergnälerci? Da wird im größten Sonnenbrand — wie in der bittersten Winterkülte, das Vieh .im Freien stehen gelassen, indcß sich der Führer beim Schoppen wohl sein läßt. Und erst beim Transport von Schlachtvieh, insbesondere Kälbern, was für schcnßliche thiergnälerische Manipulationen tommen da fast regelmäßig vor. Bon den Schafwagen und den darin sozusagen lebendig eingepöckeltcn Thieren will ich nicht reden. ES ist etwas zur Abhülse gcthan worden, aber noch lange nicht Alles, noch lange nicht einmal genug zur Beseitigung der rohesten Mißbräuche, für welche cS gar keine Entschuldigung und keine Nothwcudigkcit gicbt. Ich weise den Thicrschntzvcrein wiederholt ans solche Angelegenheiten hin als ans passende Gebiete seiner Thütigkeit und wünsche sehr, daß derselbe die Inden ruhig weiter schachten lasse, wie die humanen Staaten unserer Nachbarschaft inögesammt. Herr Präsident, meine Herren! ES ist zu bedauern, daß in unserer Versammlung gegen die Glaubwürdigkeit von wissenschaftlichen Autoritäten ersten Ranges Einwcndüngen erhoben wurden, wie wir sie heute gehört. Wer verdient dann schließlich Glauben? Und was wird man anderwärts über nnS und über den Grad unserer BclehrungSfähigkcit denken, wenn wir nnS um die Gutachten der berufensten Vertreter der Wissenschaft nicht kümmern sollten? Ich will nicht wiederholen, was von den Herren Jäger und KcllcrSbcrgcr, die in Baden Gelegenheit haben, über daS Schächten Beobachtungen und Vergleichungen avzustellen, überzeugend mitgctheilt worden ist. Aber Sie gestatten mir, daß ich Ihnen sage, was ich in der zentralen Schlachtanstalt in Paris gesehen habe. In jener Anstalt, die eine kleine Stadt für sich auSmacht, wird täglich zahlreiches Großvieh geschächtct — und zwar nicht einzig für die Juden. Der Direktor, der mit allen Schlachtmethodcn und mit den neuesten Apparaten Versuche machen ließ und genaue Vergleichungen anstellte, erklärte mir, daß keine der altern und neuern Methoden und Apparate ihren Zweck besser ecsülle, als das Schächten. Speziell über die Raschheit und Zuverlässigkeit des Verfahrens ist man in Paris hoch befriedigt, und Niemand fällt cS ein, darin eine Thierqnälerci zu vermnthcn. Ucbcrdies wird in der Pariser Schlachtanstalt das sämmtliche Kleinvieh.׳ Alle Schafe, Kälber, Ziegen re. anSschließlich durch den radikalen Halsschnitt getödtct, also geschächtct. Herr Präsident, meine Herren! Ich will der Allsforderung unseres Präsidiums Nachkommen und Sie nicht lange mehr anshaltcn. Daß ich ans Uebcrzcugung zu demjenigen stimme, waS Ihnen von den Herren KcllcrSbcrgcr und Jäger beantragt ist und was sowohl der wissenschaftlichen Auffassung, als der Billigfeit gegenüber unfern israelitischen Mitbürgern entspricht, werden Sie nach dem Gesagten begreifen. Ich bitte Sie schließlich, nicht eine Schlnßnahme zu treffen, die einem Theil unserer Mitbürger eines der wichtigsten Nahrungsmittel, das Fleisch, ungebührlich vcrthenert, ohne irgend Jemand im Kanton einen Nutzen zu bringen. Ich erinnere Sie auch an die sanitärische Seite dcS jüdisch rituellen SchlachtenS, die Herr Jäger bereits angedentct hat und in die ein Beschluß nach dem Antrag des Herrn Jenny einen unverantwortlichen Eingriff bildete — und endlich daran, daß ein Verbot dessen, was rings lim uns herum alis gliten Gründen gestattet ist, den Stempel der Lächerlichkeit tragen würde. Herr Gerichtspräsident i.)r. Brentano — der leider bei der Unruhe im Saale für den Berichterstatter theilweise nicht verständlich ist, sprach: Herr Präsident, meine Herren! Als Mitglied Ihrer Kommission für die Begutachtung der Petitionen in Sachen dcS Schach« tcns gestatten Sic mir ein kllrzcs Wort. Ich würde nicht gesprochen haben, nachdem ltnfcr Berichterstatter, Herr Nationalrath Isler, so vorzüglich die Ansfassnng der Mehrheit der Kommission dargelegt hat. Aber nachdem unser Antrag von allen Seilen bekämpft wird, von Herrn Jenny in beiden Richtungen lind von den andern Rednern mit 1(ל iUffid)t ans den zweiten Theil, so ist es doch am Platze, daß ich Ihnen sage, wie wir dazu gekommen sind, beide Anträge so zu stellen. Ich bin durch die Verhandlung und dlirch die Gutachten der größten Autoritäten belehrt und überzeugt, daß wir es beim Schächten nicht mit einem Akt der Thiergnälcrci zu thun haben. Jedenfalls hat Herr Jäger sehr Recht, u'cnu er sagt, daß lvir nicht das Schächten verbieten dürfen, so lange wir die Jagd gestatten müssen; denn cs gicbt sa wohl in der That keine größere Thiergnälerci, als diejenige, die den Rehen, Hasen und den übrigen Jagdthiercn angethan wird, voll den gehetzten Hunden gar nicht zu sprechen. Herr Ständcrath KellerSbcrger hat Ihnen andere Arten