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Jeschurun · 1887-08-04 · Heft 31 (4.8.1887) · p. 487

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 31 (4.8.1887)
Article
Bilder aus der Gegenwart
Date
1887-08-04
Page
487 (sequence 1)
Language
German
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487 Mer MS der (*kprourt. Von Friedrich Rott. (׳.'Iachdnl<k vcrdotcn.) (Fortsetzung.) Drittes Kapitel. Langsamen Schrittes begab er sich in die Wohmuhj seines Onkels. Er traf die Familie beim Speisen. Mit dem in jener Gegend üblichen Wunsche: ״Wünsche wohl zu speisen" trat er in das Zimmer. ״Danke schön," cntgegnete einer der beiden Söhne, sein Onkel aber rief ihm ein höchst verwundertes ״Willkommen!" zn. ״Aber was giebt'S denn Neues, Adolf?" fuhr er fort, ״wünscht man Dir wohl zn speisen, oder wohl gespeist zu haben?" Adolf erröthete. ״Wie meinst Du das, lieber Onkel?" ״Das ist doch sehr einfach, ich frage, ob Du schon gegessen hast." ״Nein," erwiderte der junge Mann. ״Martha," wandte sich der Onkel an seine Tochter, ״bringe noch ein Gedeck für Deinen Vetter, llnd Du, Adolf, setze Dich zu Tisch und iß." Die beiden Söhne des Onkels, um mehrere Jahre älter als Adolf, arbeiteten als Kommis in einem Bankgcschast, das MittagSessen nahmen sie gewöhnlich im Hause ihres Vaters ein, während die jungen Leute in HerzfcldS Geschäft bei diesem auch die Kost hatten. ״WaS verschafft uns denn heute das Vergnügen, Dich zu dieser ungewohnten Stunde bei nns zu sehen?" fragte der alte Wollner. ״Soll ich rathen?" rief der jüngere Sohn, ״ich wette, Adolf hat seinen Posten verloren wegen des gestrigen Brandes; inan sagt, er habe ihn verschuldet." ״DaS ist nicht wahr!" rief Adolf erregt, ״Herr Herzfcld selbst ist überzeugt von meiner Unschuld, und hat ausdrücklich gesagt, daß cS ihm sehr unangenehm wäre, wenn ich so Knall und Fall anStrctcn würde." ״Demnach war doch die Rede von Deinem Austritt?" ״Ich bin ausgetreten, weil ich anStrctcn wollte, nicht, weil man mich beschuldigt, den Brand verursacht zu haben, denn sowohl Herr Hcrzseld als alle seine Leute wissen, daß dieses nicht der Fall ist." ״Aber weshalb bist Du denn ausgetreten?" rief sein Onkel ärgerlich. Einen Augenblick zögerte Adolf mit der Antwort, die Gegenwart seiner Vettern war ihm besonders peinlich bei dieser Erörterung, doch als der Onkel ungeduldig die Frage wiederholte, berichtete er ohne weitere Umschweife den Sachverhalt. Die beiden jungen Lcnte brachen in ein schallendes Gelächter ü,w; in* alt-׳ Wollner runzelte mißbilligend die Stirn. ״Du hast unvernünftig gehandelt, Adolf, sehr unvernünftig, Du weißt, wie schwer eö halt, einen einigermaßen guten Posten zu erlangen." ״Aber so hört doch endlich auf mit eurem Gelächtcr," wandte er sich an seine Söhne. ״Theodor! Eduard! hört auf, sage ich, man kann ja sein eigenes Wort nicht verstehen." ״Nein, das ist zn naiv," ries Eduard noch immer lachend, ״bci Gott! das könnte man ins Postbüchcl geben." Theodor sagte nichts, aber er hielt sich die Seiten vor Lachen. Adolf blickte unverwandt auf den Teller, den seine Kousine vor ihn hingcstellt hatte. Sic blickte ihn mitleidig lächelnd an. ״Iß nur jetzt," sagte sic, ״ich kann eö mir sehr wohl denken, daß die furchtbare Angst, die Du gestern anSgcstandcu hast, noch heute in Dir nachzittert." ״Der Ansicht bin auch ich," sagte ihr Vater, ״aber Di! hättest in dieser leicht erklärlichen Erregung keinen Entschluß von solcher Tragweite fassen dürfen; als unmündiger Knabe bist Du nicht einmal berechtigt dazu. Das wird Herr Hcrzfcld auch einschcn, und da er, wie De! sagst, Dich auch ungern entlassen hat, so wird cS mir ein Leichtes sein, ihn zn bewegen, Dich wieder aufznnchmcn, nachdem Du etwas ruhiger gcworden sein wirst; ich werde noch heute mit ihm darüber sprechen." ״Bemühe Dich nicht, lieber Onkel," cntgegncte Adolf, dessen Befangenheit sich mehr und mehr verlor, ״mein Entschluß in dieser Beziehung ist unwiderruflich, und müßte ich sonst verhungern, nie im Leben werde ich wieder einen Posten annehmen, bei dem ich den Sabbath entweihen müßte." ״Dn hast leicht reden von verhungern," spottete Theodor, ״wenn Du keine Stelle hast, kommst Du znm Onkel und issest dort." Adolf ließ die Gabel fallen, die er eben zum Munde führen wollte, unwillkürlich war er in die Höhe geschnellt und hatte den Sessel zurückgeschobcn. ״Theodor! wie kannst Du so rücksichtslos sein!" rief sein Vater empört, ״iß Adolf, kehre -Dich nicht an den Frechen," wandte er sich begütigend an den Ncsscn, ״iß, ich bitte Dich — und wenn Du gegessen hast, komm mit in mein Zimmer, dort wollen wir ungestört überlegen, was sich in Deiner Angelegenheit thun läßt. Aber jetzt thn mir den Gefallen und iß." Dieser aber war nicht im Stande, der Aufforderung zu entsprechen, der Hals war ihm wie zugeschnürt, und so sehr auch seine Kousine bitten, sein Onkel ihm znredcn mochte, cS war ihm nicht möglich, auch nur das Geringste zu genießen.

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