Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1887)
- Article
- [Rezension] / -a-
- Date
- 1887-07-28
- Page
- 479 (sequence 3)
- Language
- German
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479 dafür hat, in das Privatleben des Volkes tiefer hineinzuschaucn oder zu horchen, z. B. wie Kinder von ihrem Elternhaus erzählen, von Freud und Leid, von Werktag und Sabbath, von Fest- und Fasttagen, dem wird es warm um das Herz, und der lernt das Volk vielfach ganz anders denn zuvor kennen. Was für Beispiele ließen sich da mitthcilcn von Liebe der Kinder gegen die Eltern und gegen die Geschwister, von Wohlthätigkcit gegen Dürftige, Kranke, Fremdlinge, Verunglückte; was für Beispiele, wie sauer die Väter und die Mütter cs sich werden lassen, um die Ihrigen durchzubringcn und zu versorgen; wie das Familienleben geweiht und verschont ist durch die heiligen Gebräuche. Aber auch wer ihnen ferner steht, jedoch ein wenig beobachtet, bemerkt doch wohl einzelne eigcnthümliche Tugenden, so — wie selten man einen! betrunkenen Israeliten begegnet; wie selten einem, der an Händeln und Schlägereien sich betheiligt; wie selten man einen Israeliten fluchen hört; wie selten eine Nrmmbehördc Veranlassung erhält, für eineu armen Israeliten die Angehörigen desselben zu seiner Versorgung erst anznhalten oder denselben gar in öffentliche Unterstützung zu nehmen." ,,Wir sind bei der großen Mannigfaltigkeit religiöser Ansichten nicht einmal innerhalb einer Familie im Stande, die Üebcreinstnnmnng der Konfession vorzuschreiben, geschweige denn innerhalb eines Volkes. Das aber kann und muß von jedem Mitgliede einer Familie und eines Volkes gefordert werden, daß dasselbe die Bedingungen der Ordnung und Wohlfahrt des Ganzen respcktirt; und diese Bedingungen festzusetzcn und festzuhaltcn, zu Pflegen und zu schirmen, ist innerhalb eines Volkes die Aufgabe unserer Staatsorgane, unserer Volksvertreter und Negiernngswerkzeug^ — Diese nuS heutzutage beinahe selbstverständlichen Wahrheiten mußten im Laufe der Jahrhunderte erst zum Verständnis; unserer Völker kommen, und die Existenz der israelitischen Bevölkenmg in ihrer Mute hat ungemein Vieles dazu bcigctragen. Alle anderen Versuche, der unseren christ- > Lichen Völkern fremdartigen Bevölkerung ihre Stellung innerhalb derselben anzuweiscu, haben sich als nicht nur unrecht und unmenschlich, sondern sogar als heillos und fruchtlos erwiesen. Die Emanzipation der Juden war das Resultat alter dieser slaatskirchlichen Versuche und das Wahrzeichen dieser unserer ganzen heutigen Anschauung, weiche man nicht schärfer und präziser anssprechcn kann, denn in der allgemein gehaltenen Fassung des betreffenden Paragraphen unserer württembergischcn Gesetzgebung vom 3k. Dezember 1860: ״Der Genuß der staats- und gemeindebürgerlichen Rechte ist von der Konfession unabhängig." Damit ist aber der Staat nicht enlchristlicht, so lange das Volk nicht cntchristlicht ist, und ׳damit bekommen Staat und Kirche nur desto schärfer ihre Aufgabe vorgezeichnet, — der Staat die Ausgabe, von der freien Bewegung des geistigen Prozesses die wilden oder faulen, die störenden oder vergiftenden Elemente ferne zu halten und dem gesunden Leben Bahn zu machen, und der Kirche jeder Denomination die Aufgabe, die erkannte Wahrheit zu bewahren und zu bewahrheiten, zu Pflegen und auSznbreiten — nicht mehr mit Gewalt, sondern mit den einzigen einer Kirche würdigen Mitteln, der Predigt und Seelsorge, des Beispiels und des Gebetes." -L- Inserate werden die Zspaltige Petitzrite oder deren Räum mit 25 Psg. berechnet. Für den Inhalt derselben übernimmt brr Redaktion keinerlei Verantwortung. JnsertiouS- und Abonnements-Annahme für Frankfurt a. M: auch bei Herrn I. Kaufsuiann daselbst, ohne Preiserhöhung. Durch stdr.Buchhandlung zu beziehen: לוה לדנה חרר׳יה JllttftrirLer iüd. Familien-Kalender l>ro 5<‘4S (18$$). Herausgegeben v. Julius Meyer. 10. Jahrg. Preis 60 Pf. Gegen Einsendung v. 60 Pf. auch direkt franko. Halbcrstadt. II. jleycr’s Buchiruckcrä "”כשר Meine streng koschere Restauration in Mad-Lieb Mein ist vom I. Funi eröffnet. Barch selb, 5. Mai 1887. I. Weites Wwe. Nr. LL8 des praktischen Wochenj blattes für alle Hausfrauen ״Fürs; Haus", Dresden N, (vierteljährlich : nur 1 Mark) enthält: j Für Fnßmanderer in den Alpen. L 1 Sommer (mit Original-Zeichnung von E. W. Müller). Seid mitleidig! Spiele! im Freien, l. Seebäder. I. Haushaltung : in der Minehassa. I. Schmetterlinge für Sammlungen. Turnen. Verstopfung. Ab. ׳ stehende Ohren anliegend zu machen. Hat-! tnng der Schüler. Wie hilft man schnell j beim Eroup? Schwab.«Hall. Blöden«! Pfiegeanstalt Eben-Ezer. Sechshändige 1 Klavierstücke. Unarten. Handwebeapparat.! Billiger Liqueur. Preis « Bilderräthsel. i Fernsprecher. Echo. Briefkasten der Schrift« j leitnng. Anzeigen. fj r Ostende. erg HP ^eftaimmt I. “־Hanoiec;. Nenomunrte Zlüchc. fr? Nci ngehaltene Wein c. (y Komfortable Einrichtung. . jedem Quantum abgegeben. Koscher .Käse, ä. Pfd. 3-» Pfg. Dlunpsmolkerei Langeltselbold 8tern L Keiler. Referenzen ertheilt Sr. Ehrwürden Herr Provinzial.Rabbiner vr. Koref, Hanau.