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Jeschurun · 1887-07-28 · Heft 30 (28.7.1887) · p. 474

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 30 (28.7.1887)
Article
Die Versammlung zu Breslau am 5. und 6. Juli
Date
1887-07-28
Page
474 (sequence 2)
Language
German
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״ 474 ״etwa 90" nur 25 zur Stelle waren, wahrend bedaucrlichcr und merkwürdiger Weise 65, darunter sogar ״ein Thcil der ursprünglichen Anreger", ״aus Gesundheitörücksichtcn, beziehungsweise Unabkömmlichkeit" vcrhindert waren. Die Vcrbandsmitglieder müssen sich!Heils einer sehr schwachen Konnstitntion erfreuen, theitS ihren Gemeinden sehr thcuer sein, daß sic während des langen Zeitraums von drei Jahren eS nicht ermöglichcn konnten, ein paar Tage sich abznmüssigcn, um der so bedeutsamen Versammlung anzuwohnen. Welchen geringen Ersatz für die persönliche Anwesenheit bieten die brieflichen ״Sympathien" und schriftlichen ZustimmungSversicherungen den geehrten Abwesenden! Es!nacht wahrlich einen tragikomischen Eindruck, wenn Herr Dr. Joöl mit Emphase betont, daß der Verbandstag ״nicht blos mit dem Gewichte der augenblicklich Anwesenden auftrcte", sondern berechtigt ist ״von etwa 90 Nabbincrn zu reden." Wir sind der unmaßgeblichen Meinung, daß in einer Zusammenkunft, zu welcher die Erschienenen nur kraft ihrer eigenen Entschließung gekommen sind, ein Jeder nur in seinem eigenen Namen auftretcn kann. Die ״Sympathien" verleihen keinerlei größeres Gewicht; und was die Zustimmungen betrifft, so kann man doch nur erst einem gefaßten Beschlüsse zustimmen. Eine Zustimmung zu Beschlüssen, die noch gar nicht vorliegcn, die vielmehr erst aus der Erörternng hervorgehcn sollen, ist ein Nonsens. Wie kann nur ein so feiner Kops wie derjenige des Herrn I)1\ IM!111 Ernste daran denken, daß durch den AnSdruck der Sympathie und der vor gefaßtem Beschlüsse erklärten Zustimmung, die Vcrmuthn׳.׳.g ausgeschlossen sei, ״als ob hier nur Einsichtigkcit sich geltend mache!" Wir haben eine viel zu hohe Meinung von Herrn Dr. Joöl, als daß wir ihm einen solchen Gedanken Zutrauen möchten. In den! Rückblick,׳ den er sodann auf die erste Versammlung in Berlin wirft, stößt uns der Satz auf, daß daö Judenthum als älteste monotheistische Religion aus i h r e m S ch o o ß e den Satz, ״liebe deinen Nächsten als dich selbst" erzeugt hatte, ja als nothwendige Folge wie den Schluß aus der Prämisse erzeugen mußte, weil doch schon in der Geschichte Abrahams als der ״Weg Gottes" die Wahrung von Liebe und Recht bezeichnet wird. Herr Dr. Joöl drückt sich bekanntlich stets mög-- lichst vorsichtig aus. Ein in dem Pentateuch stehendes Gebot als eine Erzeugung aus dem Schooße der jüdischen Religion zu bezeichnen, dürfte mit dem HauptglaubenSsatzc der jüdischen Religion in Widerspruch stehen, daß alle Gebote von Gott gegeben sind und -er ganze Pentateuch von בראשית bis לעיני כל ישראל buchstäblich GotteSwort ist und nichts enthält was nicht auf den unmittelbarsten Befehl Gottes niedergeschrieben ist. In dem Munde eines Rabbiners klingt die ״Erzeugung" eines im Pentateuch befindlichen Gebotes sehr befremdlich.. ' . ׳ י , , , ׳״ Herr Di*. 3001 gewährte hierauf einen Anblick in die ״Schmerzen und Sorgen", in ״das stille Martyrium" des Rabbiners von heute. Es ist die wiederholt gehörte Klage der Herren von der Reform. Sie suhlen sich ״angefeindet von Leuten,'welche die Berechtigung des Neuen nicht verstehen, und wiederum vor-!׳.chm benrtheilt von solchen, welche die Berechtigung des Men nicht anerkennen." יי" י י 'Ja, Ihr Herren, da seid Ihr in der That sehr zu beklagen, und es ist Euch nicht zn helfen. Derjenige Jude, welcher die Gebote des Jud'enthumS ernst und aufrichtig als Befehl Gottes erfaßt und demgemäß ihnen Gehorsam leistet im praktischen Leben, der wird Eure Neuerungen allerdings nicht als berechtigt anerkennen. Lasset doch einmal sehen, welchen Neuerungen Ihr durch Beispiel oder Lehre Eingang verschafft. Da es Euch nicht beliebt hat oder nicht möglichist,'Eure Nenerungen systematisch zu ordnen und zu begründen, so daß wir noch immer eines unter der Autorität der Reformpriesterschast abgefaßten Kompendiums entbehren, welches als Euer Bckenntniß gelten könnte, so kann man nur die Handlungen, und Lehren -der einzelnen Herren Reformern ins Auge fassen. Also, wenn Ihr z. B. zeigt, daß Ihr den Gesetzen von שעטנז; von גילוח בתער, von הוצאת בשבת durch das Beispiel Eurer Lebensweise oder Eurer Lehre keine unbedingte Verbindlichkeit beimesset, so werdet Ihr gewiß die Bercchtigirng dieser ״Neuerung", die nichts anderes als eine Auflehnung gegen das göttliche Gesetz, gegen das Wort Gottes ist, nicht erweisen könnten. Die ״Leute", wie Herr Dr. 3001 sich geschmackvoll und höflich ausdrückt, welchen das Wort Gottes eine höhere Autoritat ist, als Euer Gottesgesctz mißachtendes Beispiel und Eure Gotlcsgesctz verleugnende Lehre, sind aber doch ganz bestimmt im Rechte und hegen für die jüdischen Religion eine ernstere Hochachtung als,Ihr!. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. - .-׳־ C. Berlin, 26. Juli. Das Religionsbekenntniß der schulpflichtigen Kinder im Alter von über 6 bis zu 14 Jahren und der Zahl der Kinder unter 6׳Jahren in! preußischen Staat gewährt nach den in Heft III/IY -er ״Zeitschrift des Königlich preußiechen Statistischen Bureaus" (Jahrgang XXVI) mitgetheilten endgültig

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