Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1887)
- Article
- Wahrheit und Frieden
- Date
- 1887-07-21
- Page
- 451 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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451 und zu Festtagen werden; nur liebet die Wahrheit und den Frieden." Noch a!S der jüdische Staat in Macht und Glück blühte, ja noch bevor er erstehen sollte, hatte Gott die Bedingungen für dessen Bestand und für das Heil deS Volkes verkünden lassen. Wir können nicht zweifeln. Erschöpfte sich in dein äußeren Glück, den! Wohlwollen der Staaten, der Gleichbcrechiignng mit unseren Mitbürgern das jüdische Nationalgcschick und fände hierin die jüdische Ausgabe ihren Abschluß, so hätte cS nicht erst des Martyriums von Jahrhunderten bedürft, — Israel besaß ja dieses Alles schon in der Vergangenheit. Ja Israel besaß mehr; eö war ein alter blühender und geachteter Staat unter staatsklugen und tapferen Königen. Von dem Auszuge ans Aegypten bis zum Untergänge des Reiches Juda. liegt ein Zeitraum von etwa einem Jahrtausend. So lange war es selbstständig und hatte eine glorreiche Geschichte entfaltet, ein acht nationales Boltslebeu und pflegte seine nationale Kultur und Wissenschaft. Wenn die Erlangung der äußeren Glncksgütcr das höchste Ziel Israels sein sollte, so wäre dieses längst von ihm erreicht lind herrlicher verwirklicht worden, als cs von den Erstcrcn in der Gegenwart bereits erblickt und von den Anderen von der Zukunft erhofft wird. Ja selbst zu Secharjahs Zeit zeigte sich der Juden Geschick viel glückverheißender. Nicht einer etwa im persischen Reiche herrschenden judcnfcindlichcn Strömung verdanken die Edikte der persischen Könige ihren Ursprung, durch welche den Juden die Erlaubnis; crthcilt wird, ihre alte Hauptstadt und ihr altes Heiligthum wieder zu erbauen. Im Gcgcnthcil, Hochachtung und Werthschätznng der Juden und des Judeuthums athmcn diese königlichen Edikte, und cs hebt in der That mit dieser Aera für das jüdische Volk ein neues ziemlich stlbstständigeS Staatsleben an, das an sechs Jahrhunderte währte. Berechtigter als in der Gegenwart erschien damals die Frage. (Schluß folgt). Die Ücrfa1111!11!u!a in Krcslnn um 5. und 6. lull Im Juni 1884 traten bekanntlich 68 Männer, welche das Amt eines Rabbiners in verschiedenen Gemeindcn Deutschlands bekleiden, in Berlin zusammen und konstitnirten sich als Verband der Rabbiner Deutschlands. Die Herren haben aber dainalö in ihren Ver׳ sammlungen ein so klägliches Bild der inner« Hohlheit und Zerfahrenheit geboten, daß sie im Laufe von drei Jahren nur wenig Genossen gefunden, die sich ihnen anschlicßen mochten. Das wird auch wohl der Grund gewesen sein, weshalb die wiederholt geplante Abhaltung einer Versammlung dieses pompösen deutschen Nabbinerverbandes scheiterte. ES gehört aber auch ein Math dazu, dem Schicksale der Lächerlichkeit zu verfallen, und einen solchen besitzen eben nicht viele Menschen. Aber cS mußte doch endlich eine Versammlung stattsinden, wollte man nicht diesen Verband als Embrw in das kühle Grab der Vergessenheit senken. Die Herren DD1•. Alexander-Berlin, Barnbcrger-Königsberg, Bäck- Lissa, B i r a m - Hirschberg, Bloch-Jarotschin, Bloch-Posen, Brann-Pr.Stargard, Baßfreund-Tarnowitz, Chodowsky-OelS, Fcßlcr-Landsberg a. W., Gol dsch midt-Birlcnfeld, Joöl-Breslau, Kl c mp er er-Bromberg, Kn oller- Breslau, Löwenm ayev? Frankfurt a. O., Pcritz- Licgnitz, Raw icz-Schmiehcim, Richter-Filehne, Nippner-Glogau, Roth-Könitz, Theodor-Berent, U n g e r l c i d e r - Berlin, V o g e l st e i n - Stettin, W ei n - berg-Insterburg und Winter-Dresden, sünfnndzwanzig an der Zahl, hatten sich entschlossen, um der Lebensrcttnng des Verbandes willen, sich zn opfern und tagten nurthig am 5. und 6. Juli d. I. zn Breslau. Der so schön und voll tönende Titel Verband der deutschen Rabbiner war inzwischen in richtiger Sclbsterkennlniß dem bescheidenen ״Nabbincr-Verband in Deutschland" gewichen. Ganz nach dem Muster der Berliner Versammlung nahm ein Mitglied des Vorstandes der Breslauer Synagogcngemcinde, Herr Rechtsanwalt Dr. Milch, zuerst das Wort, um die Herren zu begrüßen. Herr Dr. M i lch scheint die Rede seines Berliner Kollegen nicht ohne Nutzen stndirt zu haben. Wie vor drei Jahren der Vorsteher Herr Herz in Berlin den Rabbinern die Direktive für ihre Verhandlungen gegeben hatte, so hielt Herr l':\ Milch eine solche auch für die in Breslau vcrscuumcltcn sünsnndzwanzig Herren nicht für nberstiissig. Er bezcichnete die Versammlung als eine solche, ״welche mit Ausschluß aller religiösen Differenzpunkte nur solche Fragen in den Kreis ihrer Berathungcn gezogen habe, welche die Hebung des religiöjen Sinnes herbeizusnhren im Stande seien." Er war jedoch etwas höflicher als der Berliner Vorstehcr, welcher ausdrücklich erklärte, daß nur solche Beschlüsse auf die Unterstützung deS Berliner Vorstandcö rechnen könnten, welche von ihm als dem Getncinwohl ersprießlich erachtet werden würden. Herr D1\ Milch sagte in dieser Hinsicht: ״Die Breslauer Gemeinde werde etwaige für die praktische Ausführung bestimmte Beschlüsse mit derjenigen Achtung prüfen,