Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1887-07-14 · Heft 28 (14.7.1887) · p. 439

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 28 (14.7.1887)
Article
Historische Notizen zur Geschichte der Juden in München (gelegentlich der Fertigstellung der neuen Synagoge)
Date
1887-07-14
Page
439 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2932754-2932755-2932783-2935871--25469-2935918
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

keit aus Mangel an Unterhaltungsstoff allmählich ernüchterte» Fürsten auf die trostlos hernmirrenden Juden. Im Jahre 1530 offnen sich wieder die Thore der Stadt München den jüdischen Exulanten, um nach Ausbeutung ihrer Kräfte einige Jahre später kreischend hinter ihren: Rücken in das Schloß zu fallen. (Schluß folgt). Mer 1n!s kt GkMmrt. Von Friedrich Nott. sNLchdruä verboten.) (Fortsetzung.) Es war ein schon älterer Fabrikarbeiter, der mit einem gewissen Behagen seine Ansichten da zum Besten gab, Herzfeld murmelte einige znstimmende Worte, nahm daun die Kreide, um auf dem Ladentisch die Rechnung für die eben überlieferten Maaren zusammenzustellcn. ״Ein Gulden dreiundachtzig Kreuzer," sagte er. Der Arbeiter war eben im Begriff, den Betrag aufzuzählcn, als eine heftige Detonation erfolgte, so daß das Haus in seinen Grundfesten erbebte und die Fenster klirrten. ' Ein Schreckcnsruf aus mehr als hundert Kehlen. ״Herr Gott! der Wollner wird was angcstellt haben!" schrie Herzfeld und drängte sich durch die Anwesenden, dem Ausgang zum Hofe zu, denn der Eingang zu dem Keller, in dem er den jungen Manu geschickt hatte, lag jenseits unter dem gegenüber befindlichen Magazin. In wilder Hast drängten Alle nach, doch Keiner durfte eS wagen, der erwähnten Kellerstiege zu nahen, denn schon züngelten Flammen lichterloh unter dem Magazin hervor. Es entstand eine unbeschreibliche Verwirrung. Während die Einen in die Stadt rannten, die Feuerwehr hcrbeizurufen, eilten Andere hinüber in die Fabrik, . einige dort befindliche Löschgeräthe herbeizuschaffen, alle klebrigen jedoch stellten sich dem Geschäftsinhaber zur Disposition, nm zn retten, was zu retten. Mit Stentorstimme traf dieser seine Verfügungen, die ebenso vielen Muth als kalte Besonnenheit verrieth'en, nm die zunächst bedrohten Maaren im Magazin in Sicherheit zu bringen. Da stürzte mit schreckensbleichem Angesicht seine Frau auf ihn zu. Sonst verließ sie am Sabbath nie ihre in den oberen Räumen besindtiche Wohnung; der Feucrlärm hatte sie hcruntcrgetricbcn und sie hatte bereits erfahren, daß ein Ladengehülfe durch unvorsichtiges Gebühren mit Licht im Keller den Brand verursacht haben sollte. ״Wo ist er?" schrie sie ihrem Manne zu, ״er .ist doch heraufgekommen?" ״Von wen: sprichst Du?" rief er, ohne sich zu ihr zu wenden. ״Von dem Menschen, der mit Licht im Keller war. Er ist doch heraufgekommen?" ״Weiß ich?" entgcgnete er achsclzuckcnd. Sie stieß einen gellenden Schrei aus. ״WaS rettet Ihr Maaren?" schrie sie, ״rettet den Menschen!" Sie wollte zu der Keller stiege hineilen, ihr Mann hielt sie mit Gewalt zurück. ״Bist Du verrückt? siehst Du denn nicht die Flammen dort emporzüngeln? bevor die gelöscht sind, kann kein Mensch hinunter. Und mit den Handspritzcn ist da nichts auszurichten. Aber da hörst Du die Feuerglocke? jetzt werden gleich die Brandspritzen hier sein mit der Feuerwehr." ״Und bis dahin ist der Unglückliche dort unten wenn nicht verbrannt so jedenfalls erstickt." ״Ist seine eigene Schuld. — He! holla! Ihr da oben! Was laßt Ihr die Säcke an Stricken herunter? werft sie 'runter! rasch! — sonst wird'S zu spät!" Frau Herzfeld drückte beide Hände gegen die Stirn, die Flamme, der tumultartige Lärm, die Angst um das vielleicht schon verlorene Menschenleben, alles das drohte sic zu übcrmanncn, aber mit Anspannung ihrer ganzen Geisteskraft hielt sie sich aufrecht, und sann auf Rettung. Plötzlich wandte sie sich und stürzte zurück in das Geschäftslokal, durch das man zur Straße gelangte. Einige ihrer jungen Leute kamen ihr entgegen. ״Wer ist im Keller?" rief sie ihnen zu, ״wer?" ״Wollner, Adolf Wcllner." ״Der ist schmal," murmelte sie, ,,da kann'S gelingen. Rasch," gebot sie, ״nehmt einen festen Strick und Jeder eine Hacke — aber rasch! rasch! wir müssen ihn zu retten suchen." Die beiden Ladengchülfen beeilten sich, dem Befehle ihrer Herrin zu entsprechen. ״Rasch! rasch! bevor eö zu spät wird!" rief sie, und stürzte hinaus, die jungen Leute ihr nach. Adolf Wollner befand sich in der That in größter Gefahr. Er war ein hochgewachscner junger Mann von ungefähr neunzehn Jahren. Von frommen Eltern erzogen, hatte er sich lange gesträubt, in ein Geschäft einzutreten, in dem er den Sabbath entweihen mußte. Doch sein Onkel und Vormund, in dessen Haufe er seit dem Tode seiner Eltern lebte, hatte, nachdem er sich längere Zeit vergebens bemüht, einen Posten für seinen Neffen zu finden, bei dem derselbe der Arbeit am Sabbath enthoben wäre, ihn gedrängt, der Noth- Wendigkeit, wie er sich ausdrückte, nachzugeben, und den Skrupeln seiner Kinderjahre zu entsagen. Mit schwerem, schwerem Herzen hatte Adolf nachgegeben und war in das Geschäft des Spezereihändlers Herzfekd, der eben einen Ladengchülfen suchte, eingetreten. An

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.