Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1887-07-14 · Heft 28 (14.7.1887) · p. 434

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 28 (14.7.1887)
Article
Die freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums
Date
1887-07-14
Page
434 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2932754-2932755-2932783-2935869--25459-2935913
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

434 1) Die Militärdienstpflicht der jüdischen Religionslehrer. Seitens eines Vorstandsmitgliedes war behufs thunlichster Veranlassung geeigneter Schritte die.Aufmcrksamkeit des geschäftssührenden Ausschusses darauf gelenkt worden, daß seit den letzten Jahren den jüdischen Religionslehrern in Preußen die bis dahin ihnen wie allen andern für das Elementarlehrfach ordnungsmäßig geprüften Lehrern zugcstandene Vergünstigung einer nur sechswöchentlichcn Dienstzeit entzogen worden war, obgleich es nicht ihr Verschulden war, daß sie keine Anftellung in einer öffentlichen Elementarschule hatten. Die meisten jüdischen Gemeinden haben nur NeligionSschulen, während die Kinder den allgemeinen Unterricht in den örtlichen Volksschulen genießen, in welchen jüdische Lehrer aber keine Anstellung finden. Die Entziehung der erwähnten Vergünstigung hindert die Gemeiudcn vielfach in Verwendung der vorhandenen Lehrkrästc und legt daher die Gefahr nahe, die Zahl ordnungSmäßig geprüfter Lehrer von pädagogischer Bildüng in bedenklicher Weise zu verringern. — Der geschäftsführende Ausschuß hat sich daher im Interesse der allgemeinen und religiösen Bildung unserer Jugend mit einer diesbezüglichen Vorstellung au den Herrn Unterrichtsminister gewendet und ist von demselben in Gemeinschaft mit den Ministerien des Krieges und des Innern der Bescheid ergangen, daß zwar dem Gesuche um Wiederbewilligung der sechswöchentlichcn Militärdienst-Begünstigung nicht im Allgemeinen willfahrt werde, daß jedoch in jedem einzelnen Falle geprüft werden soll, ob Grund zu einer solchen Bewilligung vorhanden sei. — Wir glauben, dieses Ergcbniß nicht ungünstig beurtheilen zu dürfen; es ist damit den Gemeinden vorkommenden Falles Grund und Anlaß zur Verwendung für ihre Lehrer gegeben und dürfte ihnen eine wohlwollende Aufnahme in Aussicht stehen. 2) Die Schechita-Angeiegenheit. Das Vorgehen der Thierschutzvereine gegen die Institution der שחיטת hat auch uns nicht müssig gelassen. Wir haben uns Namens unserer Bereinigung mit einer Gegenvorstellung an den Reichstag gewandt, während ferner unser Vorsitzender eine von 60 deutschen Rabbinern unterschriebene Erklärung und Vorstellung eingercicht hat. Insbesondere aber haben wir Auszüge aus den bereits früher vom Herrn BezirkSrabbiner Dr. Eh immun herausgegebcnen Gutachten mit Hinzufügung der von unserm Vorstandsmitgliede Herrn Provinzialrabbiner Dr. Ecrhn in Fulda von den bedeutendsten Autoritäten der Gegenwart weiter eingczogenen Gutachten in einer besonderen Brochüre in Druck gegeben und dieselbe unter die Mitglieder des Reichstags und des BundcSraths vertheilen lassen. Nach Auflösung LeS Reichstags, in welchem diese Angelegenheit nicht mehr vorgekommen war und nach Zusammentritt eines neuen Reichstags, dem viele neue Mitglieder angehörenhaben wir es für zweckmäßig gefunden, eine zweite, durch inzwischen eingegangene höchst bedeutsame Gutachten vermehrte Auflage zu veranstalten und dieselbe unter Wiederholung unserer srüheren Eingaben ebenfalls zur Vertheiluug zu bringen. Die Hoffnung, daß mit Gottes Hülse, unter Zusammenwirken mit andern dasselbe Ziel erstrebenden Vorstellungen wohl eine gänzliche Zurückweisung der gegen die שחיטה gerichteten Anträge der Thierschutzvercine. und eine definitive völlige Rettung unserer heiligen שחייטח- Institution zu erwarten sei, hat sich durch das Ergcbniß der inzwischen stattgehabten Verhandlung im Reichstage bestätigt. 3) Subvention an lehrbedürftige kleinere Gemeinden, Fürsorge für שחיטה unb מקראות in unbemittelten Gemeinden, für Lehrer und Schüler. Es kamen seither 34 Gesuche um Subventionen für Besoldung von Lehrern und ש״וב, für Unterhaltung von מקואות, für Unterstützung von Lehrern und Lehrbestissenen zur Bcrathung und Erledigung und in ihrer Mehrzahl zur Bewilligung von Subventionen, zunächst als einmalige Unterstützung. Die zum Zwecke der Prüfung der Gesuche erforderlichen Ermittelungen erfolgten durch eine von dem geschäftssührenden Ausschusse ans seiner Mitte erwählte Kommission, welche sich mit auswärtigen Vorstandsmitgliedern, Delegirten und Vcrc'mSmitgliedern zur Einziehung geeigneter Information in Verbindung setzte. Scheinen auch die dergestalt bewilligten Beträge mit einem Gesammtbetrage von 2250 afi im Einzelnen zum Theil nicht hoch, so erreichten sic doch fast sammtlich die Höhe der von den begutachtenden Herren beantragten Summen, so daß wir bei den überwiegend prekären Verhältnissen der kleinen Gemeinden die Genugthuung haben, auch mit diesen Beiträgen wirklich Gutes gestiftet zu haben. Im Einzelnen grnppiren sich diese Subventionen wie nachstehend: 1) Beiträge an unbemittelte Gemeinden zur Errichtnng oder Reparatur von מקואות an fünf Gemeinden, welche in den letzten Jahren durch besondere Umstände zu außerordentlichen Ausgaben gezwungen waren, in Folge dessen die Mittel zur nothwcudig gewordenen rituellen Herstellung bezw. Reparatur der?מקרו fehlten. 2) Beiträge an unbemittelte Gemeinden zum Zwecke der Erhaltung ihres Lehrers bezw. Lehrers und שוחט oder aber der Ermöglichung der Anstellung eines solchen. Diese Subventionen waren entweder: rr. Zulagen zum Gehalte dieser Angestellten, in Fällen, wenn der 1״m

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.