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Jeschurun · 1887-07-07 · Heft 27 (7.7.1887) · p. 426

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 27 (7.7.1887)
Article
Zur Würdigung der Agitation gegen die Schechita
Date
1887-07-07
Page
426 (sequence 2)
Language
German
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426 verabscheut; hat sich dieses sittliche Gefühl allgemein verbreitet, so giebt eS dem Gesetzgeber die Veranlassung, das, was bis anhin lediglich als sittliche Pflicht geübt worden, zu einer bürgerlichen Nechtspflicht, zu einem Gebot der öffentlichen Ordnung zu erheben. So ist es im Kanton Aargau ebenfalls der Fall gewesen und gemäß der Bundesverfassung kann kein konfessionellcs Bekenntniß von der Erfüllung der durch das betreffende Gesetz aufgcstellteu bürgerlichen Pflichten, von der Beachtung der durch dasselbe im Interesse der öffentlichen Sittlichkeit gegenüber der Privatwillkür gezogenen Schranken dispensiren. Allerdings ist die Glaubens- und Gewissensfreiheit unverletzlich (Art. 49 der Bundesverfassung). Allein so bald die praktische Durchführung von Glaubens- und Gewissensansichten zu einer äußeren Bethätigung auf dem Gebiete des allgemeinen bürgerlichen und osfentlichen Lebens führt, müssen sich die betreffenden Glaubensgenossen auch den Anordnungen fügen, welche der Staat im Interesse der Sitte, des Rechts und der osfentlichen Ordnung getroffen hat. Die Israeliten werden durch Anwendung dieses Grundsatzes durchaus nicht in eine odiose Ausnahmsstellung gedrängt, cs braucht in dieser Beziehung lediglich auf die Art. 51 und 52 der Bundesverfassung, die Heranziehung der Wiedertäufer zum Militärdienst und auf die gegenüber der ״Heilsarmee" getroffenen Maßregeln verwiesen zu werden. Wenn sic, die Israeliten, au? alle Rechte aargauischer und schweizerischer Bürger, und zwar mit Grund, Anspruch machen, haben sie auch die sittlichen Anschauungen unseres Volkes, dem sie nunmehr in allen rechtlichen Beziehungen angehören, zu respektiren und so auch die sittlichen Anschauungen, wie sie in dem Gesetz über Thicrquälerei ihren gesetzlichen Ausdruck erhalten haben." Diese ganze Anösührnng ist hinfällig, wenn man das wahre Recht und die wahre Sittlichkeit zum Maßstabe nehmen will. Es liegt hier nichts anderes vor als eine Kundgebung der ärgsten Unduldsamkeit, als eine Verkehrung deö Rechts in sein Gegcnthei!, als ein sophistisches Spiel zu Gunsten der Vorcnthalturg des natürlichsten Rechts der Staatsbürger, der ungehinderten Ucbnng ihrer Religion. Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. * Wer!in, 30. Juni. Der Hebräische Literatur- Verein ״Mekize Nirdamim" חברת נקיצי נרדמים »er־־ öffentlich( den Abschluß der Jahresrechnung für das zweite Vereinsjahr (1886/5646). Der Druck der Schriften für den dritten Jahrgang hat bereits begönnen; es werden in demselben erscheinen: I) פחד יצחק Schluß des Buchstaben ש und Anfang des Buchstaben ת, der so umfangreich ist, daß das Ganze erst in dem darauf folgenden Jahrgange wird zu beenden sein. 2) Der Schlußband der תשובות הגאונים nebst Einleitung in dieselben. 3) Maimonides Mischna- Kommentar, der Schluß zum Traktat בליס und ein Theil des Traktats 4 .אהלות) Der zweite Theil des 5 ...תרשיש) Saunnelband, enthaltend bisher nur Handschriftlich vorhandene טפיחות und קינות historischen Inhalts als Beiträge zur jüdischen Geschichte des Mittelalters, aus den Bibliotheken in London, Hambürg und Rom. 6) Das ספר הגלוי von Joseph Kimchi, nach der einzigen Handschrift in der Vaticana, bearbeitet von V1-. MathcwS in Brighton. Vom Machsor Bitrh ist bereits der größte Theil kopirt, ebenso vom großen Buche der Frommen. Es ist zu hoffen, daß die Herausgabe dieser so bedeutungsvollen Literaturwerke, wie auch der Halachot Gedolot bereits für den vierten Jahrgang wird vorbereitet werden können. Die Einnahme betrug im vorigen Jahre 4911.95״.//', die Ausgabe 5023.40 0ih C«. Berlin, 3. Juli. Mau schreibt der ״Franksurtcr Zeitung aus Berlin: Große Plakate mit der Ucberschrift I). A. B., das heißt: Deutscher Antisemiten- Bund, laden an den AnschlagSsäulcn zu einem ״antisemitischen Volksfest" für nächsten Sonntag ans dm Berliner Bock ein. Festrede des Herrn Reichstagsabgeordnetcn Böckel und ein .,großes Mititärkonzert!" Es kommt ganz so wie wir cS erwartet haben. Die Judenhetze, die während der letzten Reichstagswählen, um das Gedeihen der Kartellbrüdcrschast nicht zu stören und die Gewissen der Herren Lazarus und Goldschmidt zu beruhigen, etwas in den Hintergrund und zur Ruhe gewiesen wurde, darf sich jetzt wieder offen hervorwagen. Mancher, der früher aktiv mit׳ that, verhakt sich jetzt als Kartcllbrudcr allerdings nur zäschancnd, aber als Zuschauer mit vergnügtem Schmunzctn. Es darf ja auch Niemanden überraschen; Herr Wolfs, der Gegenkandidat BirchowS, für den die Herren Lazarus und Goldschmidt als Wühler deö zweiten NeichötagSwahlkwiseö sich speziell begeisterten, hat in einer seiner Wahlreden mit anerkennenswerther Offenheit versichert, daß der Antisemitismus nur auf Zeit zur Disposition gestellt sei, spater aber wieder auf die Tagesordnung komme. Sein neuester Apostel ist Herr Böcke!. Es ist richtig, die Konservativen haben ihn im Reichstage bei seinem Auftreten im Stich gelassen, ein Theil von ihnen wird es vielleicht auch ferner . thun, denn der Mann ist von einer gefährlichen Un-

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