Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1887-06-30 · Heft 26 (30.6.1887) · p. 409

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 26 (30.6.1887)
Article
Das schwarze Buch
Date
1887-06-30
Page
409 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2932754-2932755-2932781-2935708--25357-2935767
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

M 409 Zeschurun. Sie trafen den Nabbi wohlcr als seit längerer Zeit, er hatte bereits das Sofa mit dem Lehnsessel vertauscht und wollte sich erheben, als das Brautpaar in sein Zimmer trat, doch das gaben Velde nicht zu. Leo übcrbrachte ihm im Aufträge seines Chefs l 000 Thalcr zu wohlthätigcn Zwecken, Henriette stellte ihm im Aufträge ihres Vaters dessen Schwiegersohn vor und voll herzlicher Theilnahme sprach der Nabbi seine Glückwünsche aus. Dann aber ließ er sich nicht mehr halten, er mußte hinaus, Frau und Tochter zur Begrüßung des Bräutigams zu rufen. Als er das Zimmer verlassen hatte, blickte Henvielte mit musternder Neugier auf die Bücherreihen. ״Wo ist eS denn?" fragte sie. ״Dort, in der obersten Reihe, das erste dem Fenster zu." Sie nickte lächelnd, wie grüßend hinauf. ״Weißt Du, Leo, wenn ich einmal die Geschichte unserer Verlobung anfschreiben werde, so werde ich ihr den Titelbeilegen ,Das schwarze BnA." Korrcho!lde!!zm!mb Mchmhtcil. Deutschland. Hannover29 ,׳. Juni. Wir empfangen von dem Präsidenten der Bcrcnd-Lehmaun-Loge des Bene- Bcrith Ordens, Herrn Benjamin Hirsch in Hatberstadt, eine Zuschrift, welche sich gegen unsere Ausführungen über den Bene-Berith Orden wendet und dieselben zu entkräften meint. Herr Hirsch ersucht uns, diese Zuschrift zum Abdruck zu bringen. Wir halten eS für nnscrc Psiicht, diesem Wunsche nachznkommen und zwar um so mehr, als wir in den Ausführungen des Präsidenten der jüngsten deutschen Bene-Berith-Loge nicht nur keine Widerlegung, sondern recht eigentlich eine Bestätigung der von uns gehegten Ansicht erblicken. Wir bedauern, daß in der gegenwärtigen Ausgabe kein Raum für den Brief des Herrn Vcnjamiu Hirsch vorhanden ist und wir denselben bis zur nächsten Nummer zuurcklegen müssen. 0. Berlin, 27. Zuni. Der Antisemitismus in Ungarn hat jetzt zu cntsctzlichcu Exzessen geführt, welche auch dem schwerfälligsten Geiste das eigentliche 'Wesen und die wirklichen Ziele dieser ״Schmach unjcrs Jahrhunderts" zur Erkcnutniß führen. Kein Mund wagt diesen Haß gegen einen Stau: in oder eine Religionsgenosscnfchaft zu beschönigen, keine Feder rührt sich, Angesichts dieser Gräuel den Antisemitismus in Schutz zu nehmen. Um so ausfallender und bezeichnender ist es, daß die ״Kreuzzeilung" ihre Spalten der solgeudeu aus Budapest datirten Auslassung offnen mochte. ״Wenn auch die Zahl der Menschenleben, welche die nun bald beendigten Wahlen bisher gekostet, eine kleine ist, so muß es doch als ein sehr bedenkliches Anzeichen betrachtet werden, daß bei diesem politischen Geschäft es überhaupt zun! Blutvergießen kam. Ausschließlich Antiscmitcn fanden bei den Wahlen ihren Tod. Das nngewöhnlich rasche Eingreifen des äußersten Mittels, des Gebrauches der Feuerwaffe, sowie überhaupt eine AnSnahiucbehaudluug der Wählergruppcu und Ortschäften, welche für antisemitisch gesinnt galten, deutet auf besonders scharfe Weisungen hin, die ihren Grund wohl in den Befürchtungen der Israeliten vor einem neuen Ausbruche der Volkswuth gegen diesen wenig geliebten Dolksstannn hatten. Nun sind die Israeliten wieder besorgt, daß die Bevölkerung durch das scharfe Vorgehen der Behörden gegen den Antisemitismus, und besonders durch das Schicksal der während der Wahlkampagne erschossenen oder׳ schwer verwundeten Antisemiten noch mehr gegen sie erbittert werde. Diese Besorgniß erscheint aber um so begründeter, als besonders der energischen magyarischen Bevölkerung der Antisemitismus in Fleisch und Blut übcrgcgangcn ist. Sie war cS denn auch, welche in der großen Erhebung gegen die Juden vor drei Jahren die aktive Nolle spielte. Muß man eS nicht eine Ironie des Schicksals nennen, daß dieselbe Nationalität, in deren Namen jüdische Politiker heute in Ungarn mit entscheiden, über diese Herrschaft erbittert ist, und von den Beherrschenden selbst mit größerem Mißtrauen betrachtet wird, als die anderen, nur eine untergeordnete Stellung einnehmenden Nationalitäten? Bei einem Uebcrblicke über die Wahltaktik der verschiedenen nicht-antisemitischen Parteien füllt cö ans, daß letztere bisher zusammenhielten, sobald eö galt, eine nicht anssichtslos erscheinende antisemitische Kandidatur zu bekämpfen. Dies geschah in Folge des großen Einflusses, den sich die Israeliten in jeder der ausschließlich politischen Parteien verschafft haben, und mit aller Klugheit benutzen. Daneben führen sie auch das leichte, aber ganz besonders gefährliche Geschütz der gesprochenen und gedruckten Nachrede gegen die gefürchtete cthisch-wirthschaftliche (!) Partei ins Feld. Die Thalsache, daß in den antisemitischen Organen, wie von den antisemitischen Politikern entschieden ein christlich-konservatives (!) Programm vertheidigt wird, und daß sich zahlreiche Geistliche demselben angcschlosscn haben, verhindert die meist von Israeliten geleiteten Blätcr nicht, jene Partei, welche Ungarn auf Grund seiner alten christlichen Traditionen innerlich zugleich erhalten und reformiren will (!), als eine ״Bande" von Leuten hinzustcllen, welche . nach dem. Blute wie nach der Habe der jüdischen Staatsbürger lechzen, und denen jeder Ezzeß während der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.