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Jeschurun · 1887-06-30 · Heft 26 (30.6.1887) · p. 403

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 26 (30.6.1887)
Article
Der Brand der Judenhäuser in Duna-Szerdahely
Date
1887-06-30
Page
403 (sequence 3)
Language
German
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nehmen überall die LebenSgewohnhcitcn der Völker an, die sie bekehren wollen, mischen sich unter die Wilden, haben in Nohrhüttcn gewohnt bei dm Japanern, tragen Zöpfe in China, rauchen die Friedenspfeife mit den Indianern. Was bebentet für eine Einrichtung von solcher Universalität und Schmiegsamkeit, für eine Institution, welche die Erde umfaßt und noch jetzt unausgesetzt Millionen ihrem Körper anglicdert, die Schaar von Juden? Kaum ein kleines Karbenstäubchen auf dem bunten Flügel eines Schmetterlings! Das Vorurthcil der Nasse widerspricht nicht allein dem Wesen der katholischen Kirche, sondern auch ihren Interessen. Der Antisemit leugnet die Macht der Taufe, sein Haß wird durch die Bekehrung nicht gemildert und erweckt Tendenzen, deren Widerhall in den Herzen der Bevölkerung eine große Gefahr für die irdischen Existenzbedingungen LcS KtcruS schafft. Schon vor dem Ansbruche der Märzrevolution schätzte Albrccht Tcbeldi das Kirchcngnt in der Monarchie auf dreihundert und das jährliche Einkommen der nngarischeu Geistlichkeit auf sieben Millionen. In den vier Jahrzehnten, welche auSgcfüllt sind durch eine wunderbare Blüthe der VolkSwirthschast und durch eine gewattige Steigerung der Bodenrente, muß dieses Vermögen rapid zugcnommen haben, und eine Gemeinschaft, welche über so kostbare Vorrechte zu wachen hat, schädigt sich selbst aufs Tiefste, wenn sie den antisemitischen Sozialismus fördert. Wenn aber in gewiss«! Elementen, sagte Trcfort, der Appetit auf jüdisches Eigcnthnm erweckt ist, wird eS dieselben auch nach dem Eigenthume des katholischen Bischofs und des katholischen Grasen gelüsten. Wäre aber die Kirche so arm wie einst ihr Stifter, so könnte sie doch nicht für den Antisemitismus-kämpfen. Der Glaube kennt die ewige Vcrdammniß nicht, welche durch das Blut und die Geburt über den Sterblichen verhängt wird; er will retten, aber nicht verwerfen. Der Brand von Duna-Szcrdahcly wird endlich Klarheit verbreiten über die Folgen einer Politik, welche offen zum Klassenkampfe schürt. ES ist nicht möglich, daß täglich eine Schichte der Bevölkerung als eine Schlingpflanze geschildert wird, welche dem starken Baume die Säfte entzieht, ohne daß endlich die künstliche Verbitterung die Gcwaltthätigkcit erzeugt. Doch was bcdentcu selbst diese widerlichen Erscheinungen neben den Verheerungen, welche die Doktrin von den Gastvölkern im öffentlichen Geiste amichtct. Das Staatögrundgcsetz verbürgt allen Einwohnern daö gleiche Recht, aber diese kostbare Errungenschaft will Einzelnen gegenüber nur als eine Gnade gelten, die gewährt wurde und wieder entzogen werden kann. Die Mutterspräche, das Thcucrste, woran das Herz Hängt, soll für den Juden ein erschlichenes Gut jciu, all die Erinnerungen an deutsche Größe und deutsche Kunst sollen ihm verleidet werden durch den bitteren Nachgeschmack LcS Gedankens, daß eS Deutsche seien, welche de» Blutbann verhängt haben, daß cs Deutsche seien, welche ihn ans den! innigen Zusammenhänge mit der Hcimath reißen wollen. Warum geschieht dies? Man kann sich kaum vorstellen, wie nüchtern, wie brntat das Motiv ist. Vielleicht sind es tausend, vielleicht zweitausend Menschen, welche den Neid erregen, mehr gewiß nicht. Wie Wenigen gelingt eS überhaupt, sich über dem materiellen Durchschnitt emporzuschwingen, der gemeinen Nothdurft zu entfliehen? Wegen -dieses goldenen Gipfels eines Berges von Elend und Dürftigfeit werden Millionen verfolgt und geschmäht.. Diese trostlose Verirrung kann nicht lange dauern. Sie wird dereinst als eine Krankheit der Zeit erscheinen, wie ehedem der Krenzzug der Kinder und die Wundmale der Geißler. An unsm Kruder in Amerika. (Fortsetzung.) Die religiösen Zustände der amerikanischen Im- Migration zeigen sich noch weit trauriger und ungrDrdneter als die ökonomischen. ES kann dieses kaum Wunder nehmen, wenn man die Geschichte der Ein- Wanderung betrachtet. Diese vollzog sich ursprünglich zum großen Theile von Deutschland ans. Wie ehedem der Stamm Dan ein Götzenbild, das פסל מיכה, im heiligen Lande errichtete, welches für ganz Israel zum Verderben wurde, also haben leider unsere deutschen Brüder das Idol der Reform aus ihrer alten in die neue Hcimath gebracht, haben ihm in den amerikanischen Gemeinden Altäre errichtet und hier einen ReformkultnS begründet, der den derrtschcn an Entartung übertrifft. Als nun aus Rußland und Galizien jüdische Einwanderer nach und nach in das Land kamen, fanden sie das Ncsvrmidol und dessen Dienst bereits vor. Es waren meistens einfache Menschen, welche in sich nicht die Kraft fühlten, dem Zauber der Reform zu widerstehen. OaS ohnmächtige Gefühl des Flüchtlings, das verführerische Beispiel, die Macht der Gewohnheit — Alles wirkte zusammen, um das Gewissen dieser russischen und galizischcn Ankömmlinge emzutullen, in ihnen die Treue gegen das Neligionsgesetz zu erschüttern und ihnen daö Bewußtsein von der unverbrüchlichen Verpflichtung zur Erfüllung der Gebote Gottes zu ersticken. Die wenigen Starken und Treuen, welchen die gewissenhaste Beobachtung des Judcnthnms heilige Pflicht blieb, waren aber außer Stande, etwas wirklich Bedeutendes

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