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Jeschurun · 1887-06-23 · Heft 25 (23.6.1887) · p. 394

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 25 (23.6.1887)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1887-06-23
Page
394 (sequence 2)
Language
German
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394 aber unter den jüngeren Lehrkräften findet man kaum אהד מאלף, der nicht, baar alles jüdischen Wissens und religiösen Gefühls wäre, und diese, ach, sie flößen tödtcndcs Gift in die Drnst der zarten Jugend. Unsere Leser wissen, daß -wir schon vor Jahren für Krcirnng einer orthodoxen Lehrerpräparandic das Wort ergriffen, doch wie unsere anderen Pro- Positionen, welche wahrlich allesammt die Kräftigung, Erstarkung und Erhaltung der והדחה ."'ידאה zum Ziele hatten, leider wirkungslos blieben, so hat auch dieses unser Verlangen kein Echo gefunden. Aber cs darf so nicht bleiben; von Tag zu Tag wird das längst gefühlte Bedürsuiß immer dringender und zwingender. — ES ist uns bekannt, daß schon manche orthodoxe Gemeinde um Suspendirung von Lehrern pctitionirte, welche ungcschcut öffentlich den Ncligiousgesetzen entgegen handeln; wir wissen auch, daß hierbei die Intervcntion der orthodoxen DurchführungSkommijsion angesucht wurde; doch bei alledem entweiht der Lehrer fortan Sabbathc und Feste, genießt verbotene Speisen 2c. und waltet trotzdem seines Amtes. Wir dürfen das nicht so weiter gut heißen; wir müssen für die religiöse Erziehung unserer Kinder, demnach für die Heranbildung von religiösen Lehrern sorgen. Die israelitische Lehrerpräparandic liefert keine und die anderen im Lande bestehendenLchrerpräparandicn noch viel weniger. Unseres Wissens hat wohl das königlich ungarische Kultusministerium in einem 8ub ZI. 10, 770 de dato 20. April 1880 herausgcgcbcnen Erlasse verordnet: ״daß israelitische Hörer der StaatSpräparandien an den jüdischen hohen Festtagen vom Schulbesuche dispensirt seien und an Samstagen zum Schreiben, Zeichnen und Rechnen nicht gezwungen werden;" allein man gehe und sehe, wie viele der Lehramts-Kandidaten von dieser Konzession Gebrauch machen, und auch im hiesigen KnltuSiniuisterinm scheint man diese ״Konzession" ganz vergessen zu haben, sonst wären in dem bekannten UkaS vom vorigen Jahre, welcher die jüdischen Studenten zwingt, Sabbath- und Festtage zu entweihen, nicht blos die Rabbincrsöhne vder NabbiuatSkandidatcn in spe, sondern auch die Lehramts-Kandidaten in spe auSgenommen gewesen. Die Zöglinge der unter dem Protektorate der Kongrcßkanzlei stehenden ״israelitischen LandcS-Lehrcr- Prüparandie" sind wohl an Sabbath- und Festtagen vom Schulbesuche dispensirt, doch sie bleiben darum mit dem הרול יממה nicht zurück; diese ״Präparandie" befindet sich in dem ״Nabbiner-Scminar-Gebäude" zu Budapest; und wer am Sabbath die HolluuLergasse Passirt, wird die schmerzliche Wahrnehmung machen, wie da kecke Lehramts-Kandidaten mit brennender Zigarre im Munde zum Seminargebäude gehen, dort angelangt, den noch glimmenden Nest wegwerfen, dann in die geweihten Hallen eintreten, um an einer Vereinssitzung Thei! zu nehmen, bei welcher die künftigen jüdischen Jugcndbildncr ganz ungcnirt schreiben. — Sollte der in der Anstalt domizilircnde Rabbiner, Professor M. Bloch, von alle dem keine Kcnntniß haben? Sollte der Präparandcndirektor H. Deutsch, der zum Ucbcr-- flusse in der Untcrabthcilnng des Nabbinerseminars auch גמרא unterrichtet, hiervon noch nichts erfahren haben? — Und solchen מומרים sollen wir die religiöse Erziehung und Bildung unserer Kinder anvertrauen? — Nein, nein, die Pcster israelitische Lehrerpräparandic hat keinen Anspruch auf das Vertrauen der glaubenstreuen Inden, sie hat jeden religiösen Kredit ciugebüßt. Es ist eine Schmach für ein Institut, das solche מוימ^ים ומומרים entläßt und diplomirt, jüdischen Kindern Religionsunterricht zu crtheilcn, cs ist aber eine noch größere Schmach für orthodoxe Gemeinden, die solche Lehrkräfte aqniriren. — Wie schön und wahr sagt doch Jean Paul in seiner Levava S. 52: ״Da aber die erste Regel für Jeden, der etwas geben will, die ist, daß er's selber habe, so kann Niemand Religion lehren, als wer sic besitzt; erwachsene Heuchelei hingegen, oder Maulrcligion erzeugt nichts als nnerwachsene; eine solche Nebensonne kann weder wärmen noch leuchten; und jeden optischen Betrug erwidert ein akustischer. Wer keinen Gott im Himmel und im Herzen hat, kann sich ohne Sittlichkeit durch keine Sittlichkeit gebnndcn glauben, in seine Kinder (etwa Nutzens halber) ein Nichts zu impsen, das er aus sich schon auSgerissen hat, und das er später selber wieder auSznreißen gedenkt." Wir schließen mit dem Appell an die orthodoxen Rabbiner und Gemeinden, sie'mögen in Angriff nehmen, was früher oder später wird geschehen müssen. ES kann nur noch eine Frage der Zeit sein, denn es wird kommen, weil cs kommen muß, daß die Orthodoxie sich aufraffcn wird, eine orthodoxe Lehrerpräparandic zu krcireu. Die zur Soutcnirnng der Anstalt crfordcrlichcn Geldmittel sollen auS dem jüdischen Landesschulfonds flüssig gemacht werden. Aus diesem Fonds werden die Erhaltungskostcu fürs Nabbincrscminar und die mchrcrwähntc Lehrerpräparandic bestritten, warum nicht auch eine Institution, welche den orthodoxen Juden zu Gute komme? Darum rasch auf, auf, rasch zur That, cs ist dies heilige Pflicht, jedes Zögern und Säumen ist eine eminente Versündigung und Preisgebung der vitalsten Interessen des orthodoxen Judenthums.

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